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Liebherr-Mining Equipment Colmar aus Frankreich will künftig Transporte vom Lkw verstärkt auf die Wasserstraßen verlagern. Die Bilanz nach einem einjährigen Testlauf fällt positiv aus

Liebherr-Mining Equipment Colmar montiert in seinem Werk im französischen Colmar große Hydraulikbagger (von 100 bis 8.020t) und einen Muldenkipper (180t) für den Bergbau. Einige Komponenten dieser Maschinen sind bis zu 19m lang, 5m breit und über 4m hoch mit einem Gewicht von ca. 100t.

Jedes Jahr verlassen nach Liebherr-Angaben annähernd 1.000 Schwertransporte das Werk um diese Maschinen zu den Häfen in Antwerpen und Zeebrugge zu befördern. Von dort gelangen sie per Seeschiff zu Tagebaustätten und Minen weltweit (Australien, Afrika, Asien) wo sie wieder montiert werden.

»Im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung hat sich Liebherr der Herausforderung gestellt, für den Vorlauf zu den großen Seehäfen von der Straße auf den Fluss zu wechseln«, so das Unternehmen.

Eine eingehende Studie über die Verkehrsverlagerung dieser Ströme, die zu 50% von Voies navigables de France (VNF – staatl. Wasserstraßenverwaltung) in Straßburg finanziert wurde, wurde vom Unternehmen mithilfe einer internationalen Unternehmensberatung durchgeführt.

Diese Verlagerung besteht darin, den Straßentransport durch einen anderen alternativen Verkehrsträger mit einem umweltverträglicheren zu ersetzen – hier den Straßenverkehr durch Binnenschifffahrt. Diese Finanzierung ist Teil des Unterstützungsprogramms der VNF für Unternehmen, die die Binnenschifffahrt in ihre Logistikketten integrieren möchten.

Am Ende dieser Studie hat sich Liebherr-Mining Equipment Colmar entschieden diese Verkehrsverlagerung zu testen. Vor dem 3. Juni 2019 habe jeder Lkw, der das Werk in Colmar verließ, durchschnittlich 500km auf französischen, deutschen und belgischen Straßen zurückgelegt, um mit den Maschinen zu den Seehäfen zu gelangen. Seitdem fahren diese Schwertransporte nur noch zum Rheinhafen von Colmar/Neuf-Brisach, um die Maschinen nun mit Binnenschiffen zu transportieren.

Positive Bilanz nach drei Monaten

Am Ende dieses ersten Quartals sei Liebherr-Mining Equipment Colmar mit diesem neuen Verkehrsmittel sehr zufrieden, so das Unternehmen. Einer der Vorteile der Binnenschifffahrt sei die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks. Dieses Verkehrsmittel sei wesentlich umweltfreundlicher als der Straßenverkehr. Es verbrauche weniger Energie und der CO2-Ausstoß werde erheblich reduziert. Durchschnittlich werde viermal weniger CO2 ausgestoßen als auf der Straße. Die Lärmbelastung für Ballungsräume werde ebenfalls verringert.

Seit Beginn des Testzeitraums wurden Liebherr zufolge 40 Maschinen auf 14 Schiffen ausgeliefert, dies entspreche 7.000t oder 375 Packstücken. Für die Umwelt bedeute dies eine Einsparung von mindestens 134.000 gefahrenen Kilometern und 240t CO2.

Darüber hinaus sei der Wasserweg mit einer Unfallrate von nahezu Null auch ein sicherer Transportweg: Es gebe keine Überlastung und die vorhandene Ladesoftware würde die perfekte Stabilität der Schiffe garantieren.

Rhein als wichtige Verkehrsader

Der Vorlauf zum Rheinhafen wurde

den beiden in der Region erfahrenen elsässischen Transportunternehmen Straumann (Colmar) und Wack (Obernai und Drulingen) anvertraut. Die Reederei ist Haeger & Schmidt Logistics.

Darüber hinaus ermögliche diese Verkehrsverlagerung die Nutzung des in unmittelbarer Nähe befindlichen Rheins, sieht Liebherr ein weiteres Argument für den Warentransport auf Binnenschiffen.

Darüber hinaus würde durch den Transport über die Wasserstraße eine höhere Flexibilität entstehen. In Bezug auf Lieferfristen könne eine am Freitagmorgen versandfertige Maschine ab Montagmorgen im Seehafen (Antwerpen oder Zeebrugge) sein, so Liebherr. Dies sei ein großer Vorteil gegenüber der Straße, da Schiffe auch am Sonntag fahren dürften.

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