viadonau forciert Digitalisierung

Print Friendly, PDF & Email

Die österreichische Wasserstraßengesellschaft viadonau nutzt beim Wasserstraßenmanagement land- und wasserseitig neue digitale Möglichkeiten

Die österreichische Wasserstraßengesellschaft viadonau hat im vergangenen Jahr unter 100 Verladern, Schiffskapitänen und anderen Stakeholdern in der Binnenschifffahrt eine Befragung durchgeführt mit dem Fokus Instandhaltung der Donau-Fahrrinne. »Diese Befragung haben wir nicht nur in Österreich, sondern in mehren Ländern durchgeführt und Österreich steht dabei ganz gut da, was die Instandhaltung der Donau betrifft«, zeigt sich Hans-Peter Hasenbichler, Geschäftsführer von viadonau, zufrieden. Am schlechtesten abgeschnitten bei dieser Befragung hätten Rumänien und Bulgarien.

Ein Ziel der EU ist es, den östlichen Ländern bei der Instandhaltung der Donau unter die Arme zu greifen. Das manifestiert sich beispielsweise im Projekt FAIRway. Via donau koordiniert hierbei die EU-Maßnahmen entlang der östlichen EU-Länder. Bei diesem Projekt geht es darum, die Wasserstraßenverwaltungen in sechs Ländern östlich von Österreich mit Know-how aber auch finanziell zu unterstützen, damit die Wasserstraße für die Güter- und Personenschifffahrt möglichst gut befahrbar ist. In den sechs Ländern fehlt es an Geld, um beispielsweise die notwendigen Geräte für die Instandhaltung der Donau zu beschaffen. Aber es geht auch darum, Pegelprognosen länderübergreifend auszutauschen sowie die Fahrrinne freizuhalten, um optimale nautische Bedingungen für die Schifffahrt zu schaffen.

Bis Ende 2017 wurden einige Maßnahmen umgesetzt und eine erste Bilanz zu FAIRway gezogen: Ein großes Projekt dabei ist die Sanierung der zweiten Schleusenkammer im slowakischen Gabcikovo. 145 Mio. € lässt sich die EU die Sanierung kosten, damit die Schiffe an diesem Nadelöhr nicht zum Stillstand kommen, falls die zweite Schleusenkammer ausfällt. In Kroatien wurde das erste Vermessungsschiff seiner Bestimmung übergeben. »Damit lassen sich genaue Fahrwasserdaten ermitteln, was den Binnenschiffern und den Wasserstraßenverwaltungen zugute kommt«, wie Hasenbichler betont.

Schiffe für Instandhaltungsarbeiten bekommen auch die Länder Bulgarien, Rumänien und Slowakei. In Kroatien werden derzeit neun Pegelstellen aufgebaut und die Vorbereitungen für die Einrichtung von 30 weiteren laufen auf Hochtouren. Via donau ist den Wasserstraßenverwaltungen in diesen Ländern auch bei der Abwicklung des Förder- und Projektprozederes behilflich, das oft nicht einfach ist und eigentlich dringend auf EU-Ebene standardisiert werden sollte, weil die Abrechnungsmodi bei den Projekten häufig sehr unterschiedlich sind. Das führt dazu, dass EU-Fördermittel in den östlichen Ländern nicht abgeholt werden. FAIRway läuft als Projekt noch bis zum Jahr 2020.

Wovon die östlichen Länder nur träumen können, passiert in Österreich schon ganz konkret, nämlich die Digitalisierung beim Wasserstraßenmanagement. Anfang vergangenen Jahres hat viadonau von der Obersten Schifffahrtsbehörde im Verkehrsministerium die Agenden für die Markierung der Donau sowohl landseitig als auch wasserseitig übernommen. In der Praxis gibt es entlang der Donau verschiedene Markierungen, Warnsignale, Verkehrszeichen, die in der Form digitalisiert wurden, dass jetzt nicht mehr viadonau-Mitarbeiter die Signale und Schilder auf ihre Funktionstüchtigkeit vor Ort prüfen müssen, sondern dass diese von sich heraus Fehlfunktionen an viadonau funken und die Reparatur veranlasst wird. Die Wartung der landseitigen Einrichtungen digital zu steuern ist eines der großen Vorhaben, das sich in der Umsetzungsphase befindet.

Austausch von Bojen

Gleiches gilt für die Bojen, die auf dem österreichischen Donauabschnitt gegen Kunststoffbojen ausgetauscht und künftig mit GPS ausgestattet werden. Dadurch sind sie für Kapitäne auf den Schiffen über das DORIS-System zu orten. »Hier leisten wir Pionierarbeit«, sagt Hasenbichler. Das Investment in die beiden Digitalisierungsprojekte beläuft sich auf rund 500.000 € und Österreich kann einmal mehr beweisen, wie die Donau instandgehalten und verwaltet wird. »Diese Maßnahmen machen die Abläufe effizient und sollen auch eine Kosteneinsparung bringen«, ergänzt Hasenbichler.

In den kommenden Jahren soll der öffentliche Aufwand in die Instandhaltung der Donau mit allen ihren Facetten um 10 bis 15% pro Jahr reduziert werden und sich bei 4Mio. € pro Jahr einpendeln.

Effizienter werden heißt für viadonau beispielsweise beim Christian Doppler-Labor an der Universität für Bodenkultur in Wien im Rahmen der Grundlagenforschung mit dabei zu sein. Dort besteht etwa die Möglichkeit der dreidimensionalen Modellierung der Donaufahrrinne. Mit den Erkenntnissen daraus lässt sich im Wasserstraßenmanagement vorausschauend arbeiten, wodurch unterm Strich auch Kosten eingespart werden können. »Wir müssen die Finanzmittel bei der Instandhaltung bestmöglich einsetzen«, betont Hasenbichler. Die Bestätigung dafür hat viadonau 2017 mit dem verliehenen Verwaltungspreis durch das Bundeskanzleramt für »wirkungsorientiertes Budgetieren und neue Wege zum Mitteleinsatz« erhalten. Das war für den Manager und seine Mitarbeiter eine schöne Auszeichnung, »über die wir stolz sind.«

Was die Rahmenbedingungen auf der Donau im Jahr 2017 betrifft, so waren die Monate Januar und Februar wegen der großen Kälte problematisch. Infolgedessen kam es zu Behinderungen der Schifffahrt. In den anderen Monaten lief es ohne Probleme. Wie viele Tonnen im Vorjahr auf dem österreichischen Streckenabschnitt transportiert wurden, kann Hasenbichler noch nicht sagen. In diesem Jahr geht es weiter beim flussbaulichen Ausbauprojekt östlich von Wien. Hier sollen verschiedene wasserbauliche Arbeiten zugunsten der Güterschifffahrt durchgeführt werden. 80% der österreichischen Donaustrecke von exakt 351 km sei problemlos befahrbar, 20% machten die Fließstrecken aus, beispielsweise östlich von Wien bis zur Staatsgrenze. Hier muss die Fahrrinne besonders auf Veränderungen in der Sole beobachtet werden. Hier gelte es, bei den Arbeiten, die Bedürfnisse der Schifffahrt, Interessen der Umweltschützer und Notwendigkeiten des Hochwasserschutzes unter einen Hut zu bringen. Dieser integrative Ansatz sei auch im aktuellen Regierungsprogramm niedergeschrieben. Hasenbichler erkennt im Verkehrsministerium klare Signale, dass die Bemühungen um Instandhaltung und Verlagerung von Gütern auf die Donau auch unter der neuen Regierung ihre Fortsetzung erleben wird.

viadonau lancierte bisher verschiedene Initiativen, beispielsweise »Baustoffe mit dem Binnenschiff« oder die Informationsveranstaltung »High & Heavy« im März im Donauhafen in Linz. In den Workshops will man die Binnenschiffer mit potenziellen Verladern zusammenbringen. Das Binnenschiff wäre wegen seiner geringen Transportkosten das ideale Transportmittel für Rohstoffe und Massengüter aller Art. Doch es gibt einen Haken, und das sind Umschlag und Handling in den Häfen: Sie haben ihren Preis. Kommen dann noch Vor- und Nachläufe zur Donau dazu, sind die Kostenvorteile schnell dahin und das Schiff hat dann das Nachsehen gegenüber anderen Verkehrsträgern. Schon eher der Donau zugetan sind Unternehmen, die an der Wasserstraße liegen und im Idealfall über einen eigenen Hafen oder eine Anlegestelle verfügen, um Güter auf das Schiff zu verladen. Doch davon gibt es entlang der österreichischen Donau nur relativ wenige.


Josef Müller

Teilen