Print Friendly, PDF & Email

Mit Batterietechnik an Bord fährt der jüngste Neubau der Lux-Werft für die Eifeler Seenplatte sauber über den Rursee. Dank moderner Technik sind auch im Winter alternative Nutzungskonzepte denkbar

Nach neun Monaten Bauzeit hat die Lux-Werft in Niederkassel-Mondorf bei Bonn einen weiteren Fahrgastschiffsneubau mit Innovationscharakter abgeliefert.

Die »St. Nikolaus« für die Rursee Schifffahrt aus Heimbach in der Eifel ist seit Anfang März auf dem Obersee im Einsatz. Der See ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel – 250.000 Gäste nutzten allein das Angebot der Rursee Schifffahrt im vergangenen Jahr – er dient auch als Trinkwasserspeicher und stellt daher besondere Anforderungen an die Schiffe, die hier verkehren. Um das Verschmutzungspotenzial möglichst niedrig zu halten, kommen nur elektrisch betriebene Einheiten zum Einsatz.

Die »St. Nikolaus« ersetzt die »Eifel«, die mittlerweile 65 Jahre alt ist. Den See befährt sie seit Karfreitag im regulären Betrieb zusammen mit der 2014 in Dienst gestellten »Seensucht«. Bei einer Länge von 30m und einer Breite von 7,20m bringt es die aus Stahl gefertigte »St. Nikolaus« auf ein Gewicht von 73t und 0,80m Tiefgang. Dadurch, dass man anstelle von Blei-Akkumulatoren Lithium-Ionen-Akkus verwendet hat, wurde eine Gewichtseinsparungvon 10 bis 15t erreicht.

Die Batterien können rund 500 kWh speichern, das reicht für zehn Stunden Fahrbetrieb ohne Aufladung. Der Elektromotor mit einer Leistung von 50 kW (68PS) bringt das Schiff über den um 360° schwenkbaren Ruderpropeller auf eine Geschwindigkeit von10 km/h.

Wenn die »St. Nikolaus« während der Wintermonate nicht im Fahrbetrieb ist, können die Akkus auch als Stromspeicher für das regionale Netz verwendet werden, um Schwankungen der Netzfrequenz zu puffern. Diese sogenannten Primärregelleistung dient dazu, die Schwankungen, die bei der Stromerzeugung aus den erneuerbaren Energien Wind und Sonne entstehen, aufzufangen. Die dafür vorgesehene Leistung beträgt laut Lux-Werft 120 kW.

Die drei Jahre alte »Seensucht« arbeitet noch mit Blei-Akkus, die alle fünf Jahre ausgetauscht werden müssen. Die Lithium-Ionen-Akkus der »St. Nikolaus« sollen rund neun Jahre halten. Zum Einsatz kommen Akkus von Samsung, wie sie auch BMW im Modell i3 verwendet.

Die »St. Nikolaus« ist zugelassen für 250 Personen, jeweils 100 Sitzplätze gibt es drinnen und draußen. Es gibt eine Pantry-Küche für kalte und warme Getränke sowie Kuchen, außerdem WC an Bord, auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Der Transport von Fahrrädern ist im Salon möglich.

Anfang März kam der Neubau an seinem Bestimmungsort bei Einruhr am Oberse des Rursees an, allerdings nicht auf eigenem Kiel. Per Tieflader der Kübler Spedition aus Michelfeld-Erlin bei Schwäbisch-Hall brachte das Schiff vom Rheinufer zum Rursee.

Teilen