Print Friendly, PDF & Email

»Die Batterien halten einen Betriebstag, ohne zu laden«

Auf den Solarschiffen ist erstmals der neue Ruderpropeller KRP 75 von Kräutler verbaut, der mit Akkus aus Ihrem Hause betrieben wird. Worauf lag ihr Fokus bei der Entwicklung der Batterien?

John De Roche: Die Sicherheit hat oberste Priorität. Unsere Lösung, die auf Lithium-Ionen-Technik basiert, ist von der Zentralstelle Schiffsuntersuchungskommission/ Schiffseichamt (ZSUK) abgenommen worden. Darüber hinaus sind wir einer der wenigen Hersteller, die Energiespeichersysteme mit DNV-GL-Zertifizierung anbieten. Dies ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass sie in der Berufsschifffahrt und damit auch in Fahrgastschiffen eingesetzt werden dürfen. Brandschutz ist ein wesentlicher Faktor, deshalb befinden sich die Batterien in einem Metallgehäuse. Ein weiterer Fokus lag auf der Skalierbarkeit, denn die Batterien sorgen nicht nur für den Antrieb-, sondern mit ihnen wird auch das Bordnetz betrieben. Folglich müssen sie eine gewisse Leistung gewährleisten.

Was waren die Herausforderungen, mit denen Sie bei den

Solarschiffen konfrontiert waren?

De Roche: Insgesamt gibt es nur wenig Erfahrung auf diesem Gebiet, eine enge Abstimmung mit Kräutler sowie mit dem Unternehmen iea, das für die Elektronik zuständig ist, war deshalb von entscheidender Bedeutung. Das hat sehr gut funktioniert. Neben der Vorgabe, dass die Schiffe keinerlei CO2 verursachen, war der SolarCircleLine wichtig, dass sie zwölf bis 14 Stunden fahren können, ohne dass die Batterien aufgeladen werden müssen. Verbaut wurden HV-Speichersysteme auf Basis von 10kWh-Modulen, die durch eigene Energiecontroller gesteuert werden. Damit wird eine getrennte redundante Lösung für Bord und Antriebsenergiespeicher realisiert. Die Batterie-Module sind mit der PV-Schnittstelle ebenso kompatibel wie mit externen Stromquellen, dies war eine entscheidende Voraussetzung für den Einsatz in den neuen Solarschiffen. Eine Langlebigkeit der Batterien wurde ebenfalls gewünscht wie die Fähigkeit, sie zu überholen, wenn ihre Lebensdauer erreicht ist.

Wo sehen Sie künftig Einsatzmöglichkeiten für Batterien in der Schifffahrt? Gibt es schon weitere maritime Projekte, in die Sie involviert sind?

De Roche: Einige Eigner zögern derzeit noch, Schiffe mit Elektroantrieben auszustatten, aber das wird kommen. Immer mehr Kommunen wollen, dass Schiffe emissionsfrei sind. Diesel-Antriebe, insbesondere in großen Städten wie Berlin, werden somit mehr und mehr verschwinden. Auf Seen halte ich reine Elektroantriebe für sinnvoll, auf Flüssen werden sich wohl Hybrid-Systeme durchsetzen. Wir haben aktuell drei Projekte in Aussicht, die sich hauptsächlich auf den Tourismus beziehen.
Interview: Thomas Wägener

Teilen