Die Historie der Dampfer wird bewahrt

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Nach dem Krisenjahr: Die Sächsische Dampfschiffahrt setzt ihr Sanierungskonzept

in die Praxis um

Dass die Sächsische Dampfschiffahrt (SDS) in das Jahr 2020 schippern konnte, ist die wesentliche Botschaft, die sich mit dem über 180 Jahre alten Traditionsunternehmen verbindet. Denn im vergangenen Sommer standen vor der Zukunft der »ältesten und größten Raddampferflotte der Welt« große Fragezeichen.

Erhebliche Umsatzeinbußen durch das extreme Niedrigwasser in den vergangenen beiden Jahren, verbunden mit zusätzlichen Aufwendungen für den Einbau neuer Hilfsdiesel infolge von EU-Auflagen, hatten das Unternehmen in existenzielle Not gebracht. Indem die Gesellschafter einem von Geschäftsführerin Karin Hildebrand in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat entwickelten Sanierungskonzept ihre Zustimmung gaben, konnte die drohende Insolvenz abgewendet werden.

Demnach haben sich die Anteilseigner verpflichtet, so lange auf Gewinnausschüttungen zu verzichten, bis eine Rücklage von 2Mio. € aufgebaut ist, die der Instandhaltung der historischen Dampfschiffe dienen und daher dauerhaft erhalten werden soll. Zusätzlich ist geplant, der Gesellschaft weitere 2Mio. € an Eigenkapital für die Überbrückung künftiger Niedrigwasserperioden zuzuführen.

Auf Grund dieser Beschlüsse hatte sich die Sächsische Aufbaubank bereiterklärt, eine gewährte Rettungsbeihilfe über 800.000 €, die bis Mitte September 2019 zur Rückzahlung fällig gewesen wäre, in eine langfristige Umstrukturierungsbeihilfe in Höhe von 2Mio. € umzuwandeln. Weiterhin hatte die Ostsächsische Sparkasse Dresden die Verlängerung einer Kontokorrentlinie über 1,1Mio. € von der Entscheidung der Kommanditisten abhängig gemacht.

Neben diesen finanzwirtschaftlichen Maßnahmen wurde die Geschäftsführung beauftragt, das Unternehmenskonzept weiter zu entwickeln, um die Gesellschaft langfristig auf solide Füße zu stellen. Einen wesentlichen Beitrag hierzu soll der neue Fahrplan leisten, in den die Erfahrungen aus dem vergangenen Sommer eingeflossen sind. Um von den ständigen Änderungen der Pegelstände unabhängig zu sein, hatte die Firmenleitung zum 1. August 2019 einen Sonderfahrplan in Kraft gesetzt, der dank längerer Fahrzeiten und einer Anpassung von Linien in der Sächsischen Schweiz unter allen Umständen bedient werden konnte. Die täglichen Entscheidungen darüber, welche Fahrten stattfinden können und welche nicht, konnten daraufhin entfallen und boten Fahrgästen und Angestellten gleichermaßen Planungssicherheit. Im Ergebnis beförderte die SDS im zurückliegenden Sommer mehr Passagiere als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, das Minus im Jahresabschluss dürfte daher niedriger als vor Jahresfrist ausfallen.

Neuer Fahrplan tritt in Kraft

Der Fahrplan für 2020 beinhaltet eine neue Taktung der beliebten Schlösserfahrten von Dresden bis zum Schloss Pillnitz sowie verlängerte Fahrzeiten auf der Sächsischen Weinstraße. Sehr dankbar werden die Touristen in der Wachstumsregion des Elbsandsteingebirges sein, dass nunmehr von Frühjahr bis Herbst wieder ein Dampfer zwischen Dresden und Königstein verkehrt und in der Sommersaison ein zusätzlicher Umstieg nach Bad Schandau mit Rückfahrt zumindest bis Pirna gewährleistet wird. Einen positiven Effekt erwartet die Gesellschaft auch von den Stadtfahrten bis zum Blauen Wunder, die nunmehr täglich von März bis zum Januar des Folgejahres angeboten werden.

Davon abgesehen hat die Firmenleitung beschlossen, die Preise für die Linienfahrten zu erhöhen. Für die zahlreichen Stammgäste bieten sich auch weiterhin die Jahreskarten an, während insbesondere Urlauber dank der Kombitickets eine Schiffstour gut mit einer Bahnfahrt und weiteren touristischen Leistungen verbinden können.

Ohnehin schauen Geschäftsführung und Verwaltungsrat bereits seit Längerem über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus. Mit der Integration der Bordgastronomie in der Tochtergesellschaft ElbeZeit, einhergehend mit zunehmenden Aktivitäten an Land, sowie dem Erwerb der Personaldienstleistungsagentur CrashIce fühlt sich die Unternehmensgruppe gut aufgestellt. Und dies nicht nur im Hinblick auf die Niedrigwasserproblematik. Auch auf die wachsenden Herausforderungen im Personalbereich möchte man auf diese Weise immer wieder Antworten finden.

Dass der Markenkern der neun historischen Schaufelraddampfer ungeachtet aller Entwicklungen im Umfeld auch in Zukunft weithin ausstrahlt, liegt vielen Menschen am Herzen. Dies hat die Krise im vergangenen Jahr eindrucksvoll gezeigt. Ob sich ein neuer Förderverein gründete, die Idee zum Erhalt der Schiffe in einer staatlichen Gesellschaft die Runde machte oder sich wieder Vorschläge mehren, die Elbe als Binnenwasserstraße auszubauen: Die Dresdener und viele Gleichgesinnte aus Nah und Fern möchten die lange Historie ihrer Dampfer für ihre Nachfahren bewahren.

So auch die Mitglieder der Fachgruppe Elbeschiffahrt Dresden im Landesverein Sächsischer Heimatschutz, die einst den von der Verschrottung bedrohten Kohledampfer »Diesbar« retteten und heute die SDS in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und Traditionspflege sowie in der Organisation von Veranstaltungsfahrten unterstützen. Ihr Vorsitzender Lars Funke sieht in einem Bau von Staustufen in Verbindung mit Wasserkraftwerken nicht nur eine dauerhafte Zukunft für den Betrieb der Ausflugsdampfer, sondern auch ein Signal für die Förderung der Frachtschifffahrt und den Umweltschutz, Argumente, die in Zeiten des Klimawandels, der Energiewende und der immensen Belastungen im Straßenverkehr eine neue Bedeutung erlangen könnten.


Michael Hillmann

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