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Auf den Werften im Osten Deutschlands gibt es bislang keine nennenswerten Auswirkungen durch das Coronavirus. Überwiegend wird normal gearbeitet, alle Betriebe sind voll ausgelastet

Elke Ruchatz, Geschäftsführerin der Neuen Oderwerft Eisenhüttenstadt, sprach davon, eigentlich ganz normal die Aufträge abzuarbeiten. »Natürlich halten wir die Abstandsregeln und andere Schutzmaßnahmen ein.« Ein Mitarbeiter sei mit dem Coronavirus infiziert und befinde sich in Quarantäne. »Unsere Auftragslage aber ist ohne Kurzarbeit gut. Auch mit den Zulieferern wird verlässlich zusammengearbeitet.« Derzeit wird an einem Schwimmgreifer für das WSA Minden, einer Klappschute für das WSA Lauenburg und einer Bauhütte für das WSA Berlin gearbeitet. Dies seien allesamt Neubauten. Der Eisbrecher »Hohensaaten« des WSA Eberswalde befände sich zu einer planmäßigen Instandsetzung ebenfalls auf der Werft. Auf die Instandhaltung der Eisbrecher der Oderklasse habe man sich seit Langem spezialisiert, was durch die Ämter auch genutzt werde.

Werft Malz

In der Werft Malz bei Oranienburg am Oder-Havel-Kanal die Aufträge der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter an Umbauten und Reparaturen abgearbeitet (siehe »Binnenschifffahrt 1/20, S.24-25). »Wir haben voll zu tun und erwarten, dass die Ämter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) und die Wasserschutzpolizei in diesem Jahr trotz Corona-Krise neue Aufträge ausschreiben werden, so Werftchef Ralf Loerke. Das passiere meistens im Mai. Aber auch die privaten Schiffseigner und die Touristikschifffahrt habe Arbeit für den Schiffbaubetrieb. »An Kurzarbeit denken wir also nicht.«

Hegemann-Werft

Im Gegensatz zur Stern- und Kreis-Schifffahrt, die durch die Corona-Krise mit ihren mehr als 30 Einheiten vom Berliner Senat stillgelegt ist, geht es der Hegemann-Werft in Berlin-Spandau sehr gut. Sie befindet sich derzeit im Umbau für die Aufgaben des 100-Millionen-Programms der Hegemann-Gruppe für die Modernisierung und Umrüstung der Stern- und Kreisflotte auf den durchgängigen Schiffsantrieb mit erneuerbaren Energien. Werftleiter Frank Felkel bekräftigte, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern fast rund um die Uhr mit der Modernisierung des eigenen Betriebs beschäftigt zu sein.

SET-Werft

Bedingt durch ihre günstige Lage am Elbe-Havel-Kanal hat die SET-Werft Genthin stets ein hohes Reparaturaufkommen. Betriebsteilleiter Michael Huppka zählt auf, welche Firmen gerade Schiffe neben der Berufsschifffahrt an der Werft liegen haben und dort bearbeiten lassen: Strabak, Hülskens, Bunte, mehrere WSAs, die Reederei Ed Line und die Deutsche Binnenreederei. Die heutige SET-Werft Genthin hat eine innovative Vergangenheit. In ihrem Projektionsbüro wurden die Prototypen der DDR-Schubschifffahrt entwickelt und zum Teil gebaut, die heute noch im Einsatz sind. Auch die verschiedenen Eisbrechertypen wurden hier entworfen. Höhepunkt waren die mit 80 cm flachgehenden Stromschubschiffe. Sie besitzen eine Funktionalität, die bisher einmalig in der Binnenschifffahrt ist. Die Rönner-Gruppe hat die beiden Standorte der SE-Werft in Tangermünde und Genthin weiter mit der neuesten Technik ausgestattet. Zwei Schiffbauhallen, je eine für Stahl- und die andere für Alu-Schiffbau, und eine Maschinenbauhalle sind immer auf dem neuesten Stand gehalten.

