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Für die FBS Fähren Bremen-Stedingen baut die Schiffbau und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde (SET) derzeit eine neue Personen- und Fahrzeugfähre. Anfang Januar dieses Jahres ist das mit einem Hybrid-Antriebssystem ausgestattete Schiff mit der Baunummer 198 vom Stapel gelaufen

Geschäftsführer Olaf Deter begrüßte als Gäste den Geschäftsführer der Fähren Bremen-Stedingen (FBS), Andreas Bettray sowie Norbert Scholz, den Geschäftsführer Systemtechnik vonBaumüller Antriebs- und Systemtechnik (BASG) aus Nürnberg. Mit dabei waren auch die Vertreter der Konstruktions-, Genehmigungs- und Kontrolleinrichtungen, die bei einem solchen Neubau unerlässlich sind.

Den Auftrag hatte die Tangermünder SET-Werft am 16. September 2016 nach einer europaweiten Ausschreibung von der FBS erhalten. »Ein Auftrag der für uns etwas Besonderes darstellt«, erklärte Deter. »Zum einen durch unseren Auftraggeber, die FBS Fähren Bremen-Stedingen, für die wir nunmehr das dritte Fährschiff in Folge bauen durften, zum anderen aufgrund der technischen Herausforderungen, die durch ein neuartiges und hochmodernes Antriebskonzept gekennzeichnet ist, das den neuen, hohen Umweltanforderungen mit einem Hybrid-Antrieb entspricht.«

Der eigentliche Baustart und damit die Kiellegung, so Deter, erfolgte Anfang vorigen Jahres in der Tangermünder Schiffbauhalle. »Nachdem das Schiff Mitte Dezember die Halle verlassen hat um ›frische Luft‹ zu schnappen, ist es heute nun soweit, auch ’nasse Füße’ zu bekommen«, sagte Deter.

Er hob hervor, dass das mit 60m Länge und 14m Breite doch recht beeindruckende neue Fährschiff auf den ersten Blick stark seinen Vorgängern ähnelt. »Geht man aber unter Deck, fällt es auch dem Fachmann schwer, Gemeinsamkeiten mit seinen Vorgängerbauten zu erkennen. In die Fähre haben wir ein hochmodernes, hybrides Antriebskonzept implementiert, welches das Schiff damit sicher zu einem Vorreiter künftiger Projekte machen wird«, beschrieb Deter.

Drei Generator-Power-Units mit einer elektrischen Gesamtleistung von über 1.300 kVA speisen, gesteuert über ein ausgeklügeltes Powermanagementsystem und über variable Generatordrehzahlen, einen Gleichstromzwischenkreis, aus dem die Versorgung der vier Antriebspropeller sowie sämtlicher, weiterer elektrischer Verbraucher erfolge. Zum Abfangen möglicher Leistungsspitzen ist weiterhin ein Batteriesatz von 40 kW vorgesehen, der »als Puffer in beide Richtungen agieren wird«, so Deter.

Im Rahmen dieser Ausrüstung würden im späteren Einsatz der Fähre, anstelle der bisherigen fünf Dieselmotoren in der Regel nur noch zwei in Betrieb sein. Weiterhin arbeiten die Aggregate damit in einem Leistungsbereich, in welchem sie ihre höchste Effektivität erreichen. Infolgedessen werde sich eine deutliche Kraftstoffeinsparung einstellen und gleichzeitig auch ein dementsprechend reduzierter Ausstoß von umweltbelastenden Abgasen eintreten.

Außerdem würden, so Deter, durch moderne Rußpartikelfilter und SCR-Anlagen die Abgase nachbehandelt, sodass der Schadstoffausstoß vergleichbar dem modernster Pkw sein werde. »Auch alle weiteren Komponenten und Systeme bewegen sich auf dem Stand der neuesten Technik und werden ein gutes Handling wie auch einen zuverlässigen Einsatz der Fähre sicherstellen«, verkündete Deter nicht ohne Stolz.

Ferner bedankte er sich auch im Namen seiner Belegschaft bei der FBS für das der Werft entgegengebrachte Vertrauen und hob hervor: »Auch dieser Auftrag sicherte den Mitarbeitern der Werft, wie auch denen vieler Fremdgewerke und Lieferanten aus der Region ein Stück weit ihre Arbeitsplätze und damit die Zukunft ihrer Familien.«

Deter bedankte sich weiter für das sehr vertrauensvolle und überaus faire Miteinander. Er betonte, dass sich sich dieses auch beim dritten Auftrag nie getrübt und stattdessen weiteentwickelt habe.

Ferner sicherte er dem Auftraggeber zu, dass die SET alles Erforderliche daran setzen werde, dass sich daran auch nichts ändern werde.

