Print Friendly, PDF & Email

Die Modernisierung der Binnenschiff-Flotte geht unaufhörlich weiter. Trotz künftig wegfallenden Kohletransporten und dem zu erwartendem Rückgang im Stahlbereich kommen weitere Neubauten auf den Markt, mit mehr oder weniger innovativen Details

Die Reederei Reich aus Lauenburg beginnt, nach dem Jubiläumsjahr 2019 mit drei Schiffsneubauten, auch dieses Jahr mit einem Zuwachs. Ende Januar lief der Tanker-Neubau »Heidi Reich« aus der Sunrise-Serie zum ersten Mal aus, zur Probefahrt auf den Dollart. Mit zwei Volvo-Motoren (D13MH) ausgestattet, bestätigte sich die Qualität, die Markus Reich von der GSYard in Waterhuizen kennt.

Das ist auch den vielen Partnern der Werft zu verdanken, die bei der »Heidi Reich« ihr Gewerk lieferten. Ob das Wendegetriebe von Reintjes, die Ruder mit Bedienpanel und hydraulischen Aggregaten von Damen Marine Components, oder die in Optima-Düsen montierten zwei 1.400mm messenden Vierblatt-Propeller von Promarin. Die Teams sind eingespielt. Zu den bewährten Partnern gehört auch Kadlec & Brödlin. Von K&B wurden die elektrische und elektronische Ausrüstung inklusive der Steuerungs- und Automatisierungstechnik sowie das Tankmess- und Alarmierungssystem mit der dazugehörigen Visualisierung und die Navigations- und Kommunikationseinrichtungen projektiert, geliefert und installiert. Das Steuerhaus des 85 x 9,50m großen Tankers kommt von van Wijk Stuurhuizen, die Hubhydraulik wie der 14m Autokran von der van Wijk Machinefabriek.

»Sendo Mare«

Mit innovativen Elementen ist das nun auch das zweite Schiff aus der Sendo-Linie unterwegs. Der »Sendo Mare« getaufte XL-Liner ist mit 122m auf 14,20m deutlich länger als die »normale« Schwester. Für den elektrischen Antrieb sind von Koedood Dieselservice zwei Mitsubishi S6R-603 kWe Gensets an Bord montiert. Gebaut wurde das XL-Schiff bei Concordia Damen Shipbuilding. Für die hybride Antriebstechnik zeichnet Hybrid Ship Propulsion verantwortlich. Die »Sendo Mare« ist auf die Nachrüstung mit ausreichenden Akkupacks vorbereitet. Eingesetzt wird der Containerfrachter für CTVrede zwischen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen. Abhängig von der machbaren Durchfahrtshöhe kann die er 233 TEU (dreilagig), 313 TEU (vierlagig) oder 393 TEU (fünflagig) aufnehmen. Ein zweites baugleiches Schiff soll ebenfalls in Kürze abgeliefert werden.

Frachter »Hosta« für THG

Einen neuen Trockenfrachter hat auch die THG in Marktheidenfeld übernommen. Gebaut auf der GSYard in Groningen hat das Schiff nach der Taufe im Oktober 2019 kürzlich nun die Probefahrt erfolgreich absolviert. Der 110m auf 11,40 m große Frachter wird von zwei Volvo D13-Motoren mit je 551kW Leistung angetrieben. Das Ladevermögen der »Hosta« beträgt 2.924t. Für ausreichend Vortrieb sorgen zwei 1.550mm messende Fünfblatt-Schrauben von Promarin, die in einer Optima-Düse arbeiten. Die Ha-DU-Ruder wurden von der HEINRICH HARBISCH Schiffswerft geliefert. Die Aluminium-Lukendeckel sind bei Bloemmart geordert und werden via hydraulischer Lukenwagen bedient. Das Steuerhaus stammt ebenso von Wessels Tischlerei und Alubau aus Haren wie die Tischlerarbeiten und die Möbelausstattung. Das komplette Navigationspaket wurde von Alphatron Marine installiert.

»Schloss Uppsala«

Bei der Reederei GEFO ist Ende 2019 die »Schloss Uppsala« eingetroffen. Der bei Den Breejen ausgebaute LPG-Tanker mit 110m Länge bei 11,40m Breite wird durch einen CCR-II konformen ABC-Motor (6DZC-800-173-A) mit 1104kW angetrieben. Der Kasko war bei Santierul Naval in Orsova gebaut worden.

Neue Achterschiffe für Neco-Tanker

Dass es nicht immer ein ganzes neues Schiff sein muss, um die Umweltfreundlichkeit zu verbessern, zeigt das Projekt »Vierwaldstättersee« der Neco Schifffahrt aus der Schweiz. Bei Buijks Maritiem gab es für den Tanker, der bereits vor zehn Jahren ein neues Mittel- und Vorschiff erhalten hatte, ein neues Achterschiff, das von Renssen-Driessen in China geordert worden war. Zusammen mit diesem Austausch bekam der Tanker ein Easy-Flow-Ruder von De Waal. Als Hauptmaschine arbeitet nun ein von Pon Power eingebauter Caterpillar 3512C mit einer Leistung von 1420PS im Maschinenraum. Im Antriebsstrang kam ebenfalls ein Wellengenerator hinzu, der ein an Bord befindliches Akkupaket lädt. Damit, so die Reederei, kann das Schiff zwölf Stunden liegen, ohne den Generator zu aktivieren.

Mit Koppelverbänden wachsen

Weiter auf Expansionskurs ist auch die Reederei Deymann in Haren. Seit einigen Wochen fährt der Koppelverband »Thomas Deymann I/II« unter der Deymann-Flagge. Bei 175m (95,35m + 76,40m) Länge und 11,45m Breite kann das Gespann 5.170t (2.754t/2.418t) Ladung aufnehmen. Der Schuber verfügt über einen Cummins-Antrieb von 2 x 1.622PS, der Leichter manövriert mit einem Cummins-Verhaar Omega-Jet, der 560 PS leistet. Das ehemals unter »Hanseatic« laufende Paar wurde 2009 bei Mühlhan-Steel Service in Stettin gebaut und bei De Gerlien van Tiem in Druten komplettiert.

Unterwegs nach Werkendam zur dortigen Concordia Damen Werft ist der Kasko des neuen Koppelverbands »Reinhold Deymann«. Entstanden ist die bisherige Konstruktion des ADN-N (geschlossen) klassifizierten Schiffes auf der Iangsu New Yangzijiang Shipbuilding in Schütt- und Stückgüter sowie Container transportieren, zunächst vor allem Steinkohle von den Seehäfen in den Niederlanden zum Kraftwerk Westfalen E in Hamm-Schmehausen.

Bei 172m Länge (zwei á 86m) und 9,60m Breite ist die maximale Tragfähigkeit auf 3.650t berechnet. Der Antrieb erfolgt über zwei in Düse arbeitende Propeller, die je Einheit von Mitsubishi-Maschinen (S6R-MPTAW-3) mit je 550kW angetrieben werden. Die Leistung ist für den Betrieb des Schiffes als Schubfahrzeug ausgelegt. Als Heckruderanlage des Schubleichters dient ein Veth-Rooster mit Steuergitter, hinter dem ein Scania D109MTA mit 298kW steht. Der Anlauf in Rotterdam wird Mitte April erwartet. Auf den weiteren Ausbau bereiten sich eine Reihe von Zulieferern vor. Das Steuerhaus mit Hubschacht und der Wohnungsausbau wird beispielsweise wird von der Harener Tischlerei und Alubau Wessels geliefert.

Tanker »Holstein«

Unter kräftiger Beteiligung von Harener Firmen entsteht derzeit auf der Kötter-Werft auch der Tanker »Holstein«. Der nach einem Entwurf von BING-Kaiser bei Santierul Naval in Orsova Serbien gebaute Kasko liegt auf der Helling des Schiffbaubetriebs östlich der Ems. Die ehemalige Schulte-Müller-Werft an der so genannten »Blauen Donau«, einem Altarm der Ems, wurde jüngst von Kötter erworben, nachdem man bislang dort Mieter war.

Die 86m lange »Holstein« bekommt zwei D13-Maschinen von Volvo Penta mit je 450PS, die von Motoren Klene eingebaut werden. Als »ADN Typ C« Tanker zertifiziert kann der Doppelhüller in fünf Tanks insgesamt 1.885m³ an Ladung aufnehmen. Der Bugstrahler kommt von Verhaar Omega und leistet 282 kW. Das Steuerhaus mit Hubschacht sowie die Wohnungsausstattung vorn und hinten werden von der Tischlerei und Alubau Wessels geliefert und eingebaut. Die Firma Elektro Jansen übernimmt neben ihrem Fachgewerk auch die Vor-Ort-Begleitung für Bureau Veritas. Der Neubau wird für die Tankschifffahrt Brandt in Nortorf gefertigt, das Schiff soll vorrangig im norddeutschen Raum eingesetzt werden.


Hermann Garrelmann

Teilen