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Seit 100 Jahren ist das Logistikunternehmen in Duisburg aktiv. Die Gründung reicht noch einige Jahre weiter zurück. Als trimodaler Anbieter am Markt erfolgreich, wird der Stammsitz Duisburg im Jubiläumsjahr weiter ausgebaut

Die in den Anfängen auf Gütertransporte mit Binnenschiffen spezialisierte Reederei, die am 5. Januar 1920 in Duisburg-Ruhrort ins Handelsregister eingetragen worde, bietet heute ein sehr viel größeres Portfolio an maritimen Dienstleistungen an. Neben der Binnenschifffahrt ist Haeger & Schmidt Logistics auch in den Bereichen Intermodal, Shortsea, Häfen und Projetladung unterwegs. Das seit 2013 zur österreichischen Felbermayr-Gruppe gehörende Unternehmen ist mit rund 200 Mitarbeitern europaweit an elf Standorten aktiv und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr 175 Mio. €.

Gründung 1887 in Antwerpen

Die Geschichte von Haeger & Schmidt reicht zurück bis ins Jahr 1887. Damals gründeten die beiden Namensgeber Robert Haeger und Carl Schmidt, zwei deutsche Kaufleute, in der belgischen Hafenstadt Antwerpen ihre Spedition. Geschäftszweck waren Spedition, Schifffahrt, Frachtgeschäfte aller Art, An- und Verkauf von Schiffen sowie der Handel auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen. Der 1. Weltkrieg beendete das florierende Geschäft und führte 1920 zur Neugründung in Duisburg. Die Rheinischen Stahlwerke AG wurden einer der großen Kunden, Stahltransporte in die Seehäfen zum wichtigsten Standbein.

Aufgrund der wirtschaftlichen Notlage gründeten 1926 verschiedene Produzenten die Vereinigten Stahlwerke AG. Haeger & Schmidt kam unter das Dach des prosperierenden Kohlehandelsunternehmens Raab Karcher in Karlsruhe. Abgesehen von der August-Thyssen-Hütte und der Niederrheinischen Hütte erhielt Haeger & Schmidt den bedeutendsten Teil des Speditions-und Transportgeschäftes, wuchs kräftig und bezog das Duisburger »Tausend-Fenster-Haus« als neuen Firmensitz. 1939 wurden bereits 2 Mio. t transportiert und weitere Geschäftsstellen eröffnet.

Nach dem 2. Weltkrieg war ein weiterer Neustart erforderlich. Als die britische Besatzungsmacht die Befrachtungshoheit an Deutschland zurückübertrug, musste sich Haeger & Schmidt gegen die längst präsenten belgischen Spediteure behaupten. Grundlage dafür wurden »exklusive« Transporte für die August-Thyssen-Hütte (ATH) nach Antwerpen ab 1954.

Neben den Binnenschifffahrtgeschäften kamen dann andere Transportaktivitäten ins Spiel, wie die 1962 gegründete Lkw-Spedition Rheinkraft. Im Oktober 1967 kaufte ATH die Schubflotte von Raab Karcher und übertrug alle Schiffstransporte ausschließlich an Haeger & Schmidt.

Ab 1967 gehörte das Unternehmen aufgrund der von Raab Karcher übernommenen Erz-Schubflotte zu den größeren Reedereien auf dem Rhein. Dabei war Haeger & Schmidt nicht nur eine Werksreederei, sondern betrieb eine eigenständige, konzernübergreifende Frachtakquise. Jährlich wurden rund 12,5 Mio. t Ladung befördert. Davon stammten rund 70 % aus Fremdgeschäften, während von ATH die verbliebenen 30 % kamen.

1969 wurde die Niederlassung in Andernach eröffnet, die anfangs vor allem für alle wasserseitigen Transporte des zu Thyssen gehörenden Weißblechproduzenten Rasselstein tätig war. In enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Andernach als Hafenbetreiber erfolgte seither die Entwicklung moderner logistischer Konzepte mit Binnen- und Fluss-See-Schiffen, Bahn und Lkw für die regionale Wirtschaft.

