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2017 erreichte die gesamte Verkehrsleistung auf Binnenwasserstraßen in der EU 146 Mio. Tonnenkilometer, ein Anstieg von 1% im Vergleich zu 2016. Dieses Gesamtergebnis war vor allem dem Rhein und Westeuropa zu verdanken, wo in Ländern wie Belgien, Deutschland und die Niederlande steigende Zahlen festgestellt wurden.

Der Containertransport auf europäischen Binnenwasserstraßen umfasst über 16 Mio. Tonnenkilometer und ist laut dem nun veröffentlichten Jahresbericht der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt im Jahr 2017 um 5% gestiegen. Mehr als 99% dieses Verkehrs findet demnach in den Rheinstaaten statt.

Der Verkehr auf der Donau litt unter Eis und Niedrigwasserständen im Januar 2017, erholte sich anschließend aber sehr gut. Die Verkehrszahlen im oberen Donauabschnitt (Österreich, Slowakei, Ungarn) waren zum Jahresende etwas höher als im Jahr 2016. Die Staaten an der unteren Donau (Rumänien und Bulgarien) erreichten die Ergebnisse von 2016 jedoch nicht mehr.

Die großen europäischen Seehäfen, wie Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und Constanța sind ebenfalls wichtige Standorte für den Binnenschiffsverkehr in das und aus dem Hinterland. Der Hafen Rotterdam hat den größten Anteil am ausgehenden Verkehr, hier sind 71% des gesamten Binnenschiffsverkehrs in das Hinterland gerichtet, 29% gehen zum Seehafen. Im Hafen Antwerpen verzeichnete der Binnenschiffsverkehr in das Hinterland 2017 einen starken Anstieg.

EU-Flotte stabil

Mit ca.3.400 Binnenschiffsunternehmen im Güterverkehr sind die Niederlande das Land mit der höchsten Wirtschaftsaktivität im Sektor Güterverkehr. Die Rheinstaaten haben einen Anteil von 91% am Gesamtumsatz des Güterverkehrs in der europäischen Binnenschifffahrt. In der Passagierschifffahrt ist die Wirtschaftsaktivität in Europa gleichmäßiger verteilt. Die Schweiz ist das Land mit dem höchsten Anteil am Umsatz der Passagierschifffahrt.

Die Größe der europäischen Flotte blieb im Jahr 2017 recht stabil, obwohl die Neubaurate etwas zugelegt hat. Die Rheinflotte umfasst etwa 10.000 Schiffe im Güterverkehr, die Donauflotte hat ca. 3.000 Fahrzeuge. Die Niederlande verfügen über die größte Flotte innerhalb der Rheinflotte, mit einem Anteil von ca. 50% an allen Tankern, Trockengüterschiffen sowie Schub- und Schleppschiffen. Bei den Donaustaaten hat Rumänien einen ähnlich hohen Anteil an allen Schiffen.

Mit 346 aktiven Kreuzfahrtschiffen verfügt Europa im Vergleich zu anderen Kontinenten über die größte Kreuzfahrtschifffsflotte der Welt. Trotz den niedrigeren Neubauraten setzte sich die Expansion der Flotte auch 2017 fort, mit 17 neuen Schiffen, die an den Markt kommen. Die Verkehrszahlen der Kreuzfahrtschiffe auf dem Rhein waren 2017 um 20% höher als im Vorjahreszeitraum. Trotz diesem beachtlichen Anstieg bleibt der Rhein an zweiter Stelle hinter der Donau, was die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe angeht, die die Schleusen passieren.

Chancen für die Güteschifffahrt

Die meisten großen europäischen Städte sind in Hinblick auf die städtische Logistik vor enorme Herausforderungen gestellt: steigender Frachtverkehr, verstopfte Straßen, Luftverschmutzung und hohe Einwohnerdichte. »In diesem spezifischen Kontext kann die Binnenschifffahrt Lösungen für diese Probleme liefern, indem sie das Segment der städtischen Logistik erobert«, heißt es im Bericht der ZKR. »Der Fall Paris, wo die Binnenschifffahrt in die Logistikketten großer Bauprojekte integriert wird, zeigt, dass die städtische Logistik ein Marktsegment mit einem hohen Potential ist.«

Zum Zukunftsausblick heißt es: »Die Transportnachfrage für landwirtschaftliche Erzeugnisse ist eng mit den Ernteergebnissen sowohl in der Rheinregion als auch im Donauraum verknüpft.« Die schlechten Ernteergebnisse des Jahres 2016 in der Rheinregion hätten sich direkt auf den Verkehr auf dem Rhein in den Jahren 2016 und 2017 ausgewirkt. Hier gab es zwischen 2016 und 2017 einen Rückgang von 14% in diesem Segment.

Die Vorhersage für den Getreidetransport im Jahr 2018 weist auf einen Anstieg hin, nach einer Erholung bei den Getreideernten in den Jahren 2017 und 2018. Biomasse ist ein Marktsegment, das nach Einschätzung der ZKR langfristig ein hohes Potential besitzt, und Biomassenerzeugnisse seien statistisch ein Teil des Nahrungsmittelsegments.