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Nach dem Verkauf der Imperial-Flotte an die Kölner HGK bahnt sich eine weitere Großfusion an: Die Duisburger Rhenus PartnerShip will Anteile und Flotte der Deutschen Binnenreederei übernehmen. Beide müssen die Folgen des Kohleausstiegs verkraften

Die deutsche Binnenschifffahrt erlebt eine weitere Konsolidierungswelle. Nachdem der bisherige Branchenprimus Imperial Logistics seine Flotte an die Kölner HGK und die Donau-Aktivitäten bei Multinaut ebenfalls verkauft hat, zieht jetzt auch die Rhenus nach.

Im Visier steht mit der Deutschen Binnenreederei (DBR) ein weiteres Schwergewicht der Branche. Seit 2007 gehört die einstige DDR-Staatsreederei, die vor 71 Jahren gegründet wurde und in Spitzenzeiten über weit mehr als 1.000 Schiffe verfügte, mehrheitlich der polnischen OT Logistics (bis 2012 Odratrans Group).

Ähnlich wie bei Imperial war man in Stettin mit dem Engagement bei der DBR in Berlin wohl nicht sonderlich glücklich. Außerdem, so heißt es, braucht OT dringend Geld, um die Verschuldung der Gruppe zu senken. Also wird die DBR jetzt verkauft. Die polnischen Aktivitäten bei der Bydgoszczer Schifffahrt sind angeblich nicht davon betroffen.

Rhenus PartnerShip war bereits als möglicher Interessent für die Übernahme von Imperial gehandelt worden, bekanntlich hatte überraschend die HGK das Rennen gemacht, gegen eine Fusion der beiden größten Flotten in Europa hätten aber auch die Wettbewerbsbehörden vermutlich Einwände gehabt. Nun wird es also stattdessen die DBR, die weniger am Rhein, sondern vor allem auf den ostdeutschen Wasserstraßen und im Container-Hinterlandverkehr mit Hamburg präsent ist.

Gerüchte, wonach die Binnenreederei zum Verkauf steht, schwirren seit Jahren durch die Luft. Spätestens, als im November vergangenen Jahres das 70. Jahr des Bestehens der DBR nur in kleinster Runde mit ausschließlich geladenen Gästen begangen und die Öffentlichkeit ausgesperrt wurde, hätte man stutzig werden können (siehe Binnenschifffahrt 09/2019, S. 16).

Details der geplanten Übernahme sind vorerst nicht bekannt. Nur so viel, dass beim Bundeskartellamt der Genehmigungsantrag gestellt wurde. Demnach will die Rhenus PartnerShip alle Anteile (81,08%) und die Flotte der Deutschen Binnenreederei (DBR) von dem bisherigen Eigner OT Logistics aus Polen übernehmen.

Rhenus und die DBR arbeiten dem Vernehmen nach schon seit längerer Zeit zusammen, so soll Rhenus Teile der DBR-Flotte befrachten. Im Herbst 2019, zeitlich also parallel zum jüngst eingefädelten Imperial-Verkauf, wurden die Verhandlungen eingefädelt. Jetzt stehen sie offenbar kurz vor dem Abschluss. Bis zum 30. Juni hat Rhenus noch Zeit, so lange wurde dem Duisburger Unternehmen laut polnischen Quellen Exklusivität zugesichert.

Der Kaufpreis für die OT-Anteile und die schwimmenden Einheiten soll den Angaben zufolge bei insgesamt 19,6 Mio. € liegen. Das klingt, weit mehr noch als bei Imperial, nach einem Schnäppchen. Während die HGK 176 Mio. € zahlt und zusätzlich ausstehende Schulden begleichen muss, soll Rhenus die DBR angeblich für nur 19,6 Mio. € erhalten.

Beide Unternehmen stehen aktuell vor der gleichen Herausforderung: Mit dem Kohleausstieg müssen sie erhebliche Rückgänge im Massenguttransport verkraften. Die Fusion könnte Teil einer gemeinsamen Neuausrichtung werden.


Krischan Förster

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