Im Lauf der Jahre ging die Schubflotte aus konzernpolitischen Gründen mit jedem Neubau sukzessive auf die niederländische Thyssen-Tochter Veerhaven über. Das kaufmännische und fahrende Personal verblieb bis 1998 bei Haeger & Schmidt, wo auch die Flotte in Duisburg weiter betreut wurde.

1978, gut zehn Jahre später, strukturierte Thyssen seine Verkehrsgesellschaften neu und schmiedete unter dem Dach von Haeger & Schmidt eine Vielzahl von Gesellschaften mit eigenständigen und bekannten Namen. Damals waren 2.000 Mitarbeiter in 95 Betriebsstätten beschäftigt. Auf den Straßen fuhren unter anderem bei der Rheinkraft Spedition 600 eigene Lkw. In der Zentrale in Duisburg-Ruhrort wurden insgesamt 250.000 t Binnenschiffsraum disponiert, davon 150.000 t an eigenem und längerfristig gechartertem Schiffsraum sowie rund 100.000 t an Kapazität auf Partikulierschiffen. Insgesamt wurden gut 10 Mio. t jährlich transportiert. 1982 begann Heiko Brückner, der heutige Geschäftsführer, seine Ausbildung zum Speditionskaufmann im Unternehmen.

Das heutige Unternehmenskonzept, komplette Transportketten abzuwickeln, wurde schon damals erkennbar. So beteiligte sich Haeger & Schmidt 1983 an der DeCeTe (Duisburger Container-Terminal) auf der Stahlinsel in Duisburg mit 7 % und an der 1986 gegründeten ICG (Inland Containerterminals Germersheim) mit 10 % und zählte somit zu den Pionieren des Containerverkehrs in Deutschland.

In den 1980er Jahren kamen außerdem Shortsea- und Containerverkehre hinzu, wofür im Unternehmen neue Bereiche aufgebaut wurden und an deren Entwicklung der heutige Unternehmenschef Heiko Brückner ab 1996 als Prokurist federführend mitwirkte. Ab 1990 bündelte der Konzern seine Binnenschifffahrtsaktivitäten in der Haeger & Schmidt GmbH als 100-prozentiger Tochter der Thyssen Haniel Logistic mit damals noch neun eigenen Binnenschiffen. Ab 1990 fasste der Thyssen-Konzern seine Binnenschifffahrtsaktivitäten bei Haeger & Schmidt als 100%-iger Tochter der Thyssen Haniel Logistic (THL) zusammen.

1994 erfolgte die Liberalisierung der nationalen Binnenschifffahrtsmärkte mit teilweise drastischen Änderungen der Transportmärkte. In der Folge trennte sich die Thyssen AG vier Jahre später von der Transportsparte und verkaufte sie an die SNCB Logistics, die Gütertransportsparte der belgischen Bahn SNCB. Diese bündelte ihre Güterverkehrsgesellschaften zunächst in der ABX Logistics, ab 2008 in der neu gegründeten Tochter Xpedys.

Zur Stahllogistik kamen für Haeger & Schmidt mit der Akquisition intermodaler Transportketten immer mehr Containerverkehre und neue Standorte in Basel und Thionville hinzu. 1998 begannen die Verladungen in Andernach, der Container Terminal (CSA) wurde im Jahr 2000 eröffnet. Im gleichen Jahr wurde in Stettin die BEST Logistics gegründet, um die Aktivitäten in Polen und im Schwergutverkehr zu stärken. Danach erfolgte die Vergrößerung des Hafenbeckens in Andernach und 2010 der Start von Linienzugverbindungen vom Rhein nach Antwerpen. Der Containerumschlag stieg von 10.158 TEU im Jahr 2000 auf 160.000 TEU im Rekordjahr 2019.

Ende 2001 wurde Wolfgang Lepak als Nachfolger von Heinz Iffland Geschäftsführer der Haeger & Schmidt, Hans-Wilhelm Schürings ging als langjähriger Vorsitzender der Geschäftsführung 2002 in den Ruhestand.

