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Die Initiative zur Verbesserung der Mobilität im und um den Hafen Antwerpen zieht nach einem Jahr eine positive Zwischenbilanz: Unter anderem wurde die Verbesserung der Nachtlogistik an den Terminals und eine effizientere Binnenschifffahrt auf den Weg gebracht. In Kürze werden erste Projekte in die Tat umgesetzt.

Die Initiative wurde im September 2017 von der Antwerp Port Authority und involvierten Hafenunternehmen mit dem Ziel gestartet, Engpässe im Güter- und Personenverkehr zu überwinden. Dies soll mit kurz- und langfristigen Maßnahmen erreicht werden, von denen die ersten bereits im Herbst beginnen.

»Mobilität ist eine unserer fünf strategischen Säulen. Um weiteres nachhaltiges Wachstum für die Zukunft zu sichern, muss der Hafen sowohl für Menschen als auch für Güter zugänglich bleiben«, erklärt Jacques Vandermeiren, CEO der Antwerp Port Authority. Die aktuelle Mobilitätssituation sei eine ernsthafte Herausforderung für den Hafen, für das es kein Patentrezept gebe. Man suche mit der gesamten Hafengemeinschaft nach strukturellen Lösungen, sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr.

Vier Initiativen im Güterverkehr

Beim Güterverkehr gibt es im wesentlichen vier Handlungsfelder, an denen gearbeitet wird. Eines davon ist die Nachtlogistik. Die Antwerp Port Authority ermutigt die Hafengemeinschaft, die Nachtlogistik stärker zu nutzen. Die gesamte dafür notwendige Infrastruktur sei bereits vorhanden. Dies könne jedoch nur gelingen, wenn sich alle beteiligten Parteien darauf verpflichteten, ihre Geschäftspolitik zu ändern. Zu diesem Zweck wurde ein »Aktionsplan Nachtlogistik« erstellt. Im Oktober beginnen Workshops mit allen Beteiligten wie den Verladern, Transport- und Logistikunternehmen, Reedereien, Terminals und Agenten. Dieses Projekt, sei ein gutes Beispiel für eine branchenübergreifende Zusammenarbeit, um eine Lösung für eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu finden, so Port of Antwerp.

Ein Problem sind auch die nicht ausreichenden Stellplätze für Lkw. Deshalb sollen am linken Schelde-Ufer große moderne Lkw-Parkflächen gebaut werden. Die Anlagen mit Stellplätzen für insgesamt 370 Lkw würden mit allen, auf moderne Standards angepassten Einrichtungen wie Toiletten und Duschen, WLAN, Kameraüberwachung und Warenautomaten ausgestattet, heißt es, dank Solarmodulen zudem energieneutral. Am rechten Schelde-Ufer gibt es bereits einen Lkw-Parkplatz mit 200 Stellplätzen. Dessen Anlagen sollen nun ebenfalls nach dem Vorbild des Neubaus links der Schelde erweitert und modernisiert werden. Nach erteilter Baugenehmigung wird erwartet, dass der Parkplatz bis zum Sommer 2020 in Betrieb genommen werden kann. Die Hafenbehörde investiert nach eigenen Angaben 8,3 Mio. € in dieses Projekt. In der Zwischenzeit werde das Problem unbefugten Parkens in enger Zusammenarbeit mit der Polizei angegangen, heißt es weiter.

Kleinere Containervolumina werden gebündelt

Im Bereich der Binnenschifffahrt hat die Antwerp Port Authority Anfang des Jahres einen Aktionsplan für den Container-Binnenschiffsverkehr unterzeichnet, der die drei Hauptkomponenten Planung und Zusammenarbeit, Bündelung sowie Digitalisierung umfasst. Die Kombination dieser Maßnahmen soll den Containerbinnenschiffstransport für alle Partner in der Lieferkette effizienter gestalten. Im Herbst dieses Jahres sollen dazu verschiedene Pilotprojekte starten. Eines davon ist die Bündelung kleiner Containervolumina, das ab 5. November 2018 beginnen soll. Ab diesem Zeitpunkt sollen nur noch Containerbinnenschiffe mit mindestens 30 Moves (Be- und Entladung) direkt an den maritimen Umschlagterminals im Hafen abgefertigt werden.

Zentrale Stelle für die Planung der Be- und Entladung

Ein weiteres Projekt im Aktionsplan für den Container-Binnenschiffsverkehr ist das »Central Barge-Scheduling«, dessen Test am 1. Oktober starten soll. Dann werde die Be- und Entladung von allen Containerbinnenschiffen im Hafen von einer einzigen, zentralen Disposition geplant. Den von dieser Einheit erstellten Zeitplänen folgten die verschiedenen Containerterminals im Hafen, darunter PSA, DP World und MPET unter Nutzung einer zentralen Planungssoftware und des Liegeplatzreservierungssystems BTS. Durch einen einzigen, zentralen Ansprechpartner werde der Planungsprozess für alle Beteiligten einfacher und effizienter, so die Hafenbehörde. Dies wiederum werde dem Bündelungsprojekt zugute kommen, da eine engere Koordination zwischen der zentralen Dispositionseinheit und den Konsolidierungszentren stattfinde.

Eisenbahnverkehr soll verdoppelt werden

Ein Hauptaugenmerk will der belgische Hafen künftig auch auf den Eisenbahntransport legen. Die Schiene macht den Angaben zufolge derzeit nur 7 % der Verkehre innerhalb des Hafens aus. Dies solle dringend geändert werden, bekräftigt der Hafenbetrieb. Neben dem Binnenschiffsverkehr fördert die Antwerp Port Authority auch den Bahnverkehr mit dem Ziel, die Nutzung der Schiene in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Die Verantwortung für die Umsetzung trägt Railport, eine gemeinsame Initiative der Antwerp Port Authority, der Left Bank Development Corporation und der Branchenverbände essenscia Flandern und Voka Alfaport.

Nils van Vliet wurde im Juni dieses Jahres zum CEO von Railport ernannt. Nach einer Phase mit verschiedenen Pilotprojekten und Studien zum Verteilungsverkehr sei es seine Aufgabe, praktische Initiativen zur Verbesserung und Förderung des Schienenverkehrs zu initiieren. Es würden bereits konstruktive Gespräche mit dem belgischen Eisenbahninfrastrukturunternehmen Infrabel geführt, um ein neues Managementmodell für die Schieneninfrastruktur im Hafen zu entwickeln und damit den Schienenverkehr flexibler und effizienter zu gestalten, informiert Port of Antwerp.

Stärkung von Bahn und Binnenschiff

»Um die Mobilität im und um den Hafen zu verbessern, streben wir eine Verkehrsverlagerung an, bei der der Anteil des Lkw-Verkehrs bis zum Jahr 2030 von 55 % auf 43 % abnimmt. Um dies zu erreichen, wollen wir den Anteil des Schienenverkehrs auf 15 % verdoppeln und den Anteil der Binnenschifffahrt von 38 % auf 42 % steigern. Derzeit bringen wir dank des Binnenschiffstransports bereits 2,1 Mio. Lkw pro Jahr von der Straße«, sagt Tom Verlinden, Mobilitätsmanager der Antwerp Port Authority. Das seien mehr als 8.000 Lkw pro Tag. Damit vermeide man eine durchgehende Lkw-Kolonne mit einer Länge von 120 km. Weitere Effizienzsteigerungen könnten diese Situation nur verbessern.

Zu den von der Hafenbehörde eingeführten Maßnahmen zählen auch Konzepte im Personenverkehr, wie das Angebot von Wasser- und Fahrradbussen für die Berufspendler.