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Die Gesellschafterversammlung der Sächsischen Dampfschiffahrtsgesellschaft hat ein Sanierungskonzept für die älteste und größte Raddampferflotte der Welt beschlossen und das Unternehmen dadurch vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet

Die Sächsische Dampfschiffahrtsgesellschaft ist einer drohenden Insolvenz entgangen. Nachdem die turnusmäßige Gesellschafterversammlung im Juli in Dresden nicht die erforderliche Mehrheit für eine Änderung des Gesellschaftsvertrages verzeichnen konnte, musste Anfang August noch einmal eine außerordentliche Sitzung einberufen werden. Mit 95% der Stimmen gaben die Kommanditisten ihre Zustimmung für ein von Geschäftsführerin Karin Hildebrand in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat eingereichtes Sanierungskonzept.

Dieses sieht in einem ersten Schritt die finanzwirtschaftliche Sanierung des Unternehmens vor. Die Gesellschafter verpflichten sich hierbei, auf Gewinnausschüttungen zu verzichten, bis eine Rücklage von 2Mio. € aufgebaut ist, die der Instandhaltung der Dampfschiffe dienen und daher in dieser Höhe auf Dauer erhalten werden soll. Zusätzlich sollen über Kommanditisten oder stille Gesellschafter weitere 2Mio. € an Eigenkapital für die Überbrückung künftiger Niedrigwasserperioden zugeführt werden.

Die Beschlüsse waren notwendig geworden, damit die Sächsische Aufbaubank eine gewährte Rettungsbeihilfe über 800.000 €, die bis Mitte September dieses Jahres zur Rückzahlung fällig gewesen wäre, in eine langfristige Umstrukturierungsbeihilfe in Höhe von 2Mio. € umwandelt. Weiterhin hatte die Ostsächsische Sparkasse Dresden die Verlängerung einer Kontokorrentlinie über 1,1Mio. € von der Entscheidung der Gesellschafter über das Sanierungskonzept abhängig gemacht.

Obwohl die Gesellschaft zum Zeitpunkt der Beschlussfassung weder zahlungsunfähig noch überschuldet war, wäre eine positive Fortführungsprognose nicht gegeben gewesen, da ohne die beschlossenen Maßnahmen die Liquidität spätestens zum Jahresende 2019 aufgebraucht gewesen wäre. Daraufhin hätte die Geschäftsführung wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und insolvenzrechtlicher Überschuldung unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen müssen.

Zukunft vorerst gesichert

Mit Beschlussfassung der Änderung des Gesellschaftsvertrages ist die Finanzierung der »ältesten und größten Raddampferflotte der Welt« vorerst gesichert, und die Gesellschaft kann den zweiten Schritt des Sanierungskonzeptes umsetzen, welches insbesondere eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells vorsieht. Erste Ideen, wie eine Verwaltung der historischen Dampfschiffe in einer separaten Gesellschaft, beispielsweise einer Stiftung, befinden sich bereits in der Diskussion.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Stimmen, die gerade im Hinblick auf die zunehmend zu erwartenden extremen Niedrigwasserperioden die öffentliche Hand noch stärker mit ins Boot nehmen möchten. Die Gedanken reichen hierbei von einer Verbesserung des Fahrwassers in bestimmten Bereichen der Oberelbe bis hin zu der bislang nicht mehrheitsfähigen Überlegung zur Errichtung von Staustufen, um die Elbe als Schifffahrtsweg überhaupt erhalten zu können.

Niedrigwasser verschärft Lage

Dass solche Debatten in der jetzigen Situation wiederaufleben, ist verständlich, da das monatelange Niedrigwasser im vergangenen Jahr ursächlich für die existenzielle Lage der Sächsischen Dampfschiffahrtsgesellschaft erscheint. Daraufhin konnte an 120 Tagen nur sehr eingeschränkt und an acht Tagen gar nicht gefahren werden, sodass es Umsatzeinbußen von 2,2Mio. € gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr gegeben hatte. Zudem war die Reederei auf Grund von EU-Auflagen verpflichtet worden, neue Hilfsdiesel in alle Schiffe einzubauen, was mit weiteren 800.000 € zu Buche geschlagen war.

Tradition der Leitmeritz-Fahrten

Die Fachgruppe Elbeschifffahrt, über deren 35-jähriges Jubiläum in der BS 5/19 auf den Seiten 18 und 19 berichtet wurde, und die auf ehrenamtlicher Basis sehr eng mit der Sächsischen Dampfschiffahrt verbunden ist, will eine alte Tradition wieder aufnehmen. Noch nicht vergessen sind Berichte aus historischen Dokumenten, die von den Dampferfahrten durch das Elbsandsteingebirge bis ins böhmische Litomerice (Leitmeritz) künden. In der Tat zählten diese Ausflüge einst zum täglichen Linienangebot der Sächsisch-Böhmischen Dampfschifffahrtsgesellschaft, und später wurde diese Strecke regelmäßig bei Zwei-Tages-Fahrten von den Schiffen zu DDR-Zeiten von der Weißen Flotte Dresden bedient.

Die Fachgruppe Elbeschifffahrt im Landesverein Sächsischer Heimatschutz hat daraufhin für das kommende Jahr eine exklusive Schifffahrt unter dem Motto »Auf den Spuren unserer Vorfahren« von der romantischen Sächsischen Schweiz durch das idyllische Böhmische Mittelgebirge initiiert.

Am Samstag, dem 6. Juni 2020, wird um 9.00 Uhr das Dampfschiff »Pillnitz« der Sächsischen Dampfschiffahrt von Königstein aus starten und die Fahrgäste bei typisch deutsch-böhmischer Küche, Live-Streckenerklärung und durch zwei Schleusen in Usti nad Labem und Lovosice bis nach Litomerice bringen. Hier werden die Passagiere gegen 17.00 Uhr begrüßt und zu einem Stadtrundgang eingeladen, bevor der Abend gemeinsam bei einem böhmischen Pils ausklingen wird.Nach der Übernachtung im Hotel wird unter tollen Eindrücken am nächsten Morgen um 10.00 Uhr die Heimreise bis nach Dresden angetreten, wo gegen 19.00 Uhr die Ankunft erwartet wird. Ein Zwischenhalt in Königstein wird gewährleistet.

Buchungen ab sofort möglich

Anfragen und Buchungen werden ab sofort über den Organisator Michael Hillmann unter https://michael-hillmann.com/produkt/auf-den-spuren-unserer-vorfahren-am-6-7-juni-2020-nach-litomerice/ entgegengenommen.

Michael Hillmann ist Gesellschafter der Sächsischen Dampfschiffahrtsgesellschaft mbH und freier Autor.


Michael Hillmann

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