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Die zweite Jahreshälfte 2018 war durch eine lange anhaltende Niedrigwasserperiode gekennzeichnet. Ein ähnliches Szenario könnte auch in diesem Jahr bevorstehen, da zeitnah nicht mit großflächigen Niederschlägen zu rechnen ist.

Der Klimawandel ist ein viel diskutiertes Thema. Wie schon in der zweiten Jahreshälfte 2018 fehlt in vielen Landesteilen erneut der Niederschlag. Das hat auch Auswirkungen auf die Wasserstände in den Flüssen, die bereits wieder fallen. Betroffen sind derzeit vor allem die freifließenden Bundeswasserstraßen in Mittel- und Ostdeutschland sowie im Nordwesten die Ems.

Als Gründe werden von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) die geringen Niederschlagsmengen sowie die hohen Junitemperaturen angeführt. An Rhein und Donau, die im vergangenen Jahr ebenfalls stark betroffen waren, ist die Situation noch nicht so angespannt. Hier gab es bis in die zweite Junihälfte noch ausreichende Niederschläge sowie Schneerücklagen in den Alpen, sodass die Schifffahrt aktuell nicht beeinträchtigt ist.

Das zurückliegende Jahr war Angaben der Meteorologen durch häufige und lange andauernde Hochdruckwetterlagen gekennzeichnet. Ferner war es das Jahr mit dem meisten Sonnenschein seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1951. Bezüglich der Lufttemperatur sei es sogar das wärmste gewesen, seit 1881. Hinzu kam die Niederschlagsarmut von Februar bis November.

Nachdem der Dezember und Januar den Wasserhaushalt in Deutschland ein wenig hätten aufbessern können, seien im Februar 2019 bei erneut dominierenden Hochdruckgebieten mit geringer Bewölkung, außergewöhnlich viel Sonnenschein (180 %) und sehr milden Temperaturen auf (+3.6 °C Abweichung; große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht) aufgetreten, so die BfG. Nur anfangs des Monats habe es gebietsweise viel Schnee gegeben, ansonsten sei der Monat mit 61 % des vieljährigen Mittel- wertes erheblich zu trocken gewesen.

Zu hohe Temperaturen, zu wenig Niederschlag

Im März dominierten Tiefdruckgebiete, die feuchte und meist milde Luft brachten. Nach einigen Stürmen bestimmten in der zweiten Monatshälfte wieder Hochdruckgebiete das Wettergeschehen. Insgesamt sei der März jedoch deutlich zu mild verlaufen, aber mit höheren Niederschlagsmengen.

Abweichung der Monatssummen bzw. -mittel der Sonnenscheindauer, des Niederschlags und der Lufttemperatur vom vieljährigen Mittel 1961-1990 für das Flächenmittel von Deutschland (sd= Sonnenscheindauer, rr= Niederschlag, tm= Lufttemperatur, DE=Deutschland)
Abweichung der Monatssummen bzw. -mittel der Sonnenscheindauer, des Niederschlags und der Lufttemperatur vom vieljährigen Mittel 1961-1990 für das Flächenmittel von Deutschland (sd= Sonnenscheindauer, rr= Niederschlag, tm= Lufttemperatur, DE=Deutschland) © BfG, Datenquelle: Deutscher Wetterdienst

Der April sei ebenfalls zu warm ausgefallen. Es sei der 13. Monat hintereinander gewesen, für den dies zugetroffen sei, so die Wetterexperten. Es sei der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 gewesen. Die warmen, kontinentalen Luftmassen brachten entsprechend wenig Niederschlag nach Deutschland, die somit den Angaben zufolge nur 51 % des vieljährigen Mittels erreichten.

