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Die traditionsreiche Dresdner Schiffswerft Laubegast hat wechselvolle Jahre hinter sich. Die neuen Eigner versprechen nicht nur den Erhalt des Reparaturbetriebs, sondern haben auch touristische Ambitionen

Die Geschichte der Werft in Laubegast reicht zurück bis 1898. Der letzte verbliebene Schiffbaubetrieb in Dresden hat wechselvolle Jahre hinter sich. Mit einem neuen Eigner soll nun wieder Ruhe einkehren.

Der Siegener Unternehmer Reinhard Saal hatte ursprünglich ehrgeizige Pläne für das Areal, als er die Werft 2013 übernahm. So wollte er unter anderem einen maritimen Handwerkerhof entwickeln. Doch im vergangenen Jahr trennte er sich wieder von seiner Investition und verkaufte das Gelände an die Immobilienunternehmer Sven Spielvogel und Rico Richert. Der Kaufpreis lag dem Vernehmen nach bei einem mittleren einstelligen Millionenbetrag. Spielvogel agiert künftig als geschäftsführender Gesellschafter der Objektgesellschaft.

Die gute Nachricht: Auf dem Gelände soll der Reparaturbetrieb für die nicht minder traditionsreiche Flotte der Sächsischen Dampfschifffahrt auch künftig erhalten bleiben.

Zuletzt wurden die Dampfer »Krippen«, »Kurort Rathen« und »Pirna« auf die Saison vorbereitet, die aufgrund der Coronavirus-Krise in diesem Jahr allerdings verspätet eingeläutet wird. So wurde auch die Flottenparade vom 1. Mai auf den 3. Oktober verlegt. Die Sächsische Dampfschiffahrtsgesellschaft (SDG) bleibe Mieter der Slipanlage, wurde von den neuen Eignern versichert.

Die denkmalgeschützte Anlage verfügt über eine Nutzfläche von rund 5.000m2 und eine Grundstücksgröße von insgesamt 33.761m2. In einem langgestreckten Werkstattgebäude stehen je eine renovierte Metall- und eine Holzwerkstatt zur Verfügung, die für Arbeiten an den Schiffen an die SDG vermietet sind. Die Halle im Mittelteil ist dagegen frei und kann vermietet werden, ebenso das gesamte Obergeschoss. Er könne sich vorstellen, dass dort Architektur- und Planungsbüros tätig werden könnten, ließ Spielvogel verlauten.

Werft soll Charakter behalten

Die denkmalgeschützte Werft solle ihren Charakter auf jeden Fall behalten, sagen die neuen Eigner. Man wünsche sich darüber hinaus eine Anlegestelle für die Dampfschiffe, dort könnten Café und Biergarten die Fahrgäste zum Verweilen einladen.

Laubegast, so Spielvogel weiter, sei ein sehenswerter Stadtbezirk mit vielen Häusern aus der Gründerzeit, der berühmten Brücke »Blaues Wunder« elbabwärts und dem Fernsehturm schräg gegenüber und liege direkt am Elberadweg. Die Werft mitsamt Slipanlage könne ebenfalls besichtigt werden. »Wir wollen die Werft so entwickeln, dass man sie als traditionellen Schiffbaubetrieb deutlich erkennen kann und sie auch dem Tourismus besser dienen kann. Dafür würden vermutlich zwei Jahre benötigt.

Angeblich wollte Saal als Vorbesitzer auf dem freien Gelände neben der Slipanlage luxuriöse Wohnhochhäuser bauen. Nach Ansicht von Spielvogel passe dies nicht ins Landschaftsbild und nicht zum denkmalgeschützten Ambiente. Zu DDR-Zeiten hatten sich auf diesem Gelände Bungalows für die Belegschaftsmitglieder des VEB Deutsche Schiffsreparaturwerften befunden. »Wir werden hier keine Experimente vornehmen, die dem Denkmalschutz widersprechen«, sagt Spielvogel.


Christian Knoll

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