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Die Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort hat ihr traditionelles Schiffermahl ausgerichtet. Christian Kullmann, Vorstandschef des Chemieunternehmens Evonik, forderte staatliche Investitionen in die Wasserstraßen

Defekte Schleusen, verrostete Poller, bröckelnde Brücken: Die maroden Wasserwege in Nordrhein-Westfalen führen zu Engpässen in der Logistik und gefährden so die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Denn alternative Wege für die Gütermengen gibt es nicht. Straßen und Schienenwege sind überlastet und teils ähnlich marode.

Für Schifferbörsen-Vorstand Frank Wittig ist die Einladung Kullmanns deshalb ein klares Signal, dass Industrie und Binnenschifffahrt gemeinsam dafür eintreten, die Wasserwege leistungsfähig zu halten. »Investitionen in die Wasserstraße sind Investitionen in den Industriestandort und damit auch in Arbeitsplätze«, sagte der Vorsitzende der Schifferbörse vor über 130 geladenen Gästen, darunter der Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther, der Vorstandsvorsitzende des Duisburger Hafens, Erich Staake, IHK-Präsident Burkhard Landers sowie der Kanzler der Universität Duisburg-Essen, Jens Andreas Meinen.

Wittig forderte aber auch, nicht nur die aktuellen Herausforderungen im Blick zu haben: »Der Ausstieg aus der Kohle bedeutet auch den Ausstieg aus dem Kohletransport.« Man müsse gemeinsam nach innovativen Lösungen suchen, um die Wasserstraße für noch mehr Güter als Transportweg attraktiv zu machen, so sein Appell an die Branchenvertreter.

Kullmann betonte die Rolle der Schifffahrt für die Industrie im Land: »Die Zukunft des Gütertransports liegt auf dem Wasser«, so der Vorstandschef des Essener Spezialchemiekonzerns. »Wenn der Transport von Gütern und Rohstoffen zuverlässig funktioniert, wird die Industrie hier auch in Zukunft weiter investieren und wachsen.« Wichtige und gute Schritte für die dringend notwendigen staatlichen Investitionen in die Wasserstraßen seien aktuell erreicht worden. Nun gehe es an deren Umsetzung – zum Wohle der Infrastruktur. »Der Staat trägt die Verantwortung für die Rahmenbedingungen«, so Kullmann. »Bund und Land hätten gute Beschlüsse gefasst, doch am Ende zähle die Tat.

Parallel müsse der Staat unternehmerische Eigenverantwortung stärken, um damit mehr Wachstumsanreize zu schaffen. Kullmann hob die Schifferbörse als Beispiel hervor, wie Unternehmen selbst zur Transparenz und Verlässlichkeit in einem Markt beitragen können – zum Wohlergehen aller Marktteilnehmer und des Staates.

Schifferbörse bestellt Lehrmittel

Im Vorfeld des Schiffermahls hatte die jährliche Börsenversammlung der Schifferbörse, deren Geschäftsführung bei der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve liegt, im Haus Rhein stattgefunden. Dort wurde den rund 75 Mitgliedern der Schifferbörse ein Lehrmittelpaket Rheinschifffahrt vorgestellt. Dieses Paket wurde von der Schifferbörse beim Logistikum Steyr der Fachhochschule Oberösterreich beauftragt und umfasst umfangreiche Unterrichtsmaterialien zur Binnenschifffahrt für Schulen und weitere Bildungseinrichtungen. Damit sollen Schülerinnen und Schülern die Eigenschaften und Vorteile des Systems Wasserstraße näher gebracht werden.

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