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Die Zürichsee Seeschifffahrtsgesellschaft (ZSG) tauscht drei auf der Limmat eingesetzte Schiffe aus. An ihre Stelle treten Neubauten mit Elektroantrieb

Seit nunmehr 30 Jahren sind die Fahrgastschiffe »Felix«, »Regula«, und »Turicum« auf der Limmat im Einsatz, Teil des 140km langen Flusssystems Linth-Limmat in der Schweiz. Sie mündet in die Aare und ist deren zweitgrößter Nebenfluss.

Antriebsmotoren und Getriebe der drei Schiffe haben nun jedoch das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Da eine Ersatzteilbeschaffung nicht mehr gewährleistet und der Innenraum für Fahrgäste und Personal nicht mehr zeitgemäß sei, habe man sich für die Anschaffung dreier neuer Limmat-Boote entschieden, die ab 2023 in Betrieb gehen sollen, so die ZSG.

Batterien laden über Nacht

Die Schweizer setzen bei den Neubauten auf einen vollelektrischen Antrieb. Die Batterien sollen über Nacht aufgeladen und durch Ökostrom der Elektrizitätswerke Zürich gespeist werden. Eine Photovoltaikanlage auf dem ZSG-Gelände soll die Stromerzeugung zusätzlich unterstützen. Durch die Umstellung auf den umweltschonenderen Antrieb will der Betreiber nach eigenen Angaben jährlich über 100t CO2 einsparen.

Die Neubauten sollen Platz für je 62 Fahrgäste bieten, damit sind sie etwas größer als ihre Vorgänger, die 51 Passagiere an Bord nehmen können. Zudem sollen sie ganzjährig klimatisiert sein und mehr Fahrkomfort bieten. Bei den Bestandsschiffen kam es im Sommer bei Außentemperaturen von über 30 C nicht selten zu einer hohen Hitzeentwicklung im Inneren der Schiffe. Das führte dazu, dass der Betrieb an solchen Tagen eingestellt werden musste. Darüber hinaus sollen die neuen Einheiten rollstuhlgerecht sein und geringere Unterhalts- und Betriebskosten aufweisen.

Das genaue Design der neuen Fahrgastschffe ist noch nicht bekannt. Die ZSG hat aber bereits Vorstudien mit den genannten Anforderungen und zugehörigen Skizzen erstellen lassen. Die eigentliche Ausschreibung soll im Frühjahr erfolgen. Es gebe zwar Schweizer Schiffsbauwerften, die Elektroantriebe einbauten, denkbar seien aber auch Werften aus Deutschland oder den Niederlanden, die in Frage kämen, sagt Projektleiter Oliver Dali.

Da die Neubauten auf der schmalen Limmat wenden und zudem unter den tiefen Brücken hindurchpassen müssen, gibt es bei den Ausmaßen hingegen nur wenig Spielraum. Nach Aussage Dalis könnten die Schiffe aber ein klein wenig länger werden. Statt der bisherigen 19,30m wären bis zu 22,50m denkbar.

Änderungen im Fahrplan

In der Sommersaison 2019 waren nach ZGS-Angaben insgesamt mehr als 1.651.000 Fahrgäste auf dem Zürichsee unterwegs, 3% weniger als im Spitzensommer 2018, aber 2% mehr als im Fünf-Jahres-Schnitt. Den leichten Fahrgastrückgang erklärt ZSG-Geschäftsführer Roman Knecht mit dem regnerischen Frühjahr sowie der Neumotorisierung der »Panta Rhei« von Januar bis Juni.

Seit dem vergangenen Monat ist bei der ZSG der Fahrplan 2020/21 in Kraft, bei dem Zeiten und Routenverläufe angepasst worden sind. Es sei die größte Fahrplanänderung sei 1997, sagen die Schweizer.

Da die zunehmend milden Winter immer mehr Fahrgäste auf den See locken, wurde das Angebot während der Wintersaison weiterentwickelt und ausgebaut. Von April bis Oktober können Gäste künftig Zürichs Highlights auf der 55-minütigen Mini Seerundfahrt erleben. Eine neue Audio Guide-App informiert Reisende über Sehenswürdigkeiten und Hintergrundwissen rund um die Strecke. An Bord der »Forch« und »Zimmerberg« steht den Fahrgästen nun öffentliches WLAN zur Verfügung.

Nostalgie-Fans wird derweil ein besonderes Dampfschiff-Erlebnis geboten: Jeden Sonntag im Juli und August sollen die »Stadt Rapperswil« die »Stadt Zürich« im Doppelpack zwischen Zürich und Rapperswil verkehren.

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