Zuversicht und Streit an der Peene

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2018 schlugen die Binnenhäfen an der Peene 17.500 t um. Wachsender Wassertourismus steht am Standort Anklam im exemplarischen Konflikt mit Binnenhafenbetrieben um die Zukunft der Wasserstraßen.

Die schiffbare Peene in Vorpommern gehört zu den naturnahesten Flüssen in Mitteleuropa. Ihre Ufer sind fast unberührt. Für die Binnenschifffahrt gibt es ein Güteraufkommen vorwiegend an landwirtschaftlichen Gütern, hauptsächlich von Getreide aller Sorten. Häfen und Umschlagsstellen gibt es in Malchin, Demmin, Jarmen und Anklam. Alle vier Städte und ihre Umschlagsstellen wurden nach der Vereinigung modernisiert und für den Tourismus attraktiv hergerichtet. Auch der Bootstourismus entwickelt sich.

Kuhnle-Tours, die bis vor zehn Jahren in Malchin eine Niederlassung betrieben haben, veröffentlichten in ihrem Newsletter von Anfang Oktober, dass sie nach Malchin zurückkehren wollen, darin steht: »In Malchin an der Peene wird es im kommenden Frühjahr die komfortablen Kormoran-Hausboote und die barrierefreien Febomobile zu mieten geben. Auf die Chartercrews warten etwa 100km idyllische Flusslandschaft bis bei Anklam das leicht salzige Boddenwasser erreicht ist.«

Auch Solar-Katamarane werden durch das Portal www.abenteuer-flusslandschaft.de von Antje Enke aus Anklam angeboten. Ihr Mann, Carsten Enke, hat eine alte Schiffswerft, die es hier früher mal am linken Peene-Ufer gegeben hat, als Bootswerft vor einigen Jahren wieder ins Leben gerufen. Schiffbau soll es in Anklam bereits seit dem 13. Jahrhundert, also vor Störtebeker, gegeben haben. Vor der Wende betrieb die Deutsche Binnenreederei für ihre Betriebsstelle Stralsund hier eine Reparaturwerkstatt, die nach der Wende aufgegeben wurde.

Carsten Enke fing mit als »Flößen« bezeichneten kleinen Hausbooten für zwei Personen an. Mit steigendem Erfolg entwickelte er größere und attraktivere Hausboote, die er mit vier Angestellten am eigenen Standort selbst fertigt.

Gegenüber seinem Standort liegt der Umschlaghafen der Stadt Anklam mit einer Niederlassung des Metallrecycling-Unternehmens Theo Steil, in dem große Metallteile in kleinere Partiegrößen getrennt und mit Zangengreifer in Schubleichter verladen werden. Das geht natürlich nicht schallfrei ab. Diese teilweise auch nicht staubfreie Verladung stört das erfolgreiche Ehepaar Enke. Seit zwei Jahren bemühen sie sich intensiv und öffentlich um eine Verlegung des Hafens an einen anderen Standort. Die Stadtverwaltung und andere Behörden sind natürlich dagegen und argumentieren, dass man sich so einen Aufwand erstens gar nicht leisten könne und es zweitens ganz normal sei, dass eine Stadt an einem schiffbaren Fluss auch einen Hafen betreiben können müsse. Und dieser sichere in Anklam ebenso Arbeitsplätze wie auch die Bootswerft.

Der Nutzungskonflikt läuft auf die Frage hinaus, wem die Zukunft auf Mecklenburg-Vorpommerns Binnenwasserstraßen gehört, dem Tourismus oder der Binnenschifffahrt. Der Standort Peene ist der bedeutendste für die Binnenschifffahrt im Bundesland, aber auf geringem Niveau. Der Wassertourismus im Land hat sich dagegen binnen zehn Jahren verdreifacht. Befürworter der Boombranche berufen sich auf Bürgerforen, etwa das vom Herbst 2018. Demnach solle der Fluss in Anklam attraktiver werden, was die Verlagerung des Schrottplatzes erfordere. Der Wassertourismus auf der Peene wird sich unabhängig von einer Entscheidung entwickeln und mit Kuhnle-Tours hat mit www.abenteuer-flusslandschaft.de zudem einen Wettbewerber auf dem Fluss bekommen.

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