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Der Hafen Hamburg und das Land NRW haben auf einer gemeinsamen Veranstaltugen Lösungen präsentiert, um mehr Güter per Bahn und Binnenschiff zu transportieren. Besonders für sperrige und schwere Güter ist die Straße immer seltener eine Option.

Der Hamburger Hafen übernimmt für den seeseitigen Außenhandel Nordrhein-Westfalens eine wichtige Drehscheibenfunktion. Allein der Containertransport erreicht pro Jahr eine Menge von rund 500.000 TEU. Das macht Nordrhein-Westfalen (NRW) zur zweitwichtigsten Region im Container-Hinterlandverkehr von Deutschlands größtem Seehafen. Die Warenströme zwischen NRW und Hamburg nehmen zum großen Teil noch den Weg über die Straße mit dem Lkw und werden über die Autobahnen A1 und A2/A7 abgewickelt. Bei den Containertransporten liegt der Lkw-Anteil bei 81 Prozent. Auf der Schiene werden rund 17 Prozent und per Binnenschiff zwei Prozent der Container zwischen NRW und Hamburg transportiert.

Vermeidung von Staus bei zunehmendem Güterverkehr und Entlastung der vorhandenen Infrastruktur – das sind die Ziele des nach knapp einem Jahr abgeschlossenen Kooperationsprojekts »Hamburg-NRWplus«. Die erarbeiteten Lösungen haben die Projektpartner jetzt auf einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung präsentiert. Nach neuen Wegen für eine stärkere Nutzung von Eisenbahn und Binnenschiff forschten die Projektpartner Hafen Hamburg Marketing (HHM), das sich im Auftrag der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation beteiligte, und PLANCO Consulting, das sich im Auftrag des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen engagierte, gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft.

Gute Chancen für besonders Schwere Güter

»Wir wollen gemeinsam besser werden bei der Transportverlagerung vom Lkw auf die Bahn oder das Binnenschiff. Erste Lösungsansätze in den Bereichen Zollabwicklung, Engpässe beim Transportangebot, Buchungsflexibilität und Leercontainermanagement bringen allen Beteiligten Nutzen«, sagt Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg.

Auch die Transportabwicklung besonders schwerer oder sperriger Güter spielt bei der stärkeren Einbeziehung von Schiene und Wasserstraße eine bedeutende Rolle. »Der Transport besonders schwerer Güter ist auf der Straße schwieriger geworden und die langwierigen Genehmigungsverfahren stellen eine weitere Hürde dar. Die Umsetzung erarbeiteter Lösungsansätze soll auch nach Projektende weiter vorangetrieben werden«, erläutert Gunnar Platz von PLANCO Consulting.

»Wir wollen durch gemeinsame Anstrengungen mehr Güter von der Straße auf die Verkehrsträger Eisenbahn und Binnenschiff verlagern. Dafür gilt es die wichtigen Infrastrukturprojekte zwischen Hamburg und NRW zügig voranzubringen. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang über 15 neue Mitarbeiter für Projekte in NRW, die von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes eingestellt werden«, sagt Hendrik Wüst, Minister für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Kooperationspartner erwarten, dass sich durch die Lösungsansätze aus dem Projekt „Hamburg-NRWplus“ vor allem der Anteil der Schiene zwischen NRW und Hamburg deutlich erhöhen lässt und die Wasserstraßenanbindung langfristig ihre Bedeutung für den Gütertransport ausweiten wird.

Unterstützung aus der Politik

Auf der von Hafen Hamburg Marketing Vorstand Ingo Egloff moderierten Abschlussveranstaltung der Projektpartner freuten sich alle Beteiligten über die bereits erreichten Ergebnisse. So konnte durch die Optimierung der Zugauslastung ein Zuwachs von 12 % im Containerverkehr auf der Schiene zwischen Dortmund und Hamburg nachgewiesen werden. Vorher mit dem Lkw transportierte Boxen werden jetzt auf der Schiene befördert. Auch der Standort Minden, der per Binnenschiff und Bahn an Hamburg angebunden ist, weist einen Zuwachs von 17 % bei den Bahnverkehren auf. Zwischen Warstein und Hamburg gelang sogar eine Steigerung von 40 %, die aller Voraussicht nach zu einer zusätzlichen dritten Containerzugverbindung führen soll. Zusätzliche Containerzugverbindungen bieten auch Standorte, wie Bönen, die bisher stärker in Richtung Westhäfen ausgerichtet waren.

Volker Hahn, Leiter der Hafen Hamburg Repräsentanz in NRW, weist darauf hin, dass durch die bisherige Projektarbeit viele Verlader auf die Möglichkeiten für eine stärkere Nutzung von Bahn und Binnenschiff bei Schwerguttransporten angesprochen und informiert wurden. Für den Hamburger Hafenvertreter ist die Information der Verlader in NRW über Angebote im Kombinierten Verkehr und die Nutzungsmöglichkeiten des Binnenschiffs auch in nächster Zeit eine der besonders wichtigen Aufgaben. Dabei werde helfen, dass von politischer Seite die Vertreter Hamburgs und von NRW eine Fortführung des »Hamburg-NRWplus« Projekts im Jahr 2019 wünschen, heißt es. Auch Egloff begrüßt diese Ankündigung. »Wir finden es richtig, dass die Regierungen von NRW und Hamburg eine Fortsetzung des Projekts beabsichtigen«, so Egloff. »Die bisherige Arbeit hat bereits viele substantielle Ansätze gefunden, um Verkehre auf die Schiene zu verlagern. Es ist daher sinnvoll, auf dieser erfolgversprechenden Basis aufzubauen mit dem Ziel, konkrete Veränderungen herbeizuführen. Das nicht zu versuchen, hieße auf halbem Weg stehen zu bleiben.«

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