Der Digitale Schifffahrtassistent wird in der Praxis auf dem Rhein getestet
Der Digitale Schifffahrtassistent wird in der Praxis auf dem Rhein getestet. Quelle: BearingPoint
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Der »Digitale Schifffahrtsassistent« (DSA) soll Schiffsführer bei der Routenplanung auf Bundeswasserstraßen unterstützen. Über 50 ausgewählte Nutzer nehmen an dem nun gestarteten Feldtest auf dem Rhein teil.

Pegelstände sind in der Binnenschifffahrt von entscheidender Bedeutung: bei Niedrigwasser können Einheiten gelegentlich nur mit einer Teilladung fahren, während bei hohem Wasserstand die Fahrt unter einigen Brücken nicht mehr möglich ist. Bei der Routenplanung ist also die Wasserstandsvorhersage eine wichtige Eingangsgröße, neben anderen Parametern wie Flussverläufen, Schleusen und Brücken mit Durchfahrtshöhen und Breitenbegrenzungen, oder auch Liegestellen.

DSA als Ergänzung zu Wasserstraßen-Informationssystemen

Der DSA führt diese Basisinformationen für den Schiffsführer in einem System zusammen, unterstützt ihn bei seiner individuellen Routenplanung und hilft so, Kosten zu verringern, wirtschaftlich zu fahren und die Effizienz zu steigern. Konzipiert als Web-Applikation, läuft der DSA auf unterschiedlichen Endgeräten wie Laptop oder Tablet. Auf einer interaktiven Karte werden z. B. Engstellen angezeigt oder Ankunftszeiten berechnet. Eine genaue Wasserstandsvorhersage ermöglicht es, noch während des Beladens eines Schiffes die auf der Fahrstrecke zu erwartenden Wasserstände einzukalkulieren. Dies erlaubt – neben einem Sicherheitsgewinn – eine bessere Ausnutzung des Schiffsraums und steigert die Wirtschaftlichkeit. Der DSA versteht sich als Ergänzung zu bestehenden Wasserstraßen-Informationssystemen, wie z. B. ELWIS.

Testphase in der Praxis

Nach einer zehnmonatigen Vorbereitung beginnt nun mit dem Feldtest des DSA die entscheidende Phase. Schiffer, Reedereien und die Industrie sind aufgerufen, den Prototypen im Praxisbetrieb auf seine Alltagstauglichkeit, Nutzerfreundlichkeit sowie insbesondere seine Funktionen zu testen. Die Testphase auf dem Rhein soll vier Monate dauern. Die gewonnenen Erfahrungen und Anregungen fließen direkt in die Weiterentwicklung des Prototyps ein.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und die TU Berlin beteiligen sich an der Entwicklung des DSA, indem sie die Wasserstandsvorhersagen operationell bereitstellen und durch die Verwendung künstlicher neuronaler Netze weiter verbessern.

Die BfG entwickelt, pflegt und betreibt im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und di-gitale Infrastruktur (BMVI) und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) seit Jahrzehnten verkehrsbezogene Vorhersagemodelle und -systeme. Diese sind für die Bundeswasserstraßen im Binnenbereich bereits seit den 1990er-Jahren im operationellen Einsatz.

DSA ist Teil der Digitalisierung

Der DSA widmet sich den aktuellen Herausforderungen der Binnenschifffahrt im Kontext der Digitalisierung. Er soll bedarfsorientiert auf die Anforderungen zur Routen- und Ladungsplanung der Binnenschifffahrt ausgerichtet sein. Das Projekt wird durchgeführt von einem interdisziplinären Verbund unter Federführung der Management- und Technologieberatung BearingPoint.

Der Bundesverkehrswegeplan prognostiziert ein Wachstum des Güterverkehrs mit Binnenschiffen bis 2030 um 23 %, bei nahezu gleichbleibender Infrastruktur. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an das Zeit- und Kostenmanagement und die Flexibilität. Diesen Herausforderungen muss sich die Binnenschifffahrt zukünftig stellen.

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