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Durchschnittlich zehn Schiffe wurden auf der Werft Malz jährlich neu motorisiert. Für weitere Projekte fehlen derzeit allerdings geeignete Aggregate, weil die Hersteller nicht liefern können. So rücken andere Arbeiten und Modernisierungen in den Fokus

Ralf Loerke, Geschäftsführer der Werft Malz, blickt verhalten optimistisch auf das gerade begonnene Jahr voraus. Die Bilanz sei zufriedenstellend, sodass man mit positiven Ergebnissen in das neue Jahr gehe. Die mecklenburgischen Fahrgastschiffe, die die Werft Malz auf die neue Saison vorbereitet, seien wegen der gesperrten Schleuse Zaaren bis auf eins, das den langen Umweg über die Elbe-Müritz-Wasserstraße, die Elbe, und das Kanalsystem wegen der hohen Kosten vermeiden wollte, in der kurzen Öffnungszeit im November bei der Werft angekommen.

Weiter spricht Loerke ein Problem an, dass alle Werften gleichermaßen betrifft, die neue Schiffe fertigen: Die EU habe die Abgasnormen so verschärft, dass die Motorenhersteller die dafür neuen Maschinen noch gar nicht herstellen könnten. »Wie wir hörten, soll Volvo 2020 Motoren liefern können, die den neuen Abgasnormen der EU entsprechen würden«, so Loerke.

»Alle Motoren, die wir 2018 für 2019 bereits bevorratet hatten, sind auch verbaut worden, was heißt, dass wir im Durchschnitt jährlich zehn Schiffe mit Neumotorisierungen ausgeliefert haben, unabhängig davon, ob mit einem oder zwei Motoren, je nach Typ eben«, erläutert der Werftchef, dessen Betrieb sich in der Einfahrt des Malzer Kanals befindet, der hier aus dem Oder-Havel-Kanal abzweigt.

Dann listet Loerke einige Schiffe auf, die im vergangenen Jahr repariert oder modernisiert wurden: Exemplarisch sei hier der Schwimmgreifer »SG 3717« der Firma Streicher aus Erfurt genannt, der durch die werfteigene Tischlerei einen völlig neuen Innenausbau und durch die Firma Mohrs & Hoppe eine komplette Neuelektrifizierung erhielt.

Darüber hinaus ließ das Wasserstraßen-und Schifffahrtsamt (WSA) Meppen bei der Werft Malz den Bug seines Arbeitsschiffes »Haaren« verbreitern, um Platz für zwei neue Winden zu schaffen. Zusätzlich wurde eine neue Reling aus Edelstahl angebaut. Ferner hat das WSA Brandenburg die Iveco-Hauptmaschine seines Motorschleppers »Otter« bei einer Landrevision komplett überholen und das WSA Berlin sein Schubboot »Uhu« mit einer neuen Hauptmaschine von Volvo Penta sowie mit einem neuen Ruderpropeller ausrüsten lassen.

Auch gegenwärtig sind die Auftragsbücher gut gefüllt: Ein auf der Verfahranlage liegendes 22er Schubschiff der Reederei Lindecke, das noch als Bugsierer in der DDR gebaut worden war, erhalte die letzte neue Hauptmaschine, die noch vorrätig sei, und einen neuen Schiffsboden, erläutert Loerke. Einen neuen Innenausbau bekommt auch die »WSP 11« der Berliner Wasserschutzpolizei. Zusätzlich erhält das Schiff eine vollständige Neukonservierung durch die Malerfirma Hilmar Bergmann, die sich an der Werft niedergelassen hat. Die werfteigene Tischlerei leistet auch beim Schubschlepper »Eisenhüttenstadt-West« des WSA Berlin den neuen Innenausbau.

Der Wasser- und Bodenverband Fehrbellin lasse gerade einen Geräteträger mit zwei neuen Schwimmern ausrüsten, er werde im Januar ausgeliefert, führt der Werftchef weiter aus.

Ebenfalls vom WSA Berlin liegt der Eisbrecher »Seeotter« in der Schiffbauhalle. Neben kleineren schiffbaulichen Arbeiten steht hier eine Umstellung der Umsteueranlage auf Pneumatik an. Dies sei für solche älteren Einheiten eine sehr aufwändige Arbeit, sagt Loerke.

