Kleiner Hafen mit regionaler Ausstrahlung

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Der Hafen Giurgiule ti in Moldawien ist sowohl mit Hochsee- als auch mit Binnenschiffen erreichbar.

Für die regionale Wirtschaft und Logistik-Branche gewinnt er zunehmend an Bedeutung

Giurgiule ti ist ein Verkehrsknotenpunkt am südlichsten Zipfel von Moldawien. Das gut 2.000 Einwohner zählende Dorf liegt an zwei Grenzübergängen, einer führt in die Ukraine, der andere nach Rumänien. Auf dem 460m langen moldawischen Donauteil existiert ein Hafen, in dem reges Treiben herrscht und der sich zu einer immer wichtigeren Verkehrsdrehscheibe für das Land entwickelt, weiß Thomas Moser, CEO der Danube Logistics Holding und Betreiber und Eigentümer des Donauhafens von Giurgiule ti. Dieser liegt nicht nur an der Donau, sondern auch am Pruth, einem Fluss, der aus dem moldawischen Hinterland kommend in die Donau mündet.

Moser kam über das Bankgeschäft nach Moldawien und hat das Potenzial dieses Hafenstandortes entdeckt. Der Hafen liegt günstig, 134km landeinwärts vom Donaudelta und ist gut erreichbar sowohl mit Küstenmotorschiffen als auch mit Binnenschiffen.

»Wir schlagen über unseren Hafen primär die Exporte für das Land um, ein Transitgeschäft haben wir nicht«, so Moser. Seit Beginn dieses Jahres kümmert sich der Deutsche Mathias von Tucher als Geschäftsführer um den operativen Betrieb in Moldawien. Den Hafen, in dem alle Arten von Gütern umgeschlagen werden, umgibt ein 55ha großer Business Park, in dem verschiedene Unternehmen tätig sind. Auf zusätzlichen 65ha hat Moser die Option zur weiteren Entwicklung, internationale Unternehmen könnten sich jederzeit an Danube Logistics wenden, sollten sie sich für eine Niederlassung im Hafenbereich interessieren. Moser hat sich die Landfläche vom moldawischen Staat langfristig für die Bewirtschaftung gesichert und bietet sie niederlassungswilligen Firmen zu Miete oder Pacht an. Wobei solche entweder selbst ihre Betriebsanlage errichten oder sich diese von Danube Logistics errichten lassen können.

2005 hat Moser mit dem Aufbau des Hafens begonnen, im vergangenen Jahr wurden 1Mio.t Massengüter, Breakbulk, Stückgut und Container umgeschlagen. Damit stieg das Warenaufkommen um 12% im Vergleich zum Vorjahr. Es sind agrarische Exportgüter wie beispielsweise Getreide, Speiseöle oder Wein, die von Moldawien in alle Welt hinausgehen. In Tankcontainern verpackt werden sie mit seegängigen Schiffen über das Schwarze Meer zum Hafen Konstanza gebracht und dort zumeist auf große Frachter für den Weitertransport in alle Welt umgeschlagen. Gleiches gilt für den Import von Gütern nach Moldawien. Massengüter kommen aber auch mit Binnenschiffen von Konstanza über den Donau-Cernavoda-Kanal nach Giurgiule ti. Die internationale Automobilindustrie hat das Land längst entdeckt und lässt dort anspruchsvollere Komponenten fertigen. Moldawien hat mit der EU ein Assoziierungsabkommen geschlossen, was dem Land wirtschaftliche Perspektiven in EU-Europa eröffnet. Einmal pro Woche bietet Danube Logistics einen Feeder-Service von Giurgiule ti nach Konstanza an. Rund 6.000TEU kommen pro Jahr auf dieser Route zusammen, Tendenz steigend. Und das in einem Umfeld, wo die Nachbarhäfen Galati in Rumänien und Reni in der Ukraine Konkurrenten von Giurgiule ti sind. Galati liegt nur 7km von Mosers Hafen entfernt, Reni 8km; bis Braila ist die Donau maritim nutzbar, sprich mit großen Schiffen schiffbar.

170 Mitarbeiter sind im Hafen Giurgiule ti beschäftigt, 450 sind es insgesamt, wenn man alle im Business Park präsenten Unternehmen zusammenrechnet. Ein Bonus des Hafens ist auch, dass er sowohl über die europäische Normalspur als auch über die russische Breitspur erreichbar ist. Allerdings sind Bahntransporte eher weniger ausgeprägt, weil sich die Infrastruktur in einem schlechten Zustand befindet.


Josef Müller

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