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Der Hamburger Hafen hat seine Stellung als größter Eisenbahnhafen Europas erneut unter Beweis gestellt. Der Transport von Containern über die Schiene legte 2019 zweistellig zu und erreichte einen neuen Bestwert.

Insgesamt sind im Hamburger Hafen im vergangenen Jahr 9,3 Mio. TEU über die Kaikanten gegangen. Gegenüber 2018 entspricht das einer Steigerung um 6,1 %. Damit konnte Deutschlands größter Universalhafen erstmals seit fünf Jahren wieder mehr als 9 Mio. TEU umschlagen und zudem den Marktanteil ausbauen.

Das sei ein sehr gutes Ergebnis, sagte Axel Mattern, Vorstand von Hafen Hamburg Marketing (HHM), auf der Jahrespressekonferenz. Das Wachstum sei vor allem auf beladene Boxen zurückzuführen, deren Anteil um 7,1 % auf 8,2 Mio. TEU gestiegen sei.

Mit China, dem Haupthandelspartner im Containerumschlag, konnte der Warenaustausch um 1,7 % auf 2,6 Mio. TEU erhöht werden. Einen großen Sprung machten hier auch die USA. Aufgrund von vier zusätzlichen Transatlantik-Diensten mit einem Jahresvolumen von 500.000 TEU, die von Bremerhaven nach Hamburg verlegt wurden, hat sich Amerika zum zweitwichtigsten Partner entwickelt. Entsprechend legte der Güteraustausch hier um 314 % zu.

Der Handel mit Russland erlebte seit längerer Zeit wieder eine Steigerung (+14 %). Dies sei nicht zuletzt auf den Hafen Kaliningrad zurückzuführen, so Mattern. Dort kämen viele Waren per Zug aus China an, die per Seeschiff nach Hamburg weitertransportiert würden. All dies habe dazu beigetragen, dass Deutschlands größter Seehafen den Marktanteil um 1 % auf 23 % gesteigert habe.

Schienentransporte nach Österreich wachsen deutlich

5,8 Mio. TEU (+ 7,8 %) der in Hamburg umgeschlagenen Boxen werden ins Hinterland transportiert, die übrigen 3,4 Mio. TEU (+3,2 %) entfallen auf den Transhipmentverkehr. Bei den Containertransporten ins Hinterland über die Schiene hat Hamburg einen neuen Rekord verzeichnet. 2,7 Mio. TEU wurden auf die Weise befördert, 10,4 % mehr als im Vorjahr. Einer der wesentlichen Gründe dafür sei der steigende Warenaustausch mit Österreich. In die Alpenrepublik wurden insgesamt rund 299.000 TEU über den Schienenweg transportiert, ein Jahr zuvor waren es 242.000 TEU.

Noch immer nimmt der Lkw mit 51,3 % den größten Anteil im Modal Spilt beim Containerverkehr ein. Knapp dahinter liegt die Bahn (46,3 %), deren Anteil sich weiter erhöhen soll, wie Jens Meier betont, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority (HPA). Theoretisch gebe es die Möglichkeit, die Züge um 30 % zu verlängern. Es ginge auch darum, die Nord-Süd-Strecke weiter zu ertüchtigen, dies würde allen deutschen Häfen zugute kommen.

Kürzlich wurde im Hamburger Hafen im Bereich Walterhof ein Brückeneinhub vollzogen. Man habe die Anzahl der Gleise von zwei auf drei erhöht, erläuterte Meier. Mit der verbesserten Erreichbarkeit der Terminals Eurogate und Burchardkai schaffe man weitere Voraussetzungen, »dass der Hafen optimal und effizient funktioniert.«

Nach Auskunft von Wirtschaftssenator Michael Westhagemann war die Bahnanbindung auch einer der Hauptgründe, weshalb die Linienreederei Hapag-Lloyd den Vertrag mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) kürzlich verlängert hat. Unternehmen würden sich zunehmend nach dem ökologischen Fußabdruck erkundigen, so der Senator. Hier böte die Schiene für Hamburg einen deutlichen Vorteil.

Mehr Container über die Wasserstraße befördert

Das Binnenschiff (2,4 %) nimmt im Modal Split im Containerverkehr weiter eine untergeordnete Rolle ein, wenngleich die Zahl der über die Wasserstraße beförderten Boxen um 9,1 % auf 140.000 TEU angestiegen ist. Dies sei eine sehr erfreuliche Entwicklung, so Mattern.

Insgesamt wurden im Hamburger Hafen im vergangenen Jahr 136,6 Mio. t Güter umgeschlagen, 1,1% mehr als im Vorjahr. Der Großteil davon (97,5 Mio. t) wird ins Hinterland transportiert, der übrige Teil (39,1 Mio. t) im Transshipmentverkehr.

Beim Modal Split des gesamten Hinterlandverkehrs nimmt die Bahn mit knapp der Hälfte (49,4 %) der Transporte eine führende Rolle ein. Laut Meier wurde nicht nur die Auslastung der Züge erhöht, sondern auch deren Anzahl sowie die Zahl der Waggons. Rund 62.000 Güterzüge wurden gezählt mit rund 1,7 Mio. Waggons, deren Zahl somit um 3,6 % gestiegen sei, so Meier.

Es folgt der Lkw (41,4 %) vor dem Binnenschiff (9,2 %). Aufgrund fehlender Kohletransporte sei die Transportmenge hier jedoch um 9 % zurückgegangen, erläuterte Mattern.

In Bezug auf die Prognosen für das laufende Jahr hielten sich die Hamburger derweil bedeckt. Gerade aufgrund des Coronavirus werde es sicher Auswirkungen geben. In welchen Umfang hänge im Wesentlichen davon ab, wie lange insbesondere China davon noch betroffen sei. »Wir können zufrieden sein, wenn wir die Umschlagmengen halten können«, sagte Meier.

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