Großer Bissen, große Chance

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Krupp war einmal, Haniel genauso und bald auch Imperial Shipping. In der Geschichte der deutschen Binnenschifffahrt wird ein neues Kapitel geschrieben. Eines, das vermutlich nur Wenige haben kommen sehen. Ziemlich überraschend tritt die Häfen und Güterverkehr Köln AG, kurz HGK, das Erbe dieser namhaften Vorgänger an.

Es geschieht tatsächlich nicht aller Tage, dass ein kommunales Unternehmen einem börsennotierten Konzern einen ganzen Geschäftsbereich abkauft. Dieser Deal hat es in sich: Mit rund 400 Schiffen handelt es sich mal eben um die größte Flotte in Europa, dazu kommen gut 900 Mitarbeiter an Land und auf dem Wasser.

Dazu treibt die neue Sparte alle wirtschaftlichen Kennzahlen beträchtlich nach oben. Imperial hatte für die Schifffahrtsaktivitäten zuletzt einen Jahresumsatz von 350 Mio. € ausgewiesen. Die HGK kam im vergangenen Jahr mit allen Töchtern und Beteiligungen auf insgesamt 243 Mio. €. Ihr Gewinn von 7,8 Mio. € war nicht einmal halb so hoch wie der bei Imperial mit 19,5 Mio. €.

Bei einem Preis von 176 Mio. € war die Versuchung offenbar zu groß, um diese Gelegenheit auszulassen. Auch hier lohnt der Blick in die Vergangenheit: Für Lehnkering hatte Imperial 2013 immerhin 270 Mio. € gezahlt. Daraus entstand die Tankersparte, die als der mit Abstand profitabelste Bereich gilt und in der jüngeren Vergangenheit mit Neubauten weiter modernisiert und ausgebaut wurde.

Es hat nicht nur an den weitaus schwächeren Margen in der Trockenfahrt gelegen, dass sich Imperial von der ungeliebten Sparte trennen wollte. Die Geschicke des Konzerns werden von Südafrika aus mit klarem Fokus auf die landgestützte Logistik gesteuert. Mit der Binnenschifffahrt sollen Vorstand und Gesellschafter – allen Erfolgen zum Trotz – immer schon gefremdelt haben.

Für die HGK werden Übernahme und Integration der Flotte zweifelsfrei ein Kraftakt. Ein Erfolg ist nicht garantiert, aber auch nicht unwahrscheinlich. Denn wenn es gelingt, das neu gewonnene Geschäftsfeld geschickt mit den bisherigen Aktivitäten in den sieben Häfen, bei der Güterbahn, beim Logistiker neska und beim heutigen Binnenschiffsableger HTAG zu verknüpfen, entsteht rheinaufwärts von duisport ein weiteres, absolutes Schwergewicht in Europa.

Das bietet mit Sicherheit eine große Chance, unter Einbindung aller Verkehrsträger für kombinierte, effiziente und nachhaltige Transportangebote zu sorgen, wie sie von der zersplitterten Branche bislang nicht zustande gebracht wurden. Und das alles aus Köln heraus – nah dran an der heimischen Industrie an Rhein und Ruhr und auch nahe genug an den Schalthebeln der deutschen Verkehrs- und Wirtschaftspolitik. Daher sollten auch die Skeptiker die Daumen drücken, dass sich die HGK an dem »großen Bissen« nicht verschluckt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht


Krischan Förster

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