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Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) hat ihren 5. Workshop zu den

River Information Services (RIS) veranstaltet. Die Sicherheit hat sich bereits erhöht, durch Anregungen aus der Branche sollen die Systeme zusätzlich weiter verbessert werden

Der Workshop diente als internationale und interaktive Plattform, um sich über die wichtigsten ZKR-Aktivitäten der vergangenen Jahre zu den RIS auszutauschen, die Arbeit und die Erfahrungen anderer Organisationen in diesem Bereich vorzustellen und die Erwartungen der Fachkreise und Stakeholder an die RIS zum Ausdruck zu bringen.

Etwa 60 Akteure der Binnenschifffahrt aus neun europäischen Ländern, von Binnenschifffahrtsunternehmen, Frachtführern, Anwendungsentwicklern, Geräteherstellern und Einbaufirmen, Verwaltungen sowie Binnenhäfen, kamen Mitte November vergangenen Jahres in Straßburg, Frankreich, zusammen. Anwesend waren auch Vertreter der Europäischen Kommission und anderer internationaler Organisationen.

Die Akteure betonten den positiven Einfluss der RIS auf die Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung der Rhein- und europäischen Schifffahrt und bekräftigten ihre Bereitschaft zum gemeinsamen Handeln. Darüber hinaus versicherten die Vertreter der ZKR den Teilnehmern, dass sie deren Vorschläge und Anregungen aufnehmen und in die Arbeiten der ZKR einfließen lassen würden.

AIS und elektronische Karten

Die ZKR hat mit Wirkung zum 1. Dezember 2014 eine Ausrüstungsverpflichtung mit Inland AIS-Geräten und elektronischen Karten eingeführt. Nach den ersten beiden Jahren der Umsetzung dieser Entscheidung führte sie eine Online-Umfrage durch, um die praktischen Erfahrungen und eventuelle Schwierigkeiten der Nutzer besser zu verstehen und den von diesen Vorschriften betroffenen Personen und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, eigene Verbesserungsvorschläge einzubringen. Nach Angaben der ZKR haben über 1.200 Personen – und damit außergewöhnlich viele – an der Umfrage teilgenommen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage wurden von Fachleuten vorgestellt und kommentiert, so z. B. die Fristen für die Reparatur fehlerhafter Geräte, die Einbauqualität der verschiedenen Geräte sowie Unterschiede zwischen Vorschriften und Praxis. Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage wurden Anfang Dezember 2017 veröffentlicht und analysiert, um im Laufe dieses Jahres Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die ZKR zu erarbeiten. An dieser Arbeit würden auch Fachkreise beteiligt sein. Die Fachleute betonten auch, dass insbesondere Inland AIS und Kartenanzeigesysteme wesentlich zur sicheren Navigation beitragen.

Das sagen die Nutzer

Das sahen die Nutzer weitestgehend auch so. Plötzlich auftretende Geisterschiffe, springende Punkte auf der Anzeige und andere unzuverlässige Angaben sowie mehr Kontrolle ärgern jedoch manche Schiffsführer, andere freuen sich über eine bessere Übersicht, beispielsweise bei den Liegeplätzen.

Bei der Auswertung der Umfrage wurden für jede Einzelfrage so weit wie möglich die Antworten dokumentiert. Da nicht alle Teilnehmer auf alle Fragen eingingen, ergibt sich ein unterschiedlich dichtes Bild, das durch die teils mögliche individuelle Kommentarfunktion weitere Hinweise gibt. Erläuterungen zur Inland AIS Ausrüstungsverpflichtung waren Schiffsführern weit weniger bekannt als ausrüstenden Firmen.

Die Schiffsführer, die sich den Fragen stellten, verteilten sich rund zur Hälfte auf Gütermotorschiffe (604). Aber auch Führer von Tankschiffen (166) und Fahrgastschiffen (117) nahmen in größerer Zahl teil, während nur 16 Führer von Schubverbänden Auskunft gaben.

Die erfassten Fahrbereiche bei möglichen Mehrfachnennungen ergaben ein klares Übergewicht für die Niederlande (1.045 Nennungen), gefolgt vom Rhein an sich (647) und Deutschland (628) – Frankreich (354) und die Schweiz (176) waren daher in der Umfrage weniger präsent.

Zur Verwendung der Geräte an Bord ergaben sich neben Anerkennung für die Vorteile auch Probleme: Von 1.043 Schiffsführern sagten zwar 71,4%, sie würden das Gerät nie abschalten, 28,6% indes bejahten dies. Das Ausschalten bei Stillstand, unter anderem wegen des relativ hohen Stromverbrauchs, stellt demnach ein ernstes Problem dar. Verschiedene datenschutzrechtliche Gründe machten in der Gruppe der »Ausschalter« das Hauptargument aus. Datenschutzbedenken veranlassten viele, auch ohne konkrete Fragestellung, von sich aus Unmut über Eingriffe in ihre Privatsphäre zu äußern.

