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Nach monatelanger Trockenheit fordern die deutsche Binnenschiffer erneut finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung. Gebraucht würden »Nothilfen« und ein »Krisenmechanismus«.

Bei extremen Veränderungen der Wasserstände und existenzbedrohenden Auswirkungen sollten Hilfszahlungen fließen, lautet die Forderung vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) an die Adresse der Bundesregierung. »Die monatelange Trockenheit in Deutschland hinterlässt in der Binnenschifffahrt deutliche Spuren.«

Die Folgen seien gravierend: Zwar sind angesichts der niedrigen Pegelstände und der knappen Tonnage die Frachtraten um das Vierfache gestiegen – viele Binnenschiffer verdienen damit so gut wie lange nicht mehr. Könne ein Schiff wegen eines Transportverbots aber nicht mehr fahren, drohten Verdienstausfälle von bis zu 4000 € pro Tag, heißt es beim BDB.

Schifffahrt teilweise eingestellt

Auf dem Rhein musste die Schifffahrt im Süden Deutschlands in Teilen eingestellt werden, nachdem am Pegel Kaub historische Tiefstände gemessen wurden. Auf der Elbe ist die gewerbliche Schifffahrt bereits seit Monaten lahmgelegt. Und an der Donau bereite die seit Jahrzehnten vernachlässigte, 70 km lange Strecke zwischen Straubing und Vilshofen erhebliche Schwierigkeiten, da dort Flussausbaumaßnahmen dort nicht stattfänden. Selbst in den staugeregelten Flüssen und Kanälen sei die Befahrbarkeit wegen sinkender Wasserstände nur noch eingeschränkt möglich.

Große und dementsprechend schwere Schiffe, wie sie etwa im Containerverkehr oder in der Tankschifffahrt eingesetzt werden, mussten ihre Fahrten bereits einstellen, sagt der BDB. Sie warteten nun in den Häfen auf steigende Pegel. »Verdienstausfälle werden von niemandem ausgeglichen.«

Auch kleinere und leichtere Schiffen könnten ihre Schiffe nur noch mit deutlich geringeren Mengen beladen, da sonst Grundberührungen oder gar Festfahrungen im Fluss drohten. Mit erheblich mehr Fahrten und entsprechenden Mehrkosten bemüht die Branche sich darum, die Folgen für die Kundschaft so gering wie möglich zu halten. Trotzdem können Frachtverträge mitunter nicht mehr zeitgerecht erfüllt werden.

Bei Chemieunternehmen wie BASF, Lanxess oder Evonik zeichnen sich ebenso wie in der Stahlindustrie, etwa bei ThyssenKrupp, erste Engpässe ab. Vielfach werde versucht, mit den Transporten auf Bahn und Lkw auszuweichen.

Schwere wirtschaftliche Konsequenzen hat die Wetterlage auch für die Fahrgastschifffahrt: Flusskreuzfahrten werden wegen des fehlenden Wassers nicht mehr wie geplant durchgeführt. Das gelte auch für Tagesfahrten. »Das trifft die Branche hart, die auf das Saisongeschäft angewiesen ist«, so der BDB.

Der Bundesverband richtet deshalb den Appell an Politik und Verwaltung, aus dieser Situation die richtigen Schlüsse zu ziehen:

  1. Der Bund müsse Strategien entwickeln, die offenbar klimabedingte Entwicklung abzufedern, etwa durch flussbauliche Maßnahmen.
  2. Verladende Wirtschaft und Industrie benötigten attraktive Angebote und verlässliche Transporte. Wichtige Ausbaumaßnahmen an Flüssen und Kanälen müssen deshalb prioritär behandelt und so schnell wie möglich umgesetzt werden. Es liege somit allein in der Verantwortung der Regierung, dass zum Beispiel der Ausbau am Mittelrhein, wo rund 75 Mio. t Güter pro Jahr transportiert werden, endlich realisiert wird.
  3. Der Bund wird aufgefordert, ein Gesamtbild der durch die Trockenheit verursachten Schäden im Jahr 2018 zu erstellen und die wirtschaftliche Beeinträchtigung der Güter- und Fahrgastschifffahrt zu ermitteln. Bei existenzbedrohenden Situationen sollte der Bund Hilfsmittel für die betroffenen Schifffahrtsbetriebe zur Verfügung stellen.
  4. Die Forst- und Landwirtschaft verfügt in Deutschland über einen Krisenmechanismus, wenn ein »widriges Witterungsereignis nationalen Ausmaßes« festgestellt wird. Das sei auch in diesem Jahr geschehen. Der Bund werde den betroffenen Landwirten mit 150 bis 170 Mio. € beistehen. Zu prüfen sei daher, ob ein ähnlicher Krisenmechanismus auch für andere Branchen wie die Binnenschifffahrt geschaffen werden müsse.
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