Am Standort Tangermünde der SET-Werft musste das Fischereiaufsichtsschiff »Neptun« für das Staatliche Fischereiamt Bremerhaven, das im Mai 2019 auf Kiel gelegt worden war (siehe »Binnenschifffahrt« 6/19, S. 44-45), wegen des fallenden Wassers der Elbe bereits am 26. März vom Stapel laufen und die Reise zu seinem Bestimmungsort antreten. Dort wird der Endausbau der »Neptun« nun fortgesetzt. Mit Corona habe die Werftbelegschaft keine Probleme, Schutzmaßnahmen würden eingehalten, sagt Werft-Geschäftsführer Olaf Deter.

Schiffswerft Bolle

Die Schiffswerft Bolle am Pareyer Verbindungskanal hat ebenfalls reichlich zu tun, wie Werftchef Mario Bolle schildert. Im Bau ist ein Arbeitsschiff für das WSA Datteln. Bei klimaneutralen Elektroschiffen hat sich die Werft wohl einen guten Namen gemacht, denn sie hat ein Fahrgastschiff als Elektro-Katamaran von 30m Länge und 9,50m Breite im Bau. Mit Corona hat die Bolle-Werft selbst kein Problem. Alle Mitarbeiter seien gesund, keiner infiziert. Die geforderten Verhaltensregeln würden eingehalten. Allerdings merke man Corona daran, dass manche Lieferketten nicht mehr ganz so gut funktionierten wie vor der Pandemie.

Schiffswerft Hermann Barthel

Auch in Derben an der Elbe herrscht nicht nur Sonnenschein, sondern auch eine gute Stimmung. Niemand sei von Corona angesteckt. Werftchef Hermann Barthel zählt auf, was es an Aufträgen gibt. Gegenwärtig werden drei Polizeiboote für Sachsen-Anhalt gebaut, wovon die ersten beiden fast fertig sind und das dritte gerade angefangen wird. Auch an dem Trainingsschiff für die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger werde emsig gearbeitet. Der wichtigste Auftrag jedoch sei der Neubau der ELEKTRA. Er freue sich, dass seine Werft die Ausschreibung gewonnen habe.

Kiebitzberg Schiffswerft

Die Corona-Krise hat die Kiebitzberg Schiffswerft und ihre Belegschaft selbst nicht betroffen. Das fertige zweite Solarschiff für die SolarCircleLine Berlin ist zur Auslieferung bereit. Im Bau befindet sich ein weiteres Elektroschiff für einen österreichischen Auftraggeber. Weitere Aufträge sind »diverse Hausboote, öffentliche Schwimmsteganlagen, und es läuft auch die Planung für ein neues Fahrgastschiff«, mailte uns Werft-Chef Andreas Lewerken.

Schiffswerft Fischer

Auch auf der Werft in Mukrena an der Saale spielt Corona für die kleine Belegschaft von zwölf Personen keine Rolle. Alle schützen sich wie erforderlich. Im Frühjahr holt sich der Schiffbaubetrieb bei guten Wasserständen zahlreiche Reparatur- oder Neubauaufträge, damit er über die Sommerperiode, wenn Niedrigwasser herrscht, gut zu tun hat. Leider haben die Talsperren das Überschusswasser (mittleres Hochwasser) im Frühjahr zu schnell abgelassen, sodass jetzt die Wasserstände stark sinken. Die Fahrgastschifffahrt auf der Saale nutzt die Werft gern für Reparaturarbeiten über den Winter. Wegen der Pandemie wurde das Business jedoch stillgelegt und nun haben einige Reeder Zahlungsprobleme, da sie kein Einkommen mehr haben. Das trifft eine ganze Branche. Die eingegangenen Aufträge, wie der Neubau von zwei Deckprähmen für das WSA Mosel Saar Lahn werden derzeit abgearbeitet. Weiter werden Stahlbauarbeiten ausgeführt. »Ich hoffe, dass die Pandemie bald eingedämmt ist«, sagt Geschäftsführerin Karina Fischer.


Christian Knoll

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