Von der Idee zur Innovation

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Es ist mehr als ein Jahrhundert her, dass die Schraube das Segel ablöste und die Verwendung von Stahl den Schiffbau weltweit revolutionierte. Seither haben zahlreiche technische Neuerungen an Bord Einzug gehalten, im Maschinenraum ebenso wie auf der Brücke und an Deck. Wenn es aber darum geht, einen Schiffsrumpf zu Wasser zu lassen, wird nur selten Aluminium, sondern in der Regel immer noch Stahl verbaut, bis heute.

Auch die Festmacherboote der Schramm Group aus Brunsbüttel haben sich seit acht Jahrzehnten kaum geändert, weder in ihrem Aussehen noch beim Material. Jetzt aber kommt ein Neubau in die Flotte, der mit dieser Tradition bricht. Erstmals besteht der Rumpf aus HD-PK, einem Kunststoff, der bislang im Schiffbau nicht verwendet wurde. Vielleicht wird die »Makker 19« belächelt wie einst die ersten »Eisenschiffe«. Unternehmenschef Hans Helmut Schramm aber glaubt fest daran, dass eine weitere ­Revolution im Schiffbau möglich ist. Sein Prototyp soll es beweisen.

HD-PE ist fest und elastisch, gut zu verarbeiten und umweltfreundlich zu entsorgen. Vor allem aber ist der Kunststoff sehr viel leichter als Stahl. Das verschafft dem Arbeitsboot einen redundanten Antrieb, in der ­Binnenschifffahrt kämen Leichter oder Schiffe bei gleicher Größe und Zuladung mit deutlich weniger Tiefgang aus und wären somit eine denkbare Lösung für das zunehmende Niedrig­wasserproblem in Flüssen und Kanälen. ­Sicherlich nicht für Jedermann und für jeden Zweck, aber allemal ­Erfolg versprechend für verschiedene Einsatzszenarien.

Für Innovationen braucht es ­helle Köpfe und unternehmerischen Mut, keine Frage. Der Markt wird auch nur jene Angebote annehmen, die gebraucht werden, die eine technologische Lücke füllen oder Vorteile versprechen. Aber ebenso ist eine flankierende Unterstützung seitens der Politik und der Behörden nötig, die sich nicht allein auf die Motorenförderung oder eine nationale Wasserstoffstrategie fokussieren sollte, sondern auch unmittelbar aus der Praxis stammenden Ideen den Weg bereiten muss.

Es sei daran erinnert, wie aufwändig und teuer es sein kann, eine Zulassung für zuvor nicht gebräuchliche, von der »Norm« abweichende Lösungen zu erhalten, zuletzt zu beobachten bei der Marinisierung von Lkw-Motoren oder bei der LNG-Technik. Nun gilt es, das Potenzial dieses ­neuen Werkstoffs zu nutzen. Am ­besten schnell und im Verbund aller Beteiligten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht


Krischan Förster

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