Zu größeren und kleineren technischen Problemen von Inland AIS äußerten sich 1.036 Schiffsführer. Die Mehrheit, 54,2%, klagte über verschiedene technische Probleme, 45,8% gaben an, keine zu haben. Am häufigsten wurden der Ausfall des Geräts sowie Antennenprobleme angeführt. Geräte müssten oft zurückgesetzt werden, auch bemängelten die Nutzer, dass Probleme wegen fehlender Rückmeldungen des Systems nicht immer sofort erkennbar seien. Das Kartenanzeigesystem mache ebenfalls mitunter Schwierigkeiten – 34% der 887 antwortenden Schiffsführer beanstandeten solche.

Bei den allgemeinen Meinungen und Kommentaren der Schiffsführer zum Betrieb von Inland AIS gibt es Hinweise auf eine zunehmende Gewöhnung an das System aber auch Kritik, dass es in keiner Weise zu 100% zuverlässig sei.

Als Fazit lässt die Umfrage erkennen, dass das System nach Ansicht der Nutzer mehrheitlich als Navigationshilfe angesehen wird und nicht als Navigationssystem. Vorteile an unübersichtlichen Stellen oder bei der Schleusenplanung und bei Kraftstoffeinsparungen werden genannt. Der Beitrag des Systems zu mehr Sicherheit findet bei Schiffsführern wie bei den befragten Kontroll- und Polizeibehörden Widerhall.

Elektronische Meldepflicht

Am 1. Dezember dieses Jahres führt die ZKR eine elektronische Meldepflicht für alle Fahrzeuge mit festverbundenen Tanks an Bord ein (siehe Artikel in der November-Ausgabe 2017 der »Binnenschifffahrt« auf S. 8). Mit dieser Ausweitung, die den Angaben zufolge fast 2.000 Fahrzeuge betrifft, mache die Binnenschifffahrt einen wichtigen Schritt zur weiteren Digitalisierung der Informationsbereitstellung, so die ZKR über die Beweggründe. Die Erfahrungen, die bei der elektronischen Meldepflicht für Containerschiffe gesammelt wurden, sollen zur reibungslosen Umsetzung dieser Entscheidung beitragen.

Vertreter der Schifffahrtsverwaltungen der ZKR-Mitgliedsstaaten erläuterten in Straßburg, welche Unterstützung sie der Tankschifffahrt bei der Ausweitung der Meldepflicht anbieten wollen. Vertreter des Schifffahrtgewerbes stellten darüber hinaus die Notwendigkeit von Ausnahmen für Bunkerboote und ähnlichen Versorgungsfahrzeugen heraus.

Forderung nach Digitalisierung

Ferner erinnerte der Workshop daran, dass sich die künftige Entwicklung der RIS zunehmend am Dienstleistungskonzept im Kontext einer e-Navigation orientieren solle, die auf Intermodalität, Datenharmonisierung und Reduzierung der Verwaltungsaufgaben basiere. Hervorgehoben wurde die Entwicklung digitaler Datenaustauschplattformen, die als eine Erweiterung der RIS Terminals, Land- und Binnenschifffahrtstransporteure sowie Häfen verbinden. Diese Plattformen seien notwendig, um den Datenaustausch zwischen den Binnenschiffen und den Terminals zu automatisieren sowie die Binnenschifffahrt in die logistischen Ketten zu integrieren. Der Datenaustausch bedürfe aber einer engen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren, der heute nach Aussage verschiedener Teilnehmer noch nicht selbstverständlich sei.

Die Workshopteilnehmer forderten zudem eine Digitalisierung des Daten- und Dokumentenaustauschs zwischen den Binnenschifffahrtsunternehmen und den Verwaltungen auf der Grundlage von Business-to-Administration-Plattfomen. Die Diskussionen gingen auch auf die Frage der Digitalisierung der Unterlagen an Bord ein, die auf der Gewährleistung ihrer Echtheit beruht.

Schließlich zeigte der Workshop auch auf, dass der Schutz personenbezogener Daten, die Harmonisierung der geltenden Vorschriften und ganz allgemein die Sicherheit im Internet für die Fachkreise und Stakeholder nach wie vor wichtige Anliegen sind.

»Wenn du schnell gehen willst, geh alleine, aber wenn du weit gehen willst, lass uns gemeinsam gehen«, lautete eine Schlussfolgerungen. Der ZKR zufolge verdeutlicht dies die zum Ausdruck gebrachte Bereitschaft aller Partner, gemeinsam an der Entwicklung der Zukunft– insbesondere der digitalen – der Binnenschifffahrt zu arbeiten.

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