2006 kam die H&S Container Line

Um die Intermodalaktivitäten noch gezielter entwickeln, erfolgte zum 1. Januar 2006 die Gründung der H&S Container Line (HSCL), deren Geschäftsführung Heiko Brückner übernahm. Die Reederei- und Speditionsaktivitäten verblieben in der Schwestergesellschaft Haeger & Schmidt International. Seit 1992 existiert die Container Fahrgemeinschaft Niederrhein mit den heutigen Partnern Contargo Waterway Logistics, European Gateway Services (EGS) und HSL.

Ursprünglich nur am Niederrhein und Andernach aktiv, wurden weitere Standorte in Straßburg und Ottmarsheim eröffnet und eine Beteiligung am Euro Terminal Kehl (ETK) erworben. Gemeinsam mit dem Partner Klumpp + Müller bietet Haeger & Schmidt dort seither ein komplettes Dienstleistungsportfolio rund um die Containerlogistik an. In den Jahren 2003/2004 wurde die Shortsea-Flotte für den regelmäßigen Verkehr zwischen der Ruhr und Großbritannien durch drei Neubauten ergänzt, die bis heute im Einsatz sind.

Die Jahre 2008/2009 wurden zu einer weiteren Zäsur. In Duisburg wurde das Hafenbecken Nordhafen zugeschüttet. Das Stahl-Terminal verlor damit den wasserseitigen Umschlag auf der Nordseite. 2011 wurde ein Umsatz von 61 Mio. € erzielt, Stahl trug zu 40% dazu bei, daneben wurden Papier, Getreide, Baustoffe und Kohle verladen und transportiert. Die Binnenschifffahrt stellte mit mehr als 200 Schiffen und rund 50% des Umsatzes das wichtigste Geschäftsfeld dar.

Verkauf an Felbermayr

Im Frühjahr 2012 übernahm Heiko Brückner als Nachfolger von Wolfgang Lepak die Geschäftsführung der Haeger & Schmidt International, in Personalunion blieb er an der Spitze der H&S Container Line. Ein Jahr später verkaufte der bisherige Eigner SNCB die erfolgreichen Tochterunternehmen H&S Container Line GmbH, Haeger & Schmidt International GmbH sowie eine Mehrheitsbeteiligung an dem belgischen Seehafenspediteur RKE NV in Antwerpen an die österreichische Felbermayr Gruppe aus Wels.

Brückner, der als CEO neben Per Nyström (CFO) und Peter Stöttinger die Geschäftsführung der maritimen Sparte innerhalb Felbermayr-Gruppe übernahm, bezeichnet die Jahre unter dem belgischen Eigentümer im Rückblick wegen mangelnden Investitionen und ständiger Umstrukturierungen als »wenig förderlich« für die Entwicklung des Unternehmens. Das änderte sich in den neuen Strukturen.

Bei der H&S Container Line werden Containertransporte inklusive Nachlauf angeboten, dazu kommen Container-Ganzzüge von den Seehäfen entlang der Rheinschiene ins Hinterland. Ergänzend dazu gibt es die Befrachtung von Binnenschiffen, die Seehafenspedition mit dem Standort in Hamburg sowie die Shortsea-Verkehre.

Zu einer Erfolgsgeschichte wurde das im Oktober 2014 gegründete Joint Venture HSW Logistics mit dem norwegischen Unternehmen Wilson ASA. Von Duisburg aus wird eine speziellen Flotte von sechs fest eingecharterten Shortsea-Schiffen mit Kapazitäten von 1.700 t bis 2.750 t entlang der Rheinschiene in direkten Linienverkehren nach Großbritannien disponiert. Außerdem besteht Zugriff auf die rund 120 Shortsea- und See-Fluss-Schiffe der Norweger mit Kapazitäten von 1.500 t bis 8.500 t. HSW ist damit einer der führenden Anbieter von Rhein-See-Verkehren.

Mitte 2016 wurde eine neue Oberrhein Fahrgemeinschaft (C3C) gegründet – gemeinsam mit den Partnern Danser Container Line und Ultra-Brag. Mit zehn Schiffseinheiten bedient C3C den Oberrhein. HSL konzentriert sich aber nicht nur auf Container-Liniendienste mit Binnenschiffen. Es werden Bahnlinien-Dienste ab Oberrhein zu den Seehäfen angeboten. Seit 2015 gibt es den »Alsace Rotterdam Express« ab Kehl, der gemeinsam mit EGS angeboten wird und sich als Alternative bei starkem Niedrigwasser bewährt hat. Die bestehende Zugverbindung ab dem Rheinhafen Andernach wurde im Dezember 2018 um eine weitere Abfahrt ergänzt.