Weiterhin dankte er dem 77-jährigen Schiffsingenieur Wolfgang Fritzsche für die stets korrekte, dennoch kritische, vor allem aber technisch fundierte Bauaufsicht. Zum Leid einer Werft seien Aufsichten dieser Art keine Normalität, doch die Ergebnisse sprächen für sich. Ebenso lobte er Michael Krüger, »der wieder federführend an der Planung dieses innovativen Fährschiffes mitgewirkt hat und das Projekt nunmehr in seinen wohlverdienten Ruhestand hinein begleitet.«

Anstehende Erprobungen

Nach dem Stapellauf wird das neue Fährschiff in den kommenden Wochen auf der Elbe allen notwendigen Erprobungen unterzogen und Ende Januar nach Bremen überführt, wo am 24. Februar die offizielle Taufe vollzogen werden soll.

Andras Bettray, Geschäftsführer der FBS, betonte anlässlich der Werfttaufe dieses Schiffes, dass sein Unternehmen von der Qualität des Schiffbaus hier an der Elbe im höchsten Maße begeistert sei. »Nach der Kiellegung am 14. Dezember 2016, dem Verlassen der Schiffbauhalle am 19. Dezember 2017 und der Freilufterprobung aller technischen Anlagen sehen wir nun das Ergebnis Ihrer hochwertigen Facharbeit, das nur darauf wartet, jetzt von Christel Börsch*) getauft zu werden, um in die Elbe gleiten zu können.«

Nach den europaweiten Ausschreibungen für den Bau des Fährschiffes »Lemwerder II« im Jahr 2011 und dem Bau des Fährschiffes »Stedingen« im Jahr 2014, habe die SET-Werft auch die europaweite Ausschreibung für den Bau dieses Fährschiffneubaus für sich verbuchen können. Das sei ein Erfolg, auf den die Werft und ihre Belegschaft stolz sein können, da er deutlich mache, dass das Schiffbauunternehmen mit seiner qualitativ hochwertigen Arbeit auch im europaweiten Vergleich ganz oben stehe.

»Nach den beiden vorangegangenen und von Ihnen gebauten Fährschiffen wurde die SET-Werft ein drittes Mal unser Vertragspartner, von dem wir wissen, dass wir uns zu 100% auf Ihre Arbeit an allen Gewerken und den getroffenen Vereinbarungen mit Ihrer Geschäftsführung sowie Ihren partnerschaftlich verbundenen Betrieben verlassen können«, lobte Bettray.

System zur Schadstoffminderung

Besonders hob er hervor, dass mit dem diesel-elektrischen Antrieb mit Pufferbatterien, konzipiert und geliefert von der Firma Baumüller und dem Abgasnachbehandlungssystem der Firma Fischer, sich dieser Fährschiffneubau deutlich von den bisherigen direkt an die Schottel-Antriebe gekoppelten Dieselmotoren, unterscheidet. »Ein innovatives System, das uns durch die damit verbundene Schadstoffminderung und Verbesserung der Energieeffizienz eine Projektförderung des Bundes von immerhin 300.000 € beschert hat.«

Richtig spannend werde es nach dem Stapellauf mit den Inbetriebnahmen und Erprobungen aller Anlagen und Systeme wie Generatoren, Antriebssysteme von Baumüller und Schottel, E-Anlage, Abgasnachbehandlung etc. und den Abnahmen durch die Bauaufsicht, dem DNV GL und der SUK.

Offizielle Taufe in Bremen

In Bremen wird schließlich im kommenden Monat der offizielle Taufakt vollzogen. »Diese Werfttaufe dient dazu, der Belegschaft und der Geschäftsführung den Dank unseres Unternehmens bei jedem Mitarbeiter mit einer schmackhaften Mettwurst der Ammerländer Schinkendiele auszudrücken«, beschrieb Bettray den Hintergrund des vorgezogenen Aktes in Tangermünde.

Christel Börsch taufte das neue Schiff mit dem üblichen Spruch von allzeit guter Fahrt und der immer notwendigen Handbreit Wasser unter dem Kiel erfolgreich mit dem ersten Versuch.

*) Anm. der Red.: Christel Börsch hat auf der Tangermünder Schiffswerft den Schiffbauerberuf erlernt und alle Qualifikationen bis zum Dipl.-Ing. für Maschinenbau erworben. Sie hat die Werft nach ihrer Privatisierung bis zum Eintritt ins Rentenalter voriges Jahr geführt und am 1. Juli 2017 ihre Verantwortung an Holger Heidenreich übergeben, der zusammen mit Olaf Deter die SET-Werften in Tangermünde und Genthin führt.


Christian Knoll

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