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Die HGK übernimmt die Binnenschifffahrtssparte von Imperial Logistics.

Das betrifft rund 400 Schiffe und gut 900 Mitarbeiter. Die Kölner werden

damit zu einem absoluten Schwergewicht in Europa

Die Gerüchteküche brodelt seit einiger Zeit, nun ist es offiziell: Imperial trennt sich von ihrer durchaus erfolgreichen, aber ungeliebten Binnenschifffahrtssparte und verkauft sie an die Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK).

»Dieser Geschäftsbereich passt nicht mehr zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens«, hieß es Ende vergangenen Jahres auf Nachfrage der Binnenschifffahrt. Das Geschäft in Paraguay ist nicht Teil der Vereinbarung, soll aber später ebenfalls noch von dem in Südafrika an der Börse notierten Logistikunternehmen verkauft werden.

Den Kölnern ist damit nach der vollständigen Übernahme der neska vor fünf Jahren, ebenfalls von Imperial, ein weiterer und überraschender Coup gelungen. Seitdem die Verkaufsabsichten bekannt waren, war neben Finanzinvestoren die Nr. 2 der Branche, die Rhenus Partnership mit dem finanzstarken Konzern der Rethmann-Familie im Rücken, als »heißer« Kandidat gehandelt worden. Womöglich bestanden aber von vornherein zu große Bedenken, ob eine solche ­Fusion die Zustimmung der Kartellbehörden gefunden hätte.

Die HGK kommt dagegen aus dem Hafen- und Logistikbereich. Zum Verbund gehören neben neska insgesamt sieben Hafenstandorte und die 50%-Beteiligung an RheinCargo, dem Zusammenschluss der HGK mit den Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH) einschließlich einer der größten privaten Güterbahnen Deutschlands. Die Binnenschifffahrtsaktivitäten beschränkten sich bislang auf die HTAG, die allerdings keine eigene Flotte, sondern ausschließlich fremde Schiffe disponiert.

400 Schiffe, 45 Mio. t an Ladung

Mit der Übernahme von Imperial kommen jetzt rund 400 Schiffe – eigene und Partikulierschiffe – dazu. Sie transportierten zuletzt ein Ladungsvolumen von insgesamt 45Mio. t (2018/19), was knapp einem Viertel des gesamten Transportvolumens in Deutschland entspricht.

Ab Weihnachten habe man in Verhandlungen mit Imperial gestanden, berichtet HGK-Chef Uwe Wedig, um ein passendes Paket zu schnüren. Denn ursprünglich habe Imperial die gesamte Shipping-Sparte verkaufen wollen, einschließlich der Aktivitäten im Donau-Raum und in Südamerika. Dagegen habe es aber auf Seiten der Kölner unter anderem kommunalrechtliche Bedenken gegeben. Nach einer umfangreichen Bewertung durch externe Berater habe man schließlich Einigung erzielt.

Den Verkaufspreis gibt Imperial Logistics mit 176 Mio. € bei einer Unternehmensbewertung in Höhe von 225 Mio. € an. Das riecht schon fast nach einem »Schnäppchen«. Zur Erinnerung: 2011 hatte Imperial für die Übernahme von Lehnkering rund 270 Mio. € bezahlt. Als »angemessen und fair« bezeichnet auch HGK-Chef Wedig den Preis. Denn im Gegenzug erhalte man ein sehr erfolgreiches Unternehmen »mit guten, starken Geschäftsbereichen.«

Der Umsatz (Geschäftsjahr bis Juni 2019) lag bei gut 350Mio. € bei einem operativen Gewinn von 19,5Mio. €. Fünf Jahre zuvor, nach der Übernahme von Lehnkering, waren es rund 600 Mio. € bei einer Transportleistung von 60 Mio. t.

Als besonders profitabel und deshalb attraktiv gilt das Tanker-Geschäft, für das Imperial in den vergangenen Jahren einige Neubauten bestellt hat und für das es weitere Wachstumschancen gebe. Der deutlich größere Trockenbereich wirft weniger Marge ab, gilt aber immerhin als stabil. »Die Flotte ergänzt aber unser Angebot bei der HTAG«, sagt Wedig. Beide sind im Massengutsektor aktiv, waren aber nicht unbedingt und überall Konkurrenten. Außerdem erhält die HGK künftig einen besseren Zugang zu den Seehäfen in der ZARA-Range (Zeebrugge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam).

Der Erwerb steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung der Imperial-Gesellschafter sowie der kartellrechtlichen Genehmigung durch die EU-Kommission. Darüber hinaus sind Beschlüsse durch den Rat der Stadt Köln, den Kreistag des Rhein-Erft-Kreises sowie eine Genehmigung durch die Bezirksregierung Köln erforderlich. Bis zum 30. Juni soll der Verkauf unter Dach und Fach sein.

Wie nach dem »Closing« das Zusammenspiel zwischen der neuen Flotte, der HTAG, dem Containerlogistiker neska und den Hafenaktivitäten organisiert werden kann, soll noch detailliert mit allen Beteiligten besprochen werden, sagt Wedig.

Die HGK wird in alle bestehenden Vertragsverhältnisse –mit den Mitarbeitern, den Kunden und auch mit den Partikulieren – eintreten. Auch das Management um den bisherigen Imperial-Shipping-Chef Steffen Bauer wird übernommen, »das war für uns sogar Bedingung«, so Wedig. Die Marke »Imperial« wird verschwinden, so viel steht fest. Unter welchem Namen die HGK ihre Binnenschifffahrtsaktivitäten künftig vermarkten wird, soll noch geklärt werden.

Ziel sei es, die logistischen Angebote rund um die Verkehrsträger Schiene und Wasserstraßen auszubauen, die Aktivitäten und Unternehmensbereiche enger zu verzahnen und effizienter zu gestalten. »Wir sehen große Chancen, für unsere Kunden durch kombinierte Angebote wesentliche Vorteile und einen Mehrwert zu generieren«, sagt Wedig. Gerade das Niedrigwasser 2018 habe gezeigt, dass Ausfall-Konzepte und neue Strategien gebraucht würden. Daher werde man auch die von Imperial begonnenen Projekte für moderne, flachgehende Schiffsentwürfe und eine Digitalisierung von Transportketten fortführen. »Wir werden das sogar noch forcieren.«

Wedig, der vor seinem Wechsel zur HGK von 2015 bis 2017 selbst zwei Jahre lang die Schifffahrtsaktivitäten bei Imperial geleitet hatte, sieht in der Übernahme einen notwendigen Schritt, um die verschiedenen Verkehrsträger effektiver zu verknüpfen. Dies sei in der Vergangenheit zu oft an »Egoismen« der verschiedenen Beteiligten gescheitert. »Bei uns ist künftig alles unter einem Dach.« Die geplante Übernahme passe perfekt zur strategischen Vorgabe der kommunalen Gesellschafter, nachhaltige und moderne Verkehrsleistungen für die heimische Wirtschaft im Rheinland anzubieten. Eine »Filetierung« werde es nicht geben, sagt Wedig. »Wir übernehmen alles so, wie es ist.«


Krischan Förster

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