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Die Auftragslage für die deutschen Binnenwerften bleibt stabil. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede bei der Auslastung. Wachstumstreiber ist der Bau von Fahrgastschiffen

Nach Angaben des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) gibt es in Deutschland etwa 50 Binnenwerften, die rund 2.000 Arbeitskräfte beschäftigen. Überwiegend handelt es sich um familiengeführte Traditionsunternehmen, die sich mit großem Engagement in einem anspruchsvollen und umkämpften Markt behaupten würden. Der Verband beschreibt sie als für den umweltfreundlichen Verkehrsträger Binnenschifffahrt und für die übrigen Aktivitäten auf Wasserstraßen und in Häfen unverzichtbare Servicepartner, »die mit ihren Wartungs- und Instandhaltungsleistungen zum reibungslosen Schiffsbetrieb beitragen.« Im Neubaubereich produzieren sie hochspezialisierte Wasserfahrzeuge und würden nicht unerheblich zur Wirtschaftsleistung ihrer Standortregionen beitragen. Auch bauen sie Behördenschiffe, die für den Erhalt der Wasserstraßen unverzichtbar seien.

Nach VSM-Angaben wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 51 Binnenschiffe im Wert von 202Mio. € abgeliefert. Zudem wurden 48 Einheiten im Wert von 223Mio. € neu beauftragt, sodass sich zum Ende des Jahres 2017 ein Auftragsbestand von 47 Binnenschiffen und 331Mio. € ergab.

Die deutschen Werften haben sich bekanntermaßen schon seit mehreren Jahren aus dem Neubaugeschäft von Frachtschiffen weitestgehend zurückgezogen. Als Gründe nennt der Verband die weiterhin schwierige Ertragssituation in der Binnengüterschifffahrt und die kostengünstigere Konkurrenz aus dem nahen Ausland.

Der Fahrgastschiffbau habe sich hingegen sowohl im Neubau als auch bei Instandsetzung und Reparatur zu »einem Treiber der schiffbautechnischen Innovation entwickelt.« Dieses Segment sorge für den hohen Anteil von fast 90% (des Exportanteils) beim Wert der abgelieferten Schiffe. Vollelektrische Fahrgastschiffe, die erste vollelektrische Fähre und Brennstoffzellentechnologie seien 2017 zum Einsatz gekommen, weiterhin sei der Auftrag für die erste Bodensee-Autofähre mit LNG-Antrieb erteilt worden, beschreibt der Verband einige innovative Neubauten. Zudem würden die Arbeiten an dem ersten Güterschiff mit Brennstoffzelle vorankommen. Die Situation der Binnenschiffswerften sei allerdings von großen Unterschieden bei Auslastung, Nachwuchsgewinnung, Auftragseingängen, Auftragsbestand und Marktaussichten geprägt.

Der Aufwind beim Bau von Fahrgastschiffen schlägt sich auch bei den Fahrgastzahlen nieder. 2017 konnte das Passagieraufkommen nach VSM-Angaben insgesamt um weitere 8% gesteigert werden (nach einem Plus von 2,8% im Vorjahr). Auch der Zuwachs bei den Passagiernächten sei mit +6,9% deutlich gegenüber dem leichten Verlust im Vorjahr (-0,9%). Somit setzt sich der Aufschwung im Flusskreuzfahrtbereich sogar gestärkt fort.

Ein neuer Trend ist die autonome Schifffahrt. In Deutschland interessieren sich vor allem die Binnenländer für dieses Thema, um insbesondere zu untersuchen, ob kleinere Binnenschiffe auf diesem Weg wieder wirtschaftlich betrieben werden könnten. Entsprechende Projektpläne gibt es laut VSM derzeit in vier Bundesländern.

Das Berliner Abgeordnetenhaus plant derweil eine Bundesratsinitiative, wonach der Fahrgastschifffahrt die Nachrüstung mit Filtertechnik vorgeschrieben werden soll. Dies würde bedeuten, dass ihr Einbau nicht mehr gefördert werden dürfte, was das Aus für viele Schiffsbetreiber nach sich ziehen könnte, warnt der Verband. Darum gelte es, mit intelligenten Vorschlägen Bereitschaft zu signalisieren, »etwas zur saubereren Binnenschifffahrt beizutragen, damit keine langfristig kontraproduktiven Maßnahmen ergriffen werden«, so der VSM.

Das wichtigste Binnenschifffahrtsland NRW will auch nach dem Regierungswechsel den Kurs fortsetzen, die Hafengebühren mit einem ökologischen Faktor zu versehen. Im Binnenschiffsgewerbe herrscht dem VSM zufolge jedoch Uneinigkeit darüber, wie man damit umgehen soll. Der Verband sieht dies aber als Chance, denn ein zusätzlicher finanzieller Anreiz für Schiffsbetreiber, die in nachhaltigere Technik investierten, könne helfen, den Druck der Umweltpolitik auf den Verkehrsträger zu senken.

Fachkräftemangel ist spürbar

Da sich deutsche Unternehmen zunehmend auf komplexe Schiffstypen und innovative Produkte fokussieren, sei die maritime Industrie auf einen verlässlichen Zustrom an Ingenieuren und hochqualifizierten Facharbeitern angewiesen. Es sei daher prioritäre Aufgabe für die Unternehmen und den Verband, einen bedarfsgerechten Fachkräftenachwuchs und effiziente Beschäftigungsstrukturen sicherzustellen. In allen schiffbaurelevanten Fachrichtungen würden derzeit berufserfahrene und Nachwuchsingenieure gesucht. Auch in der Zulieferindustrie bestünden mittelfristig beste Beschäftigungsperspektiven für Absolventen maritimer Studiengänge, so der VSM.

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