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Coronakrise, Lockdown, Home Office und eine notleidende Branche. Auch für eine Versicherung wie die Allianz Esa wird das Jahr 2020 herausfordernd

In den vergangenen Jahren war es die ständig steigende Zahl von Großschäden, die den Versicherern Sorgenfalten auf der Stirn bescherten. Und im vergangenen Jahr kam die zum 1. Juli 2019 in Kraft getretene Verdopplung der Haftungsobergrenzen bei Sachschäden hinzu. Noch gravierender wirkt sich die Erhöhung der Höchsthaftungssummen bei Passagierschäden aus. Statt einem zuvor auf 15 Mio. € gedeckeltem Betrag steht ein Versicherer seither bei einem Schiff mit 500 Passagieren allein für mögliche Personenschäden mit 60 Mio. € im Risiko.

In diesem Jahr ist es nun die Corona­krise. Die Kreuzfahrt- und Fahrgastschifffahrt kamen für viele Wochen zum Erliegen. Weniger Verkehr auf dem Fluss, weniger Schäden. So einfach scheint auf den ersten Blick die Rechnung. Bei näherer Betrachtung ist die Formel etwas komplizierter.

Kollisionen mit Brücken oder Schleusen, Motor- oder Propellerschäden oder Grundberührungen gehören zu den häufigsten Schadensursachen. Damit kennt man sich auch bei der Allianz Esa, dem Spezialversicherer für die Binnenschifffahrt, bestens aus. Je mehr Havarien, umso höher die Schadenaufwendungen. So war es in den vergangenen Jahren. Mit dem Boom der Flusskreuzfahrt war es auf den deutschen Wasserstraßen eng geworden. Und die Zahl der Havarien und Schadensummen stieg. Nun aber ruhte der Betrieb bei vielen Unternehmen. »Wir hatten im bisherigen Jahresverlauf etwas weniger Schäden als 2019«, sagt Denis Holtkamp von der Allianz Esa.

Gleichzeitig aber muss das gesamte Gewerbe verkraften, deutlich weniger (Güterschifffahrt) oder über eine lange Zeit gar keine Einnahmen (Kreuzfahrt) mehr verbuchen zu können. Die wirtschaft­lichen Folgen dürften noch Monate zu spüren sein. »Darauf haben wir selbstverständlich reagiert«, sagt Holtkamp. In vielen Einzelgesprächen haben wir gemeinsam mit unseren Vermittlern und Kunden individuelle und partnerschaft­liche Lösungen gefunden.«

Dennoch ist für den führenden Versicherer für die Binnenschifffahrt 2020 ein Jahr mit besonderen Herausforderungen.

Die Mitarbeiter arbeiten seit Monaten im Home Office. Wegen des Lockdowns entfielen die sonst üblichen persönlichen Treffen mit den Kunden, stattdessen nutzte man Telefon- und Videokonferenzen, »jetzt erst kommt es langsam wieder zu persönlichen Begegnungen« berichtet Holtkamp. Er freut sich darüber, »auch in der Branche wird das persönliche ­Gespräch geschätzt.« Jetzt nimmt Holtkamp pro Woche wieder rund 2.000 km auf den Tacho.

Die Ursachen vieler Schäden aber bleibt auch in der Krise gleich. Seit Jahren ist es der Mensch, der in erster Linie für Havarien und teure Schäden sorgt. In 75% aller Schadenfälle ist der Faktor Mensch die entscheidende Ursache So bezeugen es auch immer wieder Institutionen wie die IVR. Eine bestmögliche Prävention war und bleibt daher ein wichtiges Anliegen der Allianz Esa.

Gut qualifizierte Besatzungen, die mit dem Revier und der eingesetzten Technik vertraut seien, könnten einen Großteil der Schäden verhindern. Dazu kommen geeignete technische Hilfsmittel, zum Beispiel Kollisionswarngeräte, die längst zur Verfügung stehen, aber auch wegen der Investitionskosten nicht ausreichend eingesetzt werden.

Aus Sicht der Allianz Esa bleiben die Behörden wie die SuK gefordert, mit entsprechenden Vorschriften die Sicherheitsanforderungen zu erhöhen. Aus Sicht eines Versicherers können präventive Maßnahmen oder auch der Einbau neuer Motoren soweit es geht, über Prämienrabatte zwar unterstützt werden. Die Verantwortung liege aber letztlich bei den Schiffseignern. Doch diese hätten es momentan sehr schwer.

Die Allianz Esa sieht sich trotz allen akuten Krisenerscheinungen als führender Versicherer für die Binnenschifffahrt aber weiter auf gutem Kurs und solide aufgestellt. »Wir sind überzeugt davon, dass unsere Expertise und Nähe zu unseren Kunden der entscheidende Faktor für dauerhaften Erfolg ist«, so Holtkamp. Zum Angebot gehören vor allem und gerade während der Coronakrise die bestmögliche Beratung und Betreuung der Kunden einschließlich einer professionellen Begleitung im Schadenfall. Marktchancen sieht Holtkamp vor allem bei Fahrgastschiffen, »in diesen Bereich wollen wir weiter wachsen und sind mit unserem speziell für die Fahrgastschifffahrt entwickelten Deckungskonzepten bestens aufgestellt.« Außerdem wird weiter an der Effizienz gearbeitet. Systeme und Software werden ständig modernisiert und weiterentwickelt, um das Angebotsverfahren, die Policierung und die Schadenabwicklung noch schneller und unkomplizierter zu machen.


Krischan Förster

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