Wolfgang Sichermann. Foto: DMZ
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Das Deutsche Maritime Zentrum (DMZ) will sich an die Spitze einer Initiative setzen, die sich für einen verstärkten Einsatz von Klebeverbindungen im Schiffbau ausspricht.

Heute zog das DMZ ein Zwischenfazit für eine im Herbst 2019 beauftragte Studie zu Klebetechnologien in der Schiffsfertigung. Sie sollte sich mit dem aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft, den Vorschriften und Standards sowie möglichen Anwendungsfällen und Einsparpotenzialen befassen.

»Mit der Studie gewinnen wir Klarheit über die technischen und regulatorischen Hürden bei der heutigen Anwendung der Klebetechnologie«, sagte der scheidende Geschäftsführer Wolfgang Sichermann. »Unser Ziel ist es, eine Vereinheitlichung der Zertifizierungsprozesse anzustoßen«, so seine Kollegin Peipei Wang.

In der Studie ist die Anwendung der Klebetechnik für den Schiffbau, Bootsbau, Binnenschiffbau wie auch für die Offshore-Industrie betrachtet worden, dabei wurde der Schwerpunkt auf den Schiffbau gelegt. Der verstärkte Einsatz von Klebetechnologien in der Schiffsfertigung biete den Werften ein großes Potenzial, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Technologieführerschaft zu festigen, heißt es.

»Die Klebetechnologie zeichnet sich durch die Möglichkeit aus, als kalte Fügetechnik unterschiedliche Materialien verbinden zu können (ohne z.B. Beschichtungen zu beschädigen) und als Enabler für den Leichtbau zu dienen.« Somit trage die Technologie auch zur Verbesserung der Klimabilanz maritimer Industrieprodukte bei.

Im Schiffbau, bei dem nach wie vor der Werkstoff Stahl die Hauptrolle spielt, wird Kleben derzeit überwiegend für die Montage von Ausrüstungselementen verwendet. Hier sind insbesondere das Schweißen, aber auch Fügemethoden wie das Schrauben etablierter Standard. Von großer Bedeutung für den Schiffbau sei, dass die Klebetechnologie in der Produktionsphase nach Abschluss der Heißarbeiten als »kalte« Fügetechnologie eingesetzt werden könne und sich damit die Möglichkeit ergibe, auf Änderungen flexibel zu reagieren, heißt es in der Studie.

Klebetechnik hat Potenzial im Schiffbau

Generell wird Ausbaupotenzial für den Einsatz der Klebetechnologie im Bereich Schiffbau gesehen. Die Werften hätten die Vorteile der Fügetechnologie erkannt und strebten ihren verstärkten Einsatz an.

Auch wenn die Entscheidung für die Anwendung der Klebetechnologie im Schiffbau zumeist aus technischen Gründen fällt, muss sich der Einsatz der Technologie kosteneffizient gestalten lassen. Eine Untersuchung der Prozessschritte habe ergeben, dass Kleben gegenüber dem Schweißen insbesondere durch den verringerten Nacharbeitsaufwand Einsparpotenzial böte, heißt es weiter. Auch ließen sich die Kosten der Gesamtkonstruktion z.B. durch Materialeinsparung senken. Des Weiteren önne der Einsatz von Klebstoffen eine Verminderung der Übertragung von Schall und Schwingungen auf die Gesamtkonstruktion bewirken.

Aktuelle Vorschriften stellen Problem dar

Die in der Studie befragten Experten sehen jedoch die derzeitige Vorschriftenlage als größtes Hindernis für den vermehrten Einsatz der Klebetechnologie im Schiffbau. Als Ergebnis der Studie werden Struktur und Inhalte einer zu entwickelnden einheitlichen Richtlinie vorgeschlagen. Im Fortgang soll eine Fachgruppe aus Vertretern der Branche etabliert werden, die eine einheitliche Richtlinie entwickelt. »Wir bieten an, diesen Prozess zu steuern und zu moderieren«, so Wang weiter. Die Auftaktveranstaltung ist nach jetzigem Stand für den Spätsommer geplant.

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