Straubing-Sand meldet Rekordumschlag

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Der an der Donau gelegene Hafen Straubing-Sand hat im vergangenen Jahr beim Gesamtumschlag eine neue Bestmarke gesetzt. Binnenschiff und Bahn konnten deutlich zulegen, wie Geschäftsführer Andreas Löffert gegenüber der »Binnenschifffahrt« erläutert

Andreas Löffert, Chef des Hafens Straubing-Sand und des BioCampus Straubing, ist mit der Entwicklung sehr zufrieden. Die insgesamt 4Mio.t, die im vergangenen Jahr in Straubing-Sand umgeschlagen wurden, bedeuten eine neue Bestmarke für den Standort. Besonders erfreut zeigt er sich über die Entwicklung beim wasserseitigen Umschlag. Mit 795.000 t konnte auch hier ein neuer Höchstwert erzielt werden. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Schiffsumschlag um 28,1% an. Das ist insofern bemerkenswert, als dass der 1996 eröffnete Hafen eigentlich nur auf einen wasserseitigen Umschlag von 600.000 t ausgelegt ist. Auch der Bahnumschlag ist um 13% auf 338.000 t im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Das Wachstum führt Löffert insbesondere auf Biomasse und auf das Neugeschäft mit »Donau-Soja« zurück. Über die Donau wird Soja importiert und in der von ADM Spyck betriebenen Ölmühle weiterverarbeitet, die laut dem Manager eine herausragende Rolle für die Futtermittelindustrie spielt. Dort wird Raps, Sojaschrot und als Koppelprodukt Öl hergestellt. Das Rapsöl wird mit der Bahn nach Mainz und Österreich weitertransportiert und dort zu Biodiesel umgewandelt. Das Geschäft habe sich gut entwickelt.

Weitere wichtige wasseraffine Akteure in Straubing-Sand sind die Hafenlogistik Straubing, Bayernhof, BayWa, SR-Logistik oder auch Raiffeisen Straubing. Auch sie sorgen dafür, dass der Hafen seit Jahren Wachstum verzeichnet – »und das in einer stagnierenden Binnenschifffahrtsbranche«, wie Löffert anführt. Ferner hätten sich der Kranhersteller Sennebogen und der IT-Distributor Ingram Micro niedergelassen.

Drei Neue im Hafen

Im vergangenen Jahr konnten Löffert zufolge insgesamt 68.000m2 Flächen an drei neue Unternehmen vermarktet werden. Das größte Grundstück hat sich Kühne + Nagel gesichert. Für rund 22Mio. € baut der Logistikkonzern eine neue, rund 10.000m2 große Verladehalle sowie etwa 4.000m2 Büroflächen. Nach dem Baubeginn vor wenigen Wochen ist die Eröffnung gegen Ende dieses Jahres geplant. Darüber hinaus hat das Unternehmen den Mietvertrag für das ebenfalls im Hafen angesiedelte Logistikzentrum bis zum Jahr 2023 verlängert. Dies sei ein klares Bekenntnis zum Standort, so Regionalleiter Herbert Stadlbauer.

Transgourmet Deutschland errichtet auf einer Fläche von 6.000m2 einen Umschlagplatz für verschiedene Lebensmittel aus dem Frische- und Tiefkühlsegment, um vorrangig Gastronomie und Großküchen in der Region zu beliefern. Das 1.100 m2 große Gebäude beinhaltet eine circa 1.000 m2 komplett gekühlte Lagerfläche, davon 250 m2 Tiefkühlfläche und 14 Rampenplätze. Gemeinsam mit dem Architektur- und Planungsbüro Thiele & Linnenberg wurde die Ausstattung der Fläche nach eigenen Nachhaltigkeitsstandards energieeffizient und umweltfreundlich konzipiert, heißt es seitens Transgourmet. Die Kälteanlage wird mit CO2 betrieben, ein Kältemittel, das als wesentlich umweltverträglicher gilt als klassische Alternativen. Zudem setzt das Unternehmen auf Wärmerückgewinnung, denn die vorhandene Abluftwärme aus der CO2-Kälteanlage soll zur Gebäudeheizung und Abtauung der Kühler verwendet werden. Dadurch würden nicht nur Energiekosten und Platz eingespart, sondern auch CO2-Emissionen verringert, heißt es. Die Inbetriebnahme ist für Mai vorgesehen. Der dritte Neuling möchte noch nicht genannt werden, sagt Löffert. Hier sei der Baubeginn 2019/ 20 geplant. Zudem sei man in Gesprächen für weitere Ansiedlungen.

