Hafenbau auf neuen Wegen

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Im Hafen- und Wasserbau sorgt man sich um die Effizienz bei Großprojekten. Beim diesjährigen Kongress der Hafentechnischen Gesellschaft (HTG) debattierte das »Who is who« der Branche über mögliche Lösungen und eine verbesserte Zusammenarbeit

Der HTG-Vorsitzende Reinhard Klingen zeigte sich sehr zufrieden über die hohe Zahl von 515 Gästen, die Mitte September zu dem dreitägigen Kongress nach Lübeck gekommen waren: »So viele Teilnehmer hatten wir lange nicht mehr.«

Der Schwerpunkt des Expertentreffens lag auf dem Thema Großprojekte. Norbert Gebbeken von der Universität der Bundeswehr München schrieb der Branche eine Optimierung der Prozesse ins Stammbuch. Laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2015, in der 2.000 Großprojekte in 104 Ländern auf sechs Kontinenten untersucht wurden, verlaufen 75% dieser Vorhaben aller Technologien nicht nach Plan. Gebbeken sieht das in strategischen Täuschungen zu Beginn und der Unterschätzung von Kosten und Zeitaufwand sowie einer Überschätzung des Nutzens begründet. Zu allem Überfluss erfolge die Kostenbekanntgabe zudem häufig vor der eigentlichen Planung.

»Es läuft zu viel schief«, stellte auch der Kölner Konflitmanager Stefan Leupertz fest. Und wenn etwas schief laufe, sei dies zumeist dramatisch. Als Beispiel nannte er die Hamburger Elbphilharmonie, deren Kosten sich im Vergleich zur ursprünglichen Planung fast verzehnfacht hatten. Laut Leupertz werden pro Projekt zum Teil 60 bis 70 Verträge geschlossen. Seiner Ansicht nach mangelt es an der nötigen Abstimmung der am Bau beteiligten Akteure, darüber hinaus stehe nicht genügend Zeit für die Grundlagenermittlung zur Verfügung. »Deshalb ist es notwendig, das Projekt so früh wie möglich gemeinsam zu entwickeln.« Entsprechend schlägt er Mehrparteien-Allianz-Verträge vor. Ziel sei eine Vermeidung von Streitigkeiten beziehungsweise eine Streitschlichtung.

Gebbeken machte zwar deutlich, dass Bauen ein risikobehafteter Prozess ist. Er forderte allerdings einen offenen und ehrlichen Umgang der Beteiligten – im Idealfall im Rahmen einer kooperativen Planung. Darüber hinaus sei es wichtig, erst zu planen und dann zu bauen. Seiner Meinung nach muss sich zudem das Risikomanagement verbessern. Gefahren müssten berücksichtigt und deren Eintrittswahrscheinlichkeit geprüft werden. Über den Zuschlag für ein Projekt solle die Qualität entscheiden und nicht der günstigste Preis. Nicht zuletzt seien »klare Prozesse und Zuständigkeiten« wichtig sowie eine stärkere Transparenz, auch im Zuge unabhängiger baubegleitender Überwachungen und Kontrollen.

Die Nutzung digitaler Methoden kann nach Ansicht von Gebbeken helfen, wenngleich Building Information Modeling (BIM) hierbei nur ein kleiner Teil sei. Leupertz bezeichnete BIM unterdessen als Riesenchance, »Daten zu verwalten, die ein integriertes Planen ermöglichen.«

Ausbau & Investitionen

Neben den Abläufen von Großprojekten und dem Einsatz von BIM standen auf dem HTG-Kongress vor allem Bauprojekte im In- und Ausland im Mittelpunkt. Es wurde über Vorhaben in Lübeck sowie an verschiedenen Häfen und Wasserstraßen informiert. Jan Lindenau, Bürgermeister der Hansestadt, kündigte beispielsweise in seinem Grußwort an, dass in Lübeck von 2018 bis 2020 rund 85Mio. € in die Hafeninfrastruktur investiert werden, hauptsächlich für die Digitalisierung, aber auch in Forschung und Entwicklung. Es sind Drohnen zur Kaiuntersuchung geplant, darüber hinaus sollen Konzepte für die Verkehrssteuerung entwickelt werden.

Projektberichte gab es auch zum Thema Schleusen und Wehre. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Forschung. Hier standen Küsten- und Hochwasserschutz sowie Hydrodynamik und Morphologie im Fokus. Weitere Veranstaltungsblöcke wurden der Logistik und der Digitalisierung gewidmet.

Traditionelle Preisverleihungen

Traditionell standen auch wieder Verleihungen auf der Agenda des Kongresses – »ein langjähriger und etablierter Brauch der HTG«, so Klingen.

Der HTG-Förderpreis der Victor-Rizkallah-Stiftung ging in diesem Jahr an Dirk Fleischer für seinen Beitrag mit dem Titel: »Laboruntersuchungen für die Kalibrierung eines zerstörungsfreien Nachweisverfahrens zur Abdichtung wasserbaulicher Erddämme mittels Kunststoffinjektion.

Über den HTG-Förderpreis für Habilitationen und Dissertationen durfte sich David Gisen von der Bundesanstalt für Wasserbau freuen. Er bekam die mit 4.000€ dotierte Auszeichnung für seinen Beitrag mit dem Titel »Modeling upstream fish migration in small-scale using the Eulerian-Lagrangianagent method (ELAM)«.

Mit dem HTG-Förderpreis für Diplom- und Masterarbeiten und den dafür vorgesehenen 2.000€ wurde Anne Stark bedacht. Der Beitrag der Mitarbeiterin der TU Hamburg, Institut für Geotechnik und Baubetrieb, hatte den Titel »Das Projekt ‚nautische Tiefe’ im Hamburger Hafen: Entwicklung neuer Technologien in der Hydroakustik und der Schiffsführungssimulation«.

Die Ehrung für das Lebenswerk der Werner Möbius Stiftung ging in diesem Jahr an Karl Morgen von WTM Engineers. Klingen würdigte Morgen als »herausragenden Ingenieur«, den stets der Wille ausgezeichnet habe, das Beste für die Gesellschaft und die Organisationen erreichen zu wollen.

Der Preisträger war lange Zeit gemeinsam mit Klingen im Vorstand der HTG. Er verfüge über »herausragende unternehmerische sowie fachliche Qualitäten«, so Klingen weiter.

Morgen hat zahlreiche berufliche Erfahrungen mit Werner Möbius sammeln können, dem Namensgeber des Preises. »Persönlichkeiten wie Sie, Herr Möbius, sind Leuchttürme für unsere Gesellschaft«, lobte er. Er habe viele Jahre mit großer Freude in der HTG und mit der HTG gearbeitet, sagte Morgen, der nun als stellvertretender Vorsitzender ausgeschieden ist (siehe S.5). Sein Nachfolger ist Karlheinz Pröpping von der Hamburg Port Authority (HPA).

Die Institutionalisierung der Jungen HTG habe ihm besonders am Herzen gelegen, bekräftigte Morgen, der ankündigte, sein Preisgeld in Höhe von 3.000€ der Jungen HTG zukommen zu lassen und den Betrag zusätzlich um dieselbe Summe zu erhöhen.

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