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Die KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein hat die Bombardier Traxx 187 AC 3 First/Last Mile getestet, eine moderne Elektro-Lokomotive. Sie ist mit einem zusätzlichen Dieselhilfsmotor ausgestattet und kann kurze Strecken im Batteriebetrieb bewältigen.

Die Testfahrten fanden in den überregionalen Stahlverkehren auf den Strecken vom Dortmunder Hafen und von Ginsheim-Gustavsburg statt. »Es ist das erste Mal seit den 1960er-Jahren, dass wir eine E-Lokomotive in unseren eigenen Verkehren einsetzen«, sagt Kreisbahn-Geschäftsführer Christian Betchen. Bisher setzt die KSW ausschließlich auf Dieselloks, die überwiegend auf regionalen Nebenstrecken ohne die für Elektro-Lokomotiven erforderliche Oberleitung unterwegs sind.

Prototyp der Lok wurde 2011 in Müchen präsentiert

Die Bombardier Traxx 187 AC 3 First/Last Mile wurde 2011 als Prototyp auf der weltweit größten Logistikmesse transport logistic in München vorgestellt. Mit der sogenannten Last-Mile-Funktion soll der Wechsel von einer elektrischen Lokomotive hin zu Rangier- oder regulären Dieselloks auf nicht-elektrifizierten der Vergangenheit angehören. »Das erhöht die Flexibilität für die Bedienung von Terminals, Werksbahnhöfen und Hafenbahnstrecken und sorgt für niedrigere Kosten und eine höhere Effizienz des Schienenverkehrs«, beschreibt Betchen die wesentlichen Vorteile.

Die relativ wenigen Modelle dieser Baureihe seien normalerweise alle bei ihren Eigentümern im Dauereinsatz, heißt es: »Eigentlich kommt man an diese Lok selbst für Testfahrten derzeit überhaupt nicht heran“, erläutert Betchen: Dass dies dennoch gelungen ist, führt Betchen auf den Partner KombiRail zurück, einer indirekten Beteiligungsgesellschaft der Kombiverkehr, mit der KSW das Südwestfalen Container-Terminal in Kreuztal betreibt.

Belastungsfähigkeit des Motors soll getestet werden

Mit den Testfahrten verfolgt die Kreisbahn verschiedene Ziele, erläutert Landrat Andreas Müller, Vorsitzender des Aufsichtsrates der KSW: »Zum einen wollen wir die Belastungsfähigkeit des Dieselhilfsmotors testen, auf den wir auf den ersten und letzten Streckenabschnitten ohne Oberleitung angewiesen sind. Die können wir hier
vor Ort auf den tatsächlichen Streckenprofilen im Stahltransport ausgiebig im Echtbetrieb ermitteln.« Zugleich würden die Testfahrten aber auch überprüfbare Verbrauchsdaten liefern. Damit könnten am Ende die Betriebskosten von reinen Diesel- und Elektroloks auf der topographisch anspruchsvollen Ruhr-Sieg-Strecke an Hand konkreter Zahlen verglichen werden. »Außerdem erproben wir bei diesem Testlauf die Zusammenarbeit
mit KombiRail Europe für künftige Verkehrsprojekte in den Bereichen Lokomotiven- und Personaleinsatz«, so Müller.