Binnenschifffahrt hat Priorität

»Wir sind als Hafen in erster Linie Partner der Binnenschifffahrt«, stellt der Geschäftsführer heraus. Das Binnenschiff habe oberste Priorität, gefolgt von der Bahn und dem Lkw. Deshalb soll in neue Liegeplätze investiert werden. Diese würden angesichts des stetigen Wachstums dringend benötigt. Wie viele Liegestellen hinzukommen können, soll in einem neuen Hafenentwicklungsplan festgelegt werden, der noch in Arbeit ist. Der Hafenchef rechnet Ende dieses Jahres mit Ergebnissen, um dann in die konkretere Planung einsteigen zu können.

Aktuell ist der Modal Split noch durch eine große Dominanz des Lkw gekennzeichnet, mit dem der mit Abstand größte Teil der Waren (71,8%) transportiert wird. An zweiter Stelle folgt das Binnenschiff (19,8%), vor der Eisenbahn (8,4%).

»Wir streben eine Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger an«, so Löffert. Man sei in einem konstruktiven Dialog mit Umwelt- und Naturschützern.

Viele Investitionen

Eine Lösung könnte ein neues Containerterminal sein, indem die Güter künftig mit Zügen angeliefert werden sollen. Dafür hat der Hafen jetzt 32ha landwirtschaftliche Flächen erworben. Für das Terminal wurde bereits eine Planfeststellung beantragt, sagt Löffert, der das Baurecht für das zweite oder dritte Quartal dieses Jahres und den Baustart für 2019 erwartet. Die Anlage soll etwa 10Mio. € kosten. Als nächstes stünde die Suche nach einem Betreiber an, bevor investiert werde. Über die Zahl der Container, die dort umgeschlagen werden könnten, macht er indes keine Angaben. Aktuell kommen beispielsweise die Waren aus dem Bereich Consumer-Electronic noch mit dem Lkw aus dem Seehafen nach Straubing-Sand.

Gegenwärtig wird außerdem in eine neue Hafenmeisterei investiert. Ferner steht die Biotechnologie im Fokus. Der Hafen betreibt auch ein Technologie- und Gründerzentrum und versucht, Applikationen aus der industriellen Biotechnologie nach Straubing-Sand zu bringen, das seit 2017 Standort der TU München ist und über einen eigenen Campus für eben jene Biotechnologie und Nachhaltigkeit verfügt. Auch hier gebe es Überlegungen für eine Erweiterung, beispielsweise für eine Mehrzweckdemonstrationsanlage. Man sei also nicht nur im Umschlag aktiv, sondern auch in vorgelagerten Märkten und habe dabei auch die Forschung und Entwicklungen im Blick, die man stärken wolle, so der Manager.

In Anbetracht des Kapazitätsengpasses wäre der Manager sehr zufrieden, das 2017 erzielte Ergebnis in diesem Jahr zu wiederholen. »Die ersten zwei Monate dieses Jahres hatten wir Wachstum«, berichtet er, zurzeit stagniere der Umschlag allerdings. »Wenn wir wasserseitig über 600.000t umschlagen, bin ich sehr froh«, unterstreicht der Hafenchef.

Große Hoffnungen setzt er auf den Donauausbau, wofür die Planfeststellung in den nächsten drei Monaten kommen soll. Dadurch würden sich für Straubing-Sand substantielle Verbesserungen bezüglich der Erreichbarkeit Richtung Westen ergeben. Die Maßnahmen sehen Baggerungen vor, vom Hafen bis zur Schleuse Straubing aufwärts. Baubeginn könnte im kommenden Jahr sein.

Wenn der Donauausbau käme, würden sich weitere Perspektive für die Wasserstraße und damit auch für den Hafen Straubing-Sand ergeben, ist Löffert überzeugt. »Ab dem Jahr 2020 werden wir dann deutlich besser erreichbar sein, auch ohne Leichterungen.«
Thomas Wägener

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