Neues Denken gefragt

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Bemühungen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind in der Coronakrise nur vordergründig ins Hintertreffen geraten. Natürlich ist die Branche, ob nun auf der verladenden oder der transportierenden Seite, von der Pandemie mehr oder minder schwer getroffen. Doch trotz allen Alltagssorgen müssen sich die Gedanken und Konzepte in die Zukunft richten.

In der jüngeren Vergangenheit stand die Motorenumrüstung nach den Vorgaben der NRMM-Richtlinie aus Brüssel stark im Vordergrund. Eine neu gefasste Förderung, die als wirksames Instrument den Umstieg unterstützen könnte, lässt zwar weiter auf sich warten. Technisch aber scheint das Problem auf Seiten der Motorenhersteller gelöst. Wie wir in dieser Ausgabe berichten, hat ScanDiesel geeignete Aggregate mit mehr als 300 kW ins Verkaufsregal gestellt. Andere Anbieter wollen demnächst folgen.

Parallel dazu drängen sich zwei andere Themen auf. Noch immer stecken die Folgen des Niedrigwassers von 2018 vielen Akteuren entlang der Wasserstraßen tief in den Knochen. Unternehmen wie BASF hatten Millionenverluste in den Bilanzen verbuchen müssen. Schnell war in den Logistikzentralen die Erkenntnis gereift, dass nicht nur alternative Transportkonzepte, sondern auch moderne Schiffe gebraucht werden. Das Zusammenrücken von Industrie, Ingenieurskunst und dem Binnenschifffahrtsgewerbe trägt jetzt erste Früchte.

Die HGK Shipping hat schon mal zwei Tanker-Neubauten bestellt, die dank einem optimierten und flachgehenden Schiffsdesign bei höchstmöglicher Tragfähigkeit auch bei geringen Wasserständen noch ausreