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Die Lux-Werft in Mondorf ist auf den Bau von Personen- und Fahrgastschiffen spezialisiert. Die Anfragen für Elektroschiffe nehmen stetig zu, wie Rainer Miebach, einer der vier Geschäftsführer, im Gespräch mit der »Binnenschifffahrt« erläutert

Wie ist aktuell die Entwicklung im Neubaugeschäft von Personen- und Fahrgastschiffen? Sind Sie gut ausgelastet, oder haben Sie noch freie Kapazitäten?

Rainer Miebach: »Wir sind aktuell gut beschäftigt und freuen uns, unsere Kundschaft bedienen zu können. Viele Kunden haben das Motorenförderprogramm in Anspruch genommen. Derzeit gibt es eine starke Nachfrage in Sachen Elektro-Mobilität. Kaum ein Kundengespräch erfolgt ohne Erörterung dieser Thematik.

Welche Aufträge stehen derzeit in Ihrem Orderbuch?

Miebach: Wir arbeiten an der »Rostocker 7« für die Rostocker Personenschifffahrt. Der Neubau wird mit Stufe-III-Dieselmotoren ausgerüstet. Für die Staffelsee Motorschifffahrt bauen wir die »Fischerin II«, die vollelektrisch angetrieben wird. Darüber hinaus befindet sich ein Mehrzweckarbeitsschiff für die Schweiz in unseren Auftragsbüchern, das ebenfalls mit Stufe-III-Dieselmotoren ausgestattet wird.

Das Thema Umwelt wird gerade bei Fahrgast- und Personenschiffen immer wichtiger, da sie häufig in Ballungsgebieten oder großen Städten eingesetzt werden. Bei welchen Projekten haben Sie in der jüngeren Vergangenheit umweltschonende Techniken eingebaut?

Miebach: Wir haben bei verschiedenen Neubauten bereits unterschiedliche Varianten von umweltschonenden Antrieben eingesetzt, Beispiele hierfür sind die »Alpenperle«, die einen Diesel-Hybridantrieb bekommen hat, während die »Seegold« mit einem diesel-elektrischen Antrieb betrieben wird. Die »St. Nikolaus« ist ein Elektroschiff, das mit Lithium-Batterien fährt, eine Premiere ist hierbei, dass die Schiffsbatterie für die »Primär-Regelleistung« genutzt wird. Ein Beispiel für einen Umbau ist die »Innogy«, hier haben wir einen hybriden Brennstoffzellenantrieb eingesetzt.

Die Nachrüstung mit umweltschonenderen Antrieben ist in der Regel sehr kostenaufwändig. Stellen Sie dennoch fest, dass bei den Reedern ein Umdenken hin zu grüneren Technologien stattfindet?

Miebach: Die Novellierung der BinSchUO hat einen starken Kostendruck in die Schifffahrt gebracht. Gerade kleinere Fahrgastschiffbetriebe leiden sehr darunter. Die gebrauchten Einheiten erfüllen die neuen Anforderungen nicht mehr. Sie haben zwar Bestandsschutz bis 2045, sind jedoch kaum oder nur mit großen Abschlägen zu verkaufen. Nachrüstungen sind oft sehr teuer und können durchaus den Wert der Schiffe übersteigen. Neuanschaffungen sind kaum zu leisten. Viele kleinere Betriebe haben ihren Betrieb daher aufgeben müssen, beziehungsweise verschiedene stehen zum Verkauf.

Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit sich die Situation verbessert?

Miebach: Um dem Umweltgedanken gerecht zu werden, müsste die Batterietechnik deutlich gefördert werden. Das Motorenförderprogramm bietet derzeit kaum Möglichkeiten dafür, denn es ist in diesem Zusammenhang noch zu kompliziert. Deshalb sollte es vereinfacht werden. Darüber hinaus sollte die Förderung für umweltschonende Techniken erhöht und schnell zur Anwendung gebracht werden.

Wie zu hören war, haben Werften aufgrund der neuen NRMM-Richtlinie Schwierigkeiten, Neubauaufträge zu bekommen. Stellen Sie das auch fest?

Miebach: Wir haben bei den entsprechenden Gremien darauf hingewiesen, dass kein aktueller Motor die NRMM-Bestimmungen erfüllt. Diese Problematik erschwert es uns Werften deutlich, Aufträge zu bekommen. Wir sind dabei, verschiedene Einbaumöglichkeiten von Motoren zu untersuchen und hoffen auf unbürokratische Unterstützung der Verordnungsgeber. Abgasreinigungsanlagen wurden mehrfach von uns realisiert, ob Dieselpartikelfilter oder Stickstoffreduzierung. Die Anlagen sind speziell auf die einzelnen Motoren abgestimmt und müssen in den Abgasstrang integriert werden. Dies treibt die Kosten sehr stark in die Höhe, so dass die Abgasreinigungsanlagen oft teurer als die Motoren selbst sind.

Das lange anhaltende Niedrigwasser hat bei einigen Werften zu verzögerten Ablieferungen geführt, weil zum einen Lieferkomponenten verspätet bei den Schiffbauern ankamen und zum anderen schlicht zu wenig Wasser unter dem Kiel der Schiffe war. Waren Sie ebenfalls betroffen?

Miebach: Auch auf unseren Betrieb hatte der niedrige Wasserstand Auswirkungen. Die Fahrrinne hat sich gegenüber dem Ufer tiefer eingegraben, so dass die Uferbereiche früher trockenfallen und der Zugang zum Rhein erschwert wird. Wir sehen Infrastrukturmaßnahmen als erforderlich an, um auch in Zukunft einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können. Hier sehen wir den Bund in der Pflicht, notwendige Maßnahmen zu unterstützen, um die Schifffahrt weiterhin effizient zu ermöglichen. Wir sind als Werft nur erfolgreich, wenn unsere Kunden erfolgreich sind. Diesem Leitgedanken folgen wir und entwickeln gemeinsam die für unsere Kunden bestmöglichen Konzepte.


Interview: Thomas Wägener