Der Mai 2019 schlug eine völlig andere Richtung ein. Besonders in der ersten Mo- natshälfte wehte immer wieder kühle Luft von Nordwesten und Norden heran. Hoher Luftdruck brachte dabei an manchen Tagen sonniges Wetter, aber auch verbreitet nochmals Nachtfröste. Ansonsten sorgten Tiefdruckgebiete vor allem im Süden für reichlichen Niederschlag, der sogar vorübergehend bis ins Flachland als Schnee fiel. Insgesamt verlief der Mai nun erstmals zu kühl (-1.1 °C). Er war nass (111 %) bei unterdurchschnittlichem Sonnenschein (89 %).

Rekordwerte im Juni

Im Juni 2019 bestimmten dann wieder viel Sonnenschein und wenig Niederschlag das Bild. Seit Messbeginn war noch nie ein Juni in Deutschland wärmer (19.8 °C) und sonniger (308 Stunden Sonnenscheindauer). Die durchweg sommerlichen, zum Monatsende hin hochsommerlichen Werte führten mit einer Differenz von +0,4 Grad gegenüber dem bisherigen Rekordhalter 2003 zum wärmsten Juni seit Messbeginn im Jahr 1881. Verbreitet traten wenig Niederschlag, aber auch schwere Gewitter mit großen Niederschlagsmengen auf. Dennoch erreichte der Juni mit 55 mm Niederschlag nur etwa 64 % seines vieljährigen Mittels (85 mm) und musste dementsprechend als verbreitet deutlich zu trocken eingestuft werden.

Die Niederschlagsarmut im Juni betraf sämtliche Flüsse in Mitteleuropa. In den nördlich gelegenen Flussgebieten sei in den letzten zehn Tagen und in den übrigen Gebieten in den letzten fünf Tagen des Monats kein Niederschlag mehr gefallen. Am 1. und 2. Juli seien nennenswerte Niederschläge nur im südlichen Donaugebiet und im Einzugsgebiet des Rheins oberhalb von Basel aufgetreten.

Hinsichtlich des Bodenwasserhaushaltes herrschten Ende Juni/Anfang Juli vergleichbare Bedingungen wie im Trockenjahr 2018, so die Meteorologen. Hinsichtlich des in der Schneedecke gebundenen Wasserdargebotes sei gegenüber dem Vorjahr davon auszugehen, das in den Hochgebirgslagen der Alpen trotz des außergewöhnlichen heißen und trockenen Monats Juni jedoch noch Vorräte lägen.

Situation an Rhein und Donau noch entspannt

Es sei davon auszugehen, dass nur eine verringerte Grundwasserneubildung in den deutschen Flussgebietsanteilen stattgefunden habe, so dass von dieser Seite keine merkliche Stützung der Flusswasserstände in den kommenden Monaten zu erwarten sei, so die BfG. Einzig für die Flussgebiete Donau und Rhein sei davon auszugehen, dass insbesondere auf Grund des Witterungsverlaufes in den Monaten Januar und Mai 2019 noch Wasservorräte in Form von Schnee zur Stützung des Abflusses in den kommenden Wochen zur Verfügung stünden.

Die aktuellen Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie des Europäi- schen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) prognostizieren für die kommenden Tage überwiegend trockene Witterung bei sommerlichen Temperaturen. In den nördlichen Landesteilen wird es voraussichtlich kühler und unbeständiger mit größerer Schauerneigung. Im Süden, insbesondere in Alpennähe, sind gen Wochenende zeitweise Gewitter und Starkregen möglich. Nennenswerte flächenhafte Niederschläge mit merklichem Einfluss auf die größeren Fließgewässer werden insgesamt nicht erwartet.

Dementsprechend zeichnet sich bundesweit an den Wasserstraßen eine Tendenz zu weiter fallenden Wasserständen ab. Dies bedeute, dass insbesondere an Weser, Elbe und Oder die Niedrigwassersituation bestehen bliebe beziehungsweise sich weiter verschärfen werde, so die BfG.

Der Rhein hingegen zehre noch von den gut gefüllten Alpenrandseen sowie den Nie- derschlägen der vergangenen Wochen, so dass die Wasserstände hier in den kommen- den Tagen voraussichtlich noch stagnieren beziehungsweise nur langsam fallen würden.