Das Momentum nutzen

Print Friendly, PDF & Email

Die Sommer-Dürre von 2018 hat Spuren hinterlassen. Erst in der Natur, dann auch in vielen Bilanzen. BASF, Thyssen, Covestro, Lanxess – sie alle haben wegen der Transportengpässe Verluste erlitten, zum Teil in Millionenhöhe. Und weil plötzlich an vielen Tankstellen des Landes der Sprit knapp wurde, hat auch die Bevölkerung – vielleicht sogar erstmals überhaupt – gemerkt, wie wichtig die Binnenschifffahrt für die Wirtschaft ist.

Genauere Pegel-Prognosen und ein schnellerer Ausbau des Rheins sollen künftig dafür sorgen, dass der Schiffstransport auch bei kommenden Dürren funktioniert. »Die Situation von 2018 darf sich nicht wiederholen«, sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und spricht damit sicherlich allen aus den Herzen.

Mit Hilfe des »Aktionsplans Rhein«, der gemeinsam mit der Wirtschaft und dem Gewerbe entwickelt wurde, soll Abhilfe geschaffen werden. Es handelt sich dabei um ein ganzes Bündel von Projekten, die schnellstmöglich umgesetzt werden sollen (siehe Bericht S. 8).

Momentan führt der Rhein ausreichend Wasser. Doch die Experten der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) warnen bereits davor, dass sich 2018 wiederholen könnte. Die fallenden Wasserstände an Elbe, Oder oder Ems mögen als erste Warnung dienen. Die Reservoirs aller Flüsse sind wegen der geringen Niederschläge und der hohen Temperaturen nicht ansatzweise so gut gefüllt wie in anderen Jahren, heißt es.

Handeln tut also not. Von einem »Momentum« für die Binnenschifffahrt spricht man im Ministerium. Denn wenn das Krisenjahr 2018 etwas Gutes hatte, dann ist es die (neu) gewonnene Akzeptanz und breite Unterstützung für diesen lange vernachlässigten und oft noch unterschätzten Verkehrsträger. Die gilt es zu nutzen.

Mit einer Anpassung der Fahrrinnen, dem Austausch von Echtzeitdaten und einer schnelleren Umsetzung von Bauprojekten lässt sich die Zuverlässigkeit von Transporten über das Wasser steigern, gerade in Niedrigwasserphasen. Vielleicht muss aber auch alles eine Nummer größer gedacht werden: Staustufen und Speicherlösungen am frei fließenden Rhein? Bislang undenkbar, nun aber könnten sogar einstige Tabus fallen.

Vor allem aber muss der Bund sein Geldsäckel noch einmal öffnen, nicht nur für die marode Infrastruktur, sondern auch für eine Modernisierung der Flotte mit effizienten, flachgehenden Schiffen. Die Binnenschifffahrt allein ist damit überfordert. Sie braucht ein wirksames Förderprogramm und (ordnungs-)politische Hilfe, damit es mit der Verkehrswende und den richtigen Maßnahmen für mehr Klimaschutz am Ende auch wirklich klappt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Krischan Förster


Krischan Förster

Teilen