Mehr Mut in der Krise

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Besondere Zeiten verlangen besondere Maßnahmen. Wie das Krisenpaket der Bundesregierung, vereinbart nach einer Marathonsitzung des Koalitionsausschusses. Insgesamt sind es 130 Mrd. € – das ist eine stolze Summe. Über einzelne Vorhaben und ihre erhoffte Wirkung lässt sich, wie immer, streiten. Aber es besteht wohl kein Zweifel daran, dass diese Hilfe in der Not absolut berechtigt und nötig ist.

Für die maritime Wirtschaft ist auch etwas dabei. Weit weniger als für Branchen wie die Automobilindustrie, weniger als die Bahn bekommt, weniger als für Überbrückungshilfen und erst recht weniger als für das Ankurbeln der Binnenkonjunktur gedacht sind. 1 Mrd. € sind geblieben, immerhin.

Die Details sind noch unklar, das zusätzliche Geld soll von verschiedenen Ministerien bereitgestellt werden. Führt man sich vor Augen, was in lediglich einem Absatz des 15-seitigen Koalitionspapiers aufgeführt ist und was einzelne Ressorts im Vorfeld auf den Wunschzettel geschrieben hatten, wird es wohl einen Verteilungskampf geben.

Wie weit reicht am Ende diese eine Milliarde, die sowohl für die See- als auch die Binnenschifffahrt bzw. deren Werften und Zulieferer bestimmt ist? Man denke an einen der zentralen Punkte, die vorgezogene Erneuerung der Behördenflotte. Neben den bereits im Haushalt finanzierten Neubauten müssen weitere 32 Bundesschiffe demnächst ersetzt werden, bei Investitionssummen von 450.000 € (Prahm) bis 195 Mio. € (Gewässerschutzschiff). Das Sofort-Programm »Saubere Schiffe«, die LNG-Förderung und vieles mehr sind dabei noch nicht einmal eingerechnet.

Insofern kann dieses Krisenpaket nur ein (richtiger) Anfang sein. Schiffbau und Schifffahrt in Deutschland brauchen eine langfristige und nachhaltige Unterstützung, nicht nur monetär, sondern auch administrativ und politisch. Denn bei allem Optimismus darf nicht vergessen werden, dass das tückische Covid-19-Virus längst noch nicht besiegt ist und uns die Folgen der Pandemie vermutlich noch sehr lange beschäftigen werden.

So sehr jede der Regierungen auch versucht, die Coronakrise zuerst auf nationaler Ebene zu meistern, braucht es jedoch eine europäische Antwort auf die Veränderungen und neuen Unwägbarkeiten in der globalisierten Welt, ein abgestimmtes Vorgehen innerhalb der EU und den Mut, etwas zu verändern. Eine Krise beginnt zwar oft als reine Katstrophe, bietet meist aber Gelegenheiten, es künftig anders und besser zu machen. Oder um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: Auch aus Steinen, die im Weg liegen, kann man etwas Schönes bauen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht


Krischan Förster

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