Elbehäfen trotzen den Widrigkeiten

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Die Oberelbe-Häfen SBO haben einen Umschlagrekord erzielt. Dank der trimodalen Anbindung konnten die Folgen des Niedrigwassers abgefedert werden. Daher wird

an allen Standorten weiter investiert

Anders als auf anderen deutschen Flüssen hat die Schifffahrt auf der Elbe auch im vergangenen Jahr stark unter dem Niedrigwasser gelitten. Wegen zu geringer Wasserstände wurde der Verkehr von Mai bis Oktober und somit für fünf volle Monate komplett eingestellt. Einer kurzen Entspannung der Lage folgte bis Ende Januar eine zweite lange Phase ohne Schiffe auf der Elbe.

In solchen Fällen ist Improvisation gefragt: »Es zahlt sich aus, dass bis auf Mühlberg im Süden Brandenburgs alle unsere Häfen trimodal angelegt sind und wir, wenn die Schifffahrt nicht möglich ist, auf Bahn oder Lkw umsteigen können«, sagt Heiko Loroff, Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO). Im Zweifelsfall habe die Bahn wegen ihrer besseren Umweltbilanz natürlich Vorrang.

Insgesamt sank der Güterumschlag per Binnenschiff in den Oberelbe-Häfen um 15% auf 129.000t. Zu den über die Wasserstraße transportierten Gütern gehörten Container, Getreide, Sojaschrot, Düngemittel, Schrott und Projektladungen.

Den widrigen Umständen zum Trotz blickt der Hafenverbund auf das bisher beste Umschlagergebnis seit 1990 und einen historischen Rekord zurück. Insgesamt wurden 3,06 Mio.t Güter an den fünf deutschen Standorten in Dresden, Riesa, Torgau, Mühlberg und Dessau-Roßlau sowie in Decin und Lovosice in Tschechien bewegt – das waren 16 % mehr als im Vorjahr und als jemals zuvor.

Dank den vielfältigen trimodalen Logistikangeboten konnte der Ausfall der Schifffahrt für die Anlieger und den Hafenbetreiber mehr als nur kompensiert werden. Auch wirtschaftlich war 2019 eines der besten Geschäftsjahre für die SBO.

»Wir schreiben weiter schwarze Zahlen«, betont Loroff. Wachstum soll es auch künftig geben, leichzeitg sollen die Häfen weiter zu Knotenpunkten für logistische Dienstleistungen ausgebaut werden. Ziel sei es daher, die Infrastruktur so zu entwickeln, dass nicht nur die logistischen Abläufe für Anlieger und Nutzer verbessert, sondern möglichst viele Gütertransporte weg von der Straße auf alternative Verkehrsträger verlagert werden könnten, sagt Loroff.

Rekordergebnis mit Containern

In den drei sächsischen Häfen Dresden, Riesa und Torgau wurde mit insgesamt 2,3 Mio t ebenfalls das das beste Ergebnis im Güterumschlag seit 1990 erzielt. Das entspricht einer Steigerung um fast 23% im Vergleich zum Vorjahr. Der niedrigwasserbedingte Rückgang im Schiffumschlag (-17,55%) konnte durch eine Verlagerung der Güter auf die Bahn (+17,66%)ausgeglichen werden.

Beim Containerumschlag im Hafen von Riesa konnte sogar zum dritten Mal in Folge ein Rekordergebnis vermeldet werden. 2019 wurden insgesamt 44.343TEU umgeschlagen, 802TEU (+1,84%) mehr als 2018.

Die Boxen werden, wenn die Elbe mit mindestens 120cm Tauchtiefe genügend Wasser führt, zweimal wöchentlich per Binnenschiff mit der Elbe-Container-Linie (ECL2000) transportiert. Dazu kommen fünfmal pro Woche Abfahrten mit der Ganzzugverbindung »AlbatrosExpress« der TFG Transfracht zwischen Riesa und Hamburg/Bremerhaven im Nachtsprung.

Die positive Entwicklung des Containerumschlages im Hafen Riesa sei vor allem auf dieses Angebot von ganzheitlichen logistischen Lösungen für die angesiedelten Unternehmen und Kunden zurückzuführen, heißt es. In der temperaturgeführten Container-Servicehalle würden zudem Leistungen »rund um den Container« angeboten. Das Portfolio reicht von Reparaturen, Reinigungen, die Be-/Entlabelung, den Sonderbau von Containern einschließlich Inlets bis hin zum Stauen der Boxen, der Kommissionierung sowie dem Handel und Verkauf.

Im Bahnumschlag konnte der Hafenverbund eine Steigerung von 13% erzielen. Mit insgesamt 911.600t transportierter Waren auf dem Schienenweg wurde auch in diesem Segment ein Rekordergebnis erreicht. Besonders die Häfen Dresden (+49%), Riesa (+6,4%), Decin (+32,6%) und Lovosice (+31,9%) konnten hier kräftig zulegen. Per Bahn wurden vor allem Container, Schrott, Düngemittel, Getreide und Sojaschrot befördert.

Neue Lagerhalle in Lovosice

Im Hafen Lovosice wurde mit der Inbetriebnahme einer neuen Lagerhalle für landwirtschaftliche Güter ein wichtiger Grundstein für die weitere Entwicklung an diesem Standort gelegt. Die Anlage sei seit dem ersten Tag zu 100% ausgelastet und trage somit zur Stärkung des Standortes und der positiven Entwicklung der tschechischen Häfen bei, heißt es.

Die Häfen Dresden und Lovosice hätten sich bereits seit mehreren Jahren als hervorragende Dienstleistungsstandorte für den Umschlag von Projektladungen etabliert. Das monatelange Elbe-Niedrigwasser habe besonders den Hafen Dresden stark getroffen. Insgesamt wurden nur noch rund 5.000t an Projektladung umgeschlagen (-9%). Davon seien nur etwa 2.400t noch per Binnenschiff transportiert worden.

Investitionen werden fortgesetzt

Loroff hob hervor, dass auch in diesem Jahr weiter in die Hafeninfrastruktur und in logistische Lösungen investiert werde. Schwerpunkt sind die Häfen Roßlau und Riesa. In Roßlau werde die neue Spundwand gesetzt und die neue Gleisführung zum Hafen fertiggestellt.

Weitere Investitionen in die tschechisch-sächsischen Häfen, vor allem in den Bau des KV-Terminals in Riesa, stehen noch aus. Nach Angaben des SBO-Chefs seien in Riesa nun alle Umweltauflagen erfüllt. Das Planfeststellungsverfahren werde in diesem Jahr hoffentlich abgeschlossen, so dass anschließend die Arbeiten an den Gleisanlagen und den neuen Kranbahnen starten könnten.

Alles Geld aus der Landeskasse sei gut angelegt. Denn daraus resultierten steigende Umschlag- und Logistikleistungen im gesamten Hafenverbund, so Loroff. Ähnliche Fördermechanismen wie in Deutschland gebe es in Tschechien nicht. Hier muss die SP ( esko-saské p ístavy s.r.o.), die seit 2002 bestehende 100%-ige Tochtergesellschaft der SBO, alle Investitionen aus Eigenmitteln finanzieren oder durch Kredite absichern. Da sich aber auch die Häfen in Decin und Lovosice positiv entwickelten, werde auch im Nachbarland weiter investiert, kündigte Loroff an.


Christian Knoll

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