2017 wurde die Unternehmensgruppe neu aufgestellt und firmiert seither unter Haeger & Schmidt Logistics (HSL). Die zuvor eigenständig geführten Containeraktivitäten wurden dabei wieder integriert. »Damit spiegeln wir die Vernetzung unserer Kernkompetenzen wider«, sagt Heiko Brückner. Aus RKE NV in Antwerpen wurde Haeger & Schmidt Logistics Belgium NV (HSLB).

HSL zählt mit zwei modernen Trockenumschlaghallen (8.000 m2) sowie 13.500 m2 an offenen Lager- und Umschlagflächen zu den bedeutendsten Dienstleistern für die Stahlindustrie in Duisburg. Am Hafenbecken in Ruhrort mit 900 m Gleislänge werden jährlich mehr als 750.000 t Stahlprodukte umgeschlagen und weltweit zum Versand gebracht. Dazu kommen monatlich mehr als 1.000 Container, die zumeist über das benachbarte Containerterminal DeCeTe per Binnenschiff auf die Reise gehen.

Spezialtransporte in Frankreich

Bei Projektladungen findet eine enge Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft Felbermayr statt. Schwerlast-Transporte auf den französischen Wasserstraßen stoßen angesichts der schmalen Wasserstraßen mit Freycinet-Maß (Schiffsabmessungen von 39 m x 5 m) schnell an Grenzen. Als Alternative bleibt oft nur der Seeweg über den Atlantik und Gibraltar nach Südfrankreich.

Daher gab HSL 2018 den selbstfahrenden Schwergutleichter »Foridudo« in Auftrag, der gemeinsam von Felbermayr und HSL disponiert wird. Er verfügt über einen verstärkten Laderaum und ist in hochfestem Stahl ausgeführt. Bei einer lichten Laderaumweite von 4,66 m bei einer Laderaumlänge von 25 m liegt die maximale Tragfähigkeit bei 410 t.

Investition in Duisburg

Im Jubiläumsjahr 2020 setzt HSL mit einer der größten Investitionen in der Unternehmensgeschichte und dem Ausbau der Stahlinsel zum multifunktionalen Hub in Duisburg erneut Zeichen. Durch eine Erweiterung des Geländes um 7.500 m2, die für ein neues Bürogebäude und einen neuen Lkw-Hof genutzt werden, wird die Gesamtfläche der Stahlinsel auf 29.000 m2 aufgestockt.

Ein Teil der offenen Lager- und Umschlagsflächen wird für den Bau einer neuen 9.180 m2 großen beheizbaren Halle mit den Abmessungen 219 m × 43,40 m genutzt, die zwei 40 t Kräne erhält und mit zwei Halbzuggleisen und Lkw befahrbar ist. Die Anbindung an benachbarte Hallen und das Hafenbecken erfolgt über Mafi-Trailer und Zugmaschinen. »Mit einer Monatskapazität von 60.000 t schaffen wir ein modernes Servicecenter mit dem Fokus auf die Stahlindustrie«, sagt Heiko Brückner.

Neben dem Stuffing und Stripping von Containern werden weitere Value-Added-Dienstleistungen wie das Kommissionieren und Anarbeiten von Stahlprodukten und das Handling konventioneller Ladung angeboten. Das neue Stahl-Hub ist trimodal durch Shortsea- und Binnenschiffe, Bahn und Lkw angebunden, was jederzeit leistungsfähige Transportalternativen bietet. Planung und Baudurchführung liegen den Händen von duisport, die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2021 geplant.

»Damit verbessern wir die Leistungsqualität unseres Terminals im Duisburger Hafen noch einmal deutlich«, so Brückner. Er hat den Kurs für die kommenden Jahre längst gesetzt: »Haeger & Schmidt Logistics steht für experience, innovation und partnership.«


Krischan Förster

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