Gütertransport bricht im Osten massiv ein

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Wie wir es in der Januar-Ausgabe bereits angekündigt hatten, brachen die Gütertransporte im Raum Berlin-Brandenburg deutlich ein. Beide Bundesländer wiesen die niedrigsten Güterverkehrsleistungen seit der Nachkriegszeit aus.

Auf den Binnenwasserstraßen nach und von Berlin wurden 2017 insgesamt 2,6 Mio. t Güter befördert. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg informiert, ist das ein Rückgang um 27,5% bzw. 985.000 t gegenüber 2016. Diese Summe entspricht in etwa den seit Mai vergangenen Jahres weggefallenen Kohletransporten von Königs Wusterhausen nach Berlin-Rummelsburg.

Zum Vergleich: 1989 betrug der Güterverkehr von und nach Gesamtberlin noch 7,1 Mio. t, 1990 dann nur noch 4,3 Mio. t und erreicht nun mit den 2,6 Mio. t sein bisher niedrigstes Ergebnis. Allein in der Güterabteilung »Kohle, Rohöl und Erdgas« betrug der Rückgang 35,8% bzw. 766.000 t.

Die Güterbeförderung zwischen Berlin und anderen Bundesländern hatte einen Anteil von 84,8% bzw. 2,2 Mio. t und nahm somit um 26,2% ab. Der Güterempfang verringerte sich um 31,8% bzw. 885.000 t, während es beim Güterversand einen Anstieg um 48,7% bzw. 101.000 t gab. 42,9% dieser Gütermengen wurden von und nach Brandenburg, 18,7% von und nach Hamburg und 17,7% von und nach Sachsen-Anhalt befördert.

Innerhalb Berlins wurden 33.000 t befördert, was 1,3% der gesamten Gütermenge entspricht. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um 18.000 t bzw. 35,8%. Auch der grenzüberschreitende EU-Verkehr ist zurückgegangen: Hier wurden 362.000 t bzw. 13,9% aller Güter bewegt, 83.000 t bzw. 33,6% weniger als 2016.

Die Güterbeförderung betraf fast ausschließlich Kohle, Rohöl und Erdgas mit 52,8%, während Erze, Steine, Erden u. ä. 22,3% ausmachten und Sekundärrohstoffe und Abfälle 10%. Sonstige Mineralölerzeugnisse trugen 8,9% bei sowie Kokerei- und Mineralölerzeugnisse zusammen 5,6%.

Von 4.129 beladenen Schiffen mit und ohne eigenen Antrieb fuhren 64,8% unter deutscher Flagge und 33,7% unter polnischer.

»Der Containerumschlag spielte bei der Güterbeförderung in der Binnenschifffahrt Berlins keine Rolle«, heißt es im Jahresbericht. Das stimmt aber nur im Prinzip. Denn die BEHALA, Berlins größter Hafenverbund, hat im vergangenen Jahr mit 144.000 TEU per Bahnganzzug-Verkehre auf den Weg gebracht und ein Rekordergebnis erzielt.

Zwar lassen sich Container heute bereits von Berlin nach Hamburg oder zu den ARA-Häfen zweilagig per Binnenschiff transportieren, doch die Verkehre lohnen sich wirtschaftlich nicht. Der Schiffsraum im Osten lässt nur drei Lagen breit zu. Die Strecke nach Hamburg über den Elbe-Seiten-Kanal wiederum ist zu weit.

Weniger Güter in Brandenburg

Auf den Binnenwasserstraßen des Landes Brandenburg wurden 2017 insgesamt 3,1 Mio. t Güter befördert. Das sind 14,8% bzw. 541.000 t weniger als 2016, teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit. Bei Kohle, Rohöl und Erdgas reduzierten sich die Mengen sogar um mehr als die Hälfte, also um 53,4% bzw. 727.000 t. Die Güterbeförderung zwischen Brandenburg und anderen Bundesländern hatte einen Anteil von 2,3 Mio. t bzw. 73,3%, was gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 23,6% bedeutet.

Bei gleichbleibendem Güterempfang verringerte sich der Güterversand um 33,6% bzw. 703.000 t.

Bei Zielregionen bleibt Berlin vorherrschend: Ganze 41,5% der auf Binnenwasserstraßen beförderten Waren gingen in die Hauptstadt, 23,9% von und nach Niedersachsen und 19,4% von und nach Nordrhein-Westfalen.

Die innerhalb des Bundeslandes zu Wasser beförderten Mengen haben indes zugenommen: Zwischen Häfen und Umschlagstellen Brandenburgs wurden 302.000t befördert. Das sind 9,7% der gesamten Gütermenge. Gegenüber 2016 ist das ein Anstieg um 38.000 t bzw. 14,3%. Im grenzüberschreitenden EU-Verkehr wurden 525.000 t bzw. 16,9% aller Güter bewegt, 126.000 t bzw. 31,3% mehr als im Vorjahr.

Im europäischen Rahmen spielten vor allem Sekundärrohstoffe und Abfälle mit 26,4% eine wichtige Rolle, außerdem Kohle, Rohöl und Erdgas mit 20,5%. Landwirtschaftliche und verwandte Erzeugnisse machten 18,1% aus, Erze, Steine, Erden 13,3% sowie Metalle und Metallerzeugnisse 10,8%. Von 5.895 gezählten beladenen Schiffen mit und ohne eigenen Antrieb fuhren 64,2% unter deutscher Flagge und 32,8% unter polnischer.

LUTRA mit ehrgeizigen Zielen

Der LUTRA-Hafen in Königs Wusterhausen verscuht als trimodales Güterverkehrszentrum, Container aus Unternehmen der Hauptstadtregion auf Schiene und Wasser zu bringen. Und trotz des Wegfalls der Rohbraunkohle-Transporte ab Mai 2017 ist der Standort immer noch der mit den höchsten Umschlagsleistungen aller Häfen im Land Brandenburg.

Konkret im Schiffsumschlag wurden 903.974 t Güter verladen, im Straßentransport 169.584 t und im Bahnverkehr konnten 678.148 t verladen werden. Die ersten Containerganzzüge gingen voriges Jahr auf die Reise.

Laut LUTRA-Geschäftsführer Michael Fiedler ist im GVZ Schönefelder Kreuz neben den bestehenden Verkehren der Ausbau des Schwerlastverkehrs geplant mit dem Umschlag großvolumiger Güter wie Kabelspulen, Windkraftanlagen und ähnlichen Gütern. Außerdem sollen bahnseitig ein höheres Volumen an Kies, Splitt und Bauzuschlagstoffen bei neuen Ansiedlern und damit auch schiffsseitig eine zunehmende Baustoffentsorgung erreicht werden.

ElbePort Wittenberge kämpft

Der ElbePort Wittenberge ist nicht nur der nördlichste Hafen des Landes Brandenburg, sondern auch der am meisten benachteiligte aller Häfen an der Elbe, liegt er doch oberhalb der sogenannten Reststrecke zwischen Dömitz und Hitzacker, die bei Niedrigwasser immer eine um etwa 20 cm niedrigere Fahrwassertiefe besitzt ist als alle anderen Elbestrecken.

Trotzdem ist er im Seehafen-Hinterlandverkehr von und nach Hamburg eine wichtige Größe, stellt er doch hier Ganzzüge mit Containern zusammen, die dann ihren Weg bis nach Südeuropa nehmen, oder sammelt Container in der Region für Hamburg für den Weitertransport nach Übersee.

In Wittenberge ist gegenüber dem Jahr 2016 zu 2017 eine beachtliche Steigerung gelungen. Wurden 2016 1.649 Container auf den Weg gebracht, so waren es voriges Jahr 2.076. Im Schiffsumschlag konnte er in 2016 noch einen Umschlag von 8.619 t nachweisen. In diesem Jahr waren es wegen des lang anhaltenden Niedrigwassers nur 1.207 t.

Die Gesamtumschlagstonnage gegenübergestellt, waren es 2016 59.548 t und im vergangenen Jahr 78.564 t, also eine Steigerung um 31,9%.

Die Entwicklung im Schiffsverkehr auf der Elbe aber zeigt, dass die Wirtschaft sich schnell von der Binnenschifffahrt verabschiedet, wenn durch Niedrigwasser nicht zuverlässig transportieren kann. So ist es wohl nicht zufällig, dass der diesjährige Elbschifffahrtstag am 24. Mai in Wittenberge stattfindet.


Christian Knoll

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