Stralsund: Binnenschiffahrt abgeklemmt

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In Mecklenburg-Vorpommern tut sich die Binnenschifffahrt im Hinterlandverkehr schwer. Der Vorsitzende des Landesverbands Hafenwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern (LHMV), Sören Jurrat, zugleich Geschäftsführer des Seehafens Stralsund, kennt die Gründe

Die Umschlagleistung aller Häfen des LHMV liegt aktuell bei rund 40 Mio. t jährlich, wobei eine breite Güterartenpalette von rollender Ladung im Fähr- und RoRo-Verkehr über klassische Stück- und Schüttgutladung bis hin zu flüssigen Gütern abgebildet wird, berichtet Sören Jurrat.

Gegründet wurde der Landesverband Hafenwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern im August 1990, er steuert also auf das 30. Jahr seines Bestehens zu. Ihm gehören zwölf Häfen und Umschlagbetriebe des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern an – eben auch die kleineren kommunalen Häfen an der Peene, wie Anklam, Malchin, Demmin und Jarmen. Der Verband versteht sich an erster Stelle als Plattform für die politischen Interessen der Hafenwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Der LHMV ist als Verband Mitglied im deutschen Dachverband der Hafenwirtschaft, dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Ein wesentlicher Schwerpunkt der Verbandsarbeit ist die gemeinschaftliche Vermarktung der Häfen als leistungsstarke, hocheffiziente und flexible Partner im Schnittpunkt der Verkehrsträger an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns – kein leichtes Unterfangen.

Jurrat (52) ist seit nunmehr fast 25 Jahren im Hafengeschäft tätig, davon 20 Jahre in verschiedenen Funktionen im Seehafen Stralsund und seit 2014 Geschäftsführer des Unternehmens. Die ehrenamtliche Funktion als Vorstandsvorsitzender des LHMV übernahm er 2013. »Nach der Gründung unseres Verbandes lag der Schwerpunkt unserer Arbeit darin, die Häfen auf die Bedingungen der Marktwirtschaft auszurichten, sie zu modernisieren und leistungsfähiger zu machen, aber sie auch auf die Veränderungen in den Güterartenstrukturen einzurichten. Der Anteil der Binnenschiffsverkehre ging u.a. auch durch die großflächige De-Industrialisierung nicht marktwirtschaftlicher Unternehmen der ehemaligen DDR stark zurück«, sagt Jurrat. Der Modal Split habe sich deutlich zugunsten von Lkw-Verkehren und zulasten der Binnenschifffahrt verändet. Einzige in Mecklenburg-Vorpommern heute noch beheimatete Binnenschiffe sind die »Dömitz« aus Anklam und die »Aken« aus Stralsund. Während die »Aken« nur noch im Regionalverkehr zwischen Stralsund und der Insel Hiddensee unterwegs ist, verkehrt die »Dömitz« auch bis weit ins Hinterland, wenn Rückladung vorhanden ist.

Jurrat sieht zwei Probleme, die weiteren Binnenschiffsaktivitäten im Weg stehen: »Ostdeutsche Reedereien, wie Ed Line, Rhenus Partnership (NL Berlin) und Deutsche Binnenreederei, die wir befragten, und ihre Partikuliere würden gern die Küstenhäfen bedienen, wenn Rückladung vorhanden wäre. Aber seit Jahren wird zunehmend von ihnen auch die häufig mangelnde Tauchtiefe der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße (HoFriWa) beklagt, also die Westoder, die bei Tauchtiefen von 150cm nicht mehr wirtschaftlich zu befahren ist.«

Ausweichmöglichkeiten gibt es demnach kaum: Die Ostoder fällt ab der Ostschleuse Hohensaaten von Frühjahr bis Spätherbst fast völlig wegen Niedrigwassers aus. Wie Ulrich Krüger, Eigner der »Dömitz« erklärt, soll der niedrigste Pegelstand dieses Sommers an der Mündung des Schleusenkanals Hohnsaaten zur Ostoder 30cm betragen haben.«


Christian Knoll

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