Neben dem Eisbrecher »Seeotter« liegt in der Schiffbauhalle das Schubboot »Biber«, ebenfalls vom WSA Berlin, das seine Landrevision habe und etliche schiffbauliche Arbeiten ausführen lasse. Und ein Bereisungsboot des WSA Berlin erhalte neue Überwasseraufbauten aus Aliminium sowie den entsprechenden Ausbau der Kajüte, beschreibt Loerke weitere aktuell anstehende Arbeiten. Als einziges Fahrgastschiff habe die »Diana« der Weißen Flotte Müritz den Weg von der Müritz bis nach Malz gefunden. Es habe hier Landrevision, bei der die üblichen Arbeiten ausgeführt würden, um für die kommende Saison gerüstet zu sein. »Also«, sagt Loerke abschließend, »wir haben immer viel zu tun und stellen unsere Kunden zufrieden. Wir haben Vollbeschäftigung, bilden aus und schaffen uns damit den Nachwuchs für die Zukunft. Wir teilen auch die EU-Bemühungen zur schadstofffreien Umrüstung der Schiffe auf klimafreundlichere Antriebssysteme.« Man müsse den Motorenherstellern aber auch die Zeit geben, ihre Produktion auf die neuen Bedingungen umstellen zu können. Andernfalls schade das am Ende ihnen selbst und auch den Werftbetrieben.

Fahrbare Luxuswohnschiffe

Die großflächige Anlage der Werft erlaubt es auch, dem Schiffbau verwandte Gewerke anzusiedeln. So haben der Malerbetrieb von Hilmar Bergmann und die Firma Mohrs & Hoppe hier eigene Büros sowie Werk- und Lagerräume. Mit der Berliner Firma »rev-house living spaces GmbH« hat die Werft zudem einen Anbieter, der Luxus-Hausboote für betuchte Kunden fertigt. Sie werden in einem Stellbereich vor der Schiffbauhalle neben den Gleisen der Verfahranlage in einem wetterfesten Zelt gefertigt. Im Bau sind immer drei Schiffe, eins im Zelt als Kasko aus einer Stettiner Werft zur Konservierung, eins auf der Verfahranlage zum Aufbau der Decksaufbauten und das dritte im Wasser für den Innenausbau, den Einbau der Technik, also Elektrik und Elektronik, Maschinentechnik und Antrieb. Die Werft ist für die technische Ausrüstung zuständig, für die Konservierung Hilmer Bergmann und Elektrik und Elektronik.

Historie zu Malz und der Werft

Am 23. Oktober 1719 gab der damalige König in Preußen, Friedrich-Wilhelm I., einen Erlass heraus, der nicht unwesentlich zur Entwicklung der Binnenschifffahrt in Preußen beigetragen haben soll. Besonders zur Versorgung Berlins gab es zu wenig Schiffsraum, um ausreichend Güter und Baumaterialien dort hin zu bringen, weshalb er Fördermittel bereitstellte. Sein Sohn Friedrich II., der Große, errichtete den zweiten Finowkanal im Bett des ersten, der im 30-jährigen Krieg so verwachsen und verlandet war, dass ihn die Projektanten erst bei der Trassensuche wiederfanden. Nach der Fertigstellung 1746, entwickelte sich die Schifffahrt so rasant, dass sie ab Liebenwalde Richtung Berlin auf der sogenannten Schnellen Havel nicht mehr beherrschbar war und der Malzer Kanal von 1827 bis 1828 gebaut wurde. Weil auch Schiffbauereien notwendig wurden, entstand oberhalb der Malzer Schleuse eine solche mit zwei hölzernen Docks, auch Kistendocks genannt. Die Schiffe fuhren im Oberwasser der Schleuse in die Docks. Während das Wasser in die Untere Haltung entwässert wurde, konnte man im trockenen Dock Reparaturen ausführen. Neu gebaut wurden Schiffe auf einer Helling, die 1960 von der Deutschen Binnenreederei auf fünf Lagen für Schiffe bis 80m Länge ausgerichtet waren, erweitert wurde. An der Stelle der früheren Docks wurde in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre eine PC-gesteuerte Schiffaushub- und Schiffabsenk-Anlage mit einer hydraulischen Verfahranlage für 16 Schubschiffe errichtet, die auch Schiffe in und aus der Schiffbauhalle verfahren kann. Diese Technik hat bis heute einen störungsfreien Einmaligkeitsstaus.


Christian Knoll

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