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Die etwa 50 deutschen Binnenwerften mit ihren rund direkt 2000 Beschäftigten haben im vergangenen Jahr 50 Schiffe im Wert von 219 Mio. € an ihre Kunden abgeliefert. Doch künftig werden weitere Impulse wie ein neues Motorenförderprogramm gebraucht

Für die Fracht- und Fahrgastschifffahrt, aber auch für Bundes- und Landesbehörden unverzichtbare Servicepartner, wenn es um Neubauten oder auch Wartungs– und Instandhaltungen geht. Nach Angaben des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) tragen sie erheblich zur Wirtschaftsleistung in ihren Regionen bei.

Im vergangenen Jahr wurden 50 Neubauten im Wert von 219 Mio. € gegenüber 39 Schiffen (126Mio. €) im Jahr zuvor abgeliefert. Hauptabnehmer waren ausländische Kunden mit 86% gegenüber nur 14% an inländischen Auftraggebern. 28 Einheiten waren Hafen-, Behörden- oder Sonderschiffe (2018: 21), dazu kamen 17 Kreuzfahrtschiffe und Fähren (2018: 10) und fünf Frachtschiffe einschließlich Tankern und Schubeinheiten (2018: 8).

Für 45 Mio. € gingen neue Bestellungen ein, damit ist der Auftragsbestand von 439 Mio. € (65 Schiffe) auf 322 Mio. € (61 Schiffe) gesunken, auch hier dominieren Kunden aus dem Ausland (78%). Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre kamen rund 50% der Neubauaufträge für Binnenschiffe von der öffentlichen Hand. Die Situation der Binnenschiffswerften sei in Bezug auf Auslastung, Auftragseingängen, Auftragsbestand und Marktaussichten wie auch bei der Nachwuchsgewinnung sehr unterschiedlich, heißt es im Jahresbericht des VSM.

Größter Wachstumstreiber sind vor allem die Kreuzfahrtbranche mit ihrem großen Auftragsbuch und die zunehmende Bedeutung des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit im Schiffbau und im Schiffsbetrieb. An einigen Standorten gibt es andererseits wachsende Probleme mit der Nutzungskonkurrenz der Flächen in Wassernähe mit Wohnbebauung. Mit neuen Mietern und Wohnungseigentümern schwinde das Verständnis dafür, welche wichtige Funktion die Werften und die Binnenschifffahrt ausüben, warnt der VSM.

Das Jahr 2019 war von zahlreichen neuen Forschungsprojekten geprägt, die sich den Themen autonome Schifffahrt und alternative Antriebe widmen. Auch der Binnenschiffbau trägt mit fast 90% des Exportanteils beim Wert der abgelieferten Schiffe zum großen Exportanteil der gesamten Branche bei.

Die tonnenkilometrische Leistung der deutschen Binnenschifffahrt stieg 2019 insgesamt um 8,4%, konnte damit aber nicht die Niedrigwassereinbußen von 2018 kompensieren. Der Anteil der Binnenschiffe am Modalsplit ist damit weiter gesunken und durch den Kohleausstieg und damit verbundene erhebliche Ladungsverluste zeichnen sich weitere massive Probleme ab.

Weiter im Aufwind befand sich 2019 dagegen der Flusskreuzfahrtmarkt. So konnte das Passagieraufkommen um 9% gesteigert werden. Auch die Zuwächse bei den Passagiernächten und den Ticketerlösen fielen mit plus 7,3% bzw. plus 10,5% deutlich aus. Damit hielt das Wachstum im Flusskreuzfahrtbereich weiter an. Allerdings kann derzeit niemand absehen, welche Auswirkungen die Corona-Krise haben wird.

Als Impulsgeber für die Zukunft wertet der VSM den im vergangenen Jahr verabschiedeten »Masterplan Binnenschifffahrt« aus dem Bundesverkehrsministerium, zu dem der VSM 2018 zahlreiche Vorschläge eingebracht hatte. In der Schwebe hängt die Neufassung der Motorenförderung.

Nachdem Bundesverkehrsminister An­dreas Scheuer einen »großen Wurf« angekündigt hat, sollen die Fördersätze künftig deutlich auf 60-80% erhöht werden. Als positiv wertet der Verband, dass dann nicht nur die Mehrkosten, sondern die tatsächlichen Kosten als Grundlage herangezogen werden sollen (siehe auch Binnenschifffahrt 05/2020, S. 20).

Zunächst wurde die bisherige Binnenschiffsförderung für 2020 fortgeschrieben, erstmals wurden dabei die vom VSM vorgeschlagenen Förderpauschalen für Abgasnachbehandlungsanlagen aufgenommen. Allerdings gebe es im laufenden Jahr 2020 de facto so gut wie keine Förderung mehr, weil seit dem 1. Februar die neuen NRMM-Grenzwerte auch für Motoren ab 300 kW gelten und die IWA/IWP Motoren nach NRMM über 800 kW wohl nicht vor Anfang 2021 auf den Markt kommen werden. Bis Juni 2021 können noch ZKR II-Motoren verbaut werden, allerdings ohne Förderung.

Das neu gefasste Programm liegt nun bei der EU zur Genehmigung vor. »Das ist alles andere als sicher«, heißt es im aktuellen Jahresbericht. Im besten Fall könnte man zum 1. Januar 2021 damit rechnen. Sollte der Antrag ganz abgelehnt werden, wird im Auftrag des Deutschen Maritimen Zentrums und auf Antrag des VSM derzeit Vorschläge untersucht, wie auch ohne Notifizierung die Binnenschiffförderung verbessert werden könne.

Weitere Projekte umfassen Vorschläge für den Einbau von Brennstoffzellen an Bord von Binnenschiffen. Auch beim Thema »autonome Schifffahrt« sei die Binnenschifffahrt in Deutschland einer der Treiber. Unter den diversen Projekten der Länder, Bundesressorts und Industriekonsortien führt der VSM vollelektrische Fahrgastschiffe mit Solarantrieb, vollelektrische Autofähren, Fahrgastschiffe mit Brennstoffzellen und eine Autofähre mit LNG-Antrieb auf.

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