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Das Unternehmen Kappis-Nautic ist seit mehr als 20 Jahren in der Schifffahrt aktiv.

Das Besondere: Geschäftsführer Roland Kappis führt seinen Betrieb ohne fremde Hilfe

in Eigenregie und setzt auf den engen Kontakt zu seinen Kunden

Roland Kappis hat sich im Laufe der vergangenen 20 Jahre einen Namen in der Schifffahrt gemacht. Sein Hauptgeschäft sind Anker– und Seilwinden. Damit werden sowohl Binnen- als auch Seeschiffe ausgestattet.

Fast alle deutschen Schiffbauunternehmen setzen inzwischen auf seine Produkte und Dienste, sagt der Unternehmenschef. Die Einheiten, die derzeit auf den Werften Bolle, Barthel, Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde (SET) sowie bei Kiebitzberg gefertigt werden, erhalten Equipment von ihm, berichtet der Manager.

Für den bei SET entstehenden Schwimmgreifer für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Bremen liefert Kappis-Nautic beispielsweise gleich sieben Winden (vier Verholwinden, zwei Ankerwinden für den Bugbereich vom Typ DZC 3501 H/PS-20.5L mit DNV-GL-Zertifikat sowie eine Seilankerwinde im Heck). Auch bei den beiden solarbetriebenen Einheiten von Kiebitzberg für die SolarCircleLine ist das Unternehmen mit Sitz in Lahr/Kippenheimweiler südlich von Offenburg als Zulieferer mit im Boot. Die Schiffe mit Namen »SunCat 120« und »SunCat 121« wurden jeweils mit einer Ankerwinde mit der Bezeichnung DZC 401E bestückt, die kleinste im Portfolio.

Die Schiffswerften Barthel und Bolle zählen ebenfalls seit vielen Jahren zu seinen Stammkunden, erzählt Kappis. Die bei Barthel hergestellte Klappschute wird mit einer hydraulischen Ankerwinde (DZC 3301H) ausgestattet, während die auf der Bolle-Werft gefertigte »Emmerich« zwei elektrische Ankerwinden Typ DZC 2200E mit Schaltschrank und Kettenstopper bekommt. Zum Versetzen von Bojen erhält das Schiff darüber hinaus eine Sonderanfertigung von zwei Verholspillen. Zur besseren Planung für die Werften gehört zum Lieferumfang jeder Winde zusätzlich eine 3D-Zeichnung.

Auch Einheiten von der Lux-Werft hat Kappis ausgestattet. Als eines der jüngeren Beispiele nennt der Unternehmer das Arbeitsschiff »Viking Orvar« von Viking River Cruises. Internationale Werften wie Öswag in Österreich und ShipTech in der Schweiz greifen auf seine Produkte zurück.

Doch nicht nur Neubauten, sondern auch Bestandsschiffe werden mit Produkten von Kappis-Nautic nachgerüstet. Zudem beschränkt sich das Geschäft nicht ausschließlich auf die Binnenschifffahrt. Er habe auch schon Projekte mit der Fassmer-Werft in Berne an der Unterweser erfolgreich durchgeführt, die im Hauptgeschäft Seeschiffe baut. Eines der bekanntesten Schiffe, die er ausgerüstet habe, sei sicherlich die »Rainbow Warrior« von Greenpeace, sagt Kappis. Das Schiff verfügt über zwei Ankerwinden mit einer Zugkraft von je 5.000 kg.

Vertrauen ist die Basis

Bis sich der Unternehmer, der seit jeher seine Firma in Eigenregie führt, auf dem Markt einen Namen gemacht hat, musste er freilich einen weiten Weg gehen. Anfangs sei er viel herumgefahren und habe auf Messen ausgestellt. »Wenn ich eine Werft auf einer Messe gewinnen konnte, war das ein voller Erfolg«, erinnert sich der Geschäftsmann an seine Anfänge in der Schifffahrt.

»Die Kunst war und ist es, Vertrauen aufzubauen.« Vom ersten Kontakt bis zum ersten Auftrag seien teilweise fünf bis sieben Jahre vergangen, berichtet der Manager. Zumeist habe eine Zusammenarbeit mit einem kleinen Auftrag begonnen. »Viele Kunden bestellen anfangs kleinere Produkte, um zu sehen, ob und wie sie sich im Einsatz bewähren«, beschreibt Kappis.

In die Karten spielen ihm gelegentlich personelle Veränderungen in den Schiffbaubetrieben. Wenn jemand, den er kennt und mit dem er erfolgreich zusammengearbeitet hat, von einer Werft zu einer anderen wechselt, stiegen die Chancen, auch dort als Zulieferer Fuß zu fassen, sagt Kappis.

Einbruch bei Rettungswesten

Das Portfolio von Kappis-Nautic umfasst neben Winden und Seilwinden insbesondere Produkte für Fahrgast- und Personenschiffe. Dazu zählen Schiffsteuerungen, die zumeist auf Einheiten mit Längen von bis zu 60m genutzt werden. Die Doppel-Zylinder-Steuersysteme seien für einen langen und wartungsarmen Gebrauch entwickelt worden. Sie sind auf Fahrgastschiffen, Yachten, Fischerbooten und Arbeitsschiffen im Einsatz. Die Produkte sind auf Wunsch mit folgenden Zertifikaten erhältlich: DNV-GL, ABS, LR, BV, RINA und TL.

Ein weiteres Geschäftsfeld sind aufblasbare Rettungswesten für Passagiere von Fahrgast- und Flusskreuzfahrtschiffen. Diese seien klein verpackt und zehn Jahre wartungsfrei. Zusätzlich zu den Ankerwinden hat Kappis-Nautic beispielsweise 400 Stück davon an die Kiebitzberg-Werft geliefert, die für die beiden Solarschiffe bestimmt sind.

Der Markt für Rettungswesten gestaltet sich nach Auskunft von Roland Kappis wegen der Corona-Pandemie allerdings derzeit als ausgesprochen schwierig. Seit über zehn Jahren schreibt der Unternehmer vor dem Start einer Kreuzfahrtsaison Anbieter von Flusskreuzfahrten und Personenschiffen an, um seine Rettungswesten anzubieten. Für gewöhnlich erhält er dadurch Aufträge für mehrere hundert Westen. In diesem Jahr sei jedoch keine einzige Bestellung eingegangen. Grund sei die Corona-Pandemie. »Es fahren ja derzeit keine Fahrgastschiffe, deshalb besteht aktuell kein Bedarf«, so Kappis.

Insgesamt rechnet der Manager für sein Geschäft aufgrund der Corona-Pandemie mit einer »Delle«. Auf vielen Werften könne aktuell nicht an den Schiffen gearbeitet werden. Wie viele andere Unternehmen seien auch die Schiffbaubetriebe daher zumeist im Homeoffice tätig.

Kappis, der in der jüngeren Vergangenheit nach eigener Aussage zufrieden mit dem Geschäft war, hofft, dass durch das Coronavirus keine langfristigen Schäden entstehen und Tätigkeiten in den Werften sowie in der Schifffahrt bald wieder anlaufen werden.


Thomas Wägener

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