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Wenn in der Binnenschifffahrt von Umweltschutz die Rede ist, muss es nicht immer

um Motoren gehen. Das neue Spezialschiff »Bilgenentöler 10« der Rhenus-Tochter BEG (Bilgenentölungsgesellschaft) ist dafür ein Paradebeispiel

Mit dem Neubau »Bilgenentöler 10« gibt es auf der Donaustrecke zwischen Bamberg und Passau nun ein hochmodernes Entsorgungsschiff. Nicht nur die gemischten Flüssigkeiten aus Öl, Fett und Wasser, die sich in den dunklen Tiefen eines Schiffsrumpfes ansammeln, werden hier entsorgt und verarbeitet. Auch Putzlappen, leere Öl-Behälter oder Altfette und Filter jeder Art nimmt der Entsorger an Bord.

Der niederländische Schiffbauer Rensen-Driessen lieferte den in Orsova in Rumänien gebauten Kasko, der weitere Abbau lief bei Dolderman in Dordrecht. Hier entstand unter Mitwirkung einer Reihe von Spezialfirmen eine schwimmende Entsorgungsanlage. Das fast 40m lange und mehr als 7,30m breite Spezialschiff verfügt nicht nur über sechs Edelstahl-Ladetanks mit einem Fassungsvermögen von insgesamt über 170m³, in denen flüssige Sonderabfälle sowie auch separierte Flüssigkeiten aufgenommen werden können. An Bord steht eine vom Anlagenbauer Alpiq gelieferte Bilgenwasser-Reinigungsanlage, in der nach entsprechender Vorbehandlung eine nach dem Schwerkraftprinzip arbeitende Separatorenanlage Wasser und Ölteile trennt. Die ölhaltigen Teile werden später weiter aufbereitet und soweit möglich, wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt.

Für die Aufnahme der Bilgenflüssigkeiten aus den bedienten Schiffen und die Abgabe an Land sorgen drei kräftige Börger Membran- und Drehkolbenpumpen. Mehrere Behälter an Deck nehmen die sonstigen Abfälle der zu entsorgenden Schiffe auf. Für die Absetzung der Behälter an Land sorgt ein 14m langer hydraulischer Kran von van Wijk. Er kann mit bis zu 1.000kg (bei 14m Auslage) belastet werden.

Beim Antriebskonzept entschied sich die BEG für eine diesel-elektrische Lösung. Bei höheren Anforderungen sorgen zwei 178kW-starke Baumüller-Elektromotoren für ausreichend Energie, um den fünfflügeligen Highskew-Propeller von Promarin mit 1.250 mm Durchmesser anzutreiben. Das reicht für eine Geschwindigkeit von rund 11 km/h. Bei geringerer Leistungsanforderung, etwa bei Talfahrten auf der Donau, wird nur einer der Motoren benötigt. Selbst zu Berg auf dem Rhein unterhalb von Duisburg reichte ein Antriebsstrang für zügige 8,5 km/h. Zum besseren Manövrieren ist im Bug ein Verhaar-Omega-Bugstrahlruder mit Steuerrost vom Typ VBS600sr mit 120 kW installiert. Für den Hafenbetrieb steht ein gekapseltes Hatz-Stromaggregat (Typ 2L41c) an Bord.

Die elektrische Energie wird von zwei durch Dieselmotoren angetriebenen Generatoren erzeugt. Die beiden Caterpillar C 9.3 leisten je 270 kW, die beiden Generatoren stellen 340 kVA an elektrischer Energie zur Verfügung. Diese kann bedarfsweise für den Antrieb oder Bordzwecke abgerufen werden. Die Platzierung der Motoren in der vorderen Maschinenkammer sorgt für weitgehende Ruhe im Achterschiff, wo neben dem Steuerhaus die Mannschaft mit einem Wohnraum sowie drei Schlafräumen und entsprechenden Nebenräumen untergebracht ist.

Das in Regensburg stationiere und bei Lloyd’s klassifizierte Spezialschiff ist nach entsprechenden Erprobungen in Duisburg nun in seinem Revier an der Donau angelangt. Kapitän Dragan Manjevic, der mit seinem Bruder Ivica den Betrieb des Schiffes versorgt, war bereits während der Bauphase dabei. Dadurch kennt er alle Einzelheiten des modernen Service-Schiffes.

Zusammen mit den weiteren sechs schwimmenden Entsorgern verarbeitet die Bilgenentölungsgesellschaft von fünf Standorten aus jährlich (Stand 2016) über 13.000 m³ Bilgenflüssigkeiten. Sie werden in mehr als 5.500 Lenzungen an Bord genommen. Mehr als 1.600 t Altöl und über 180 t sonstige Abfallstoffe, von Putzlappen bis zu Ölfiltern, wurden fachgerecht entsorgt.


Hermann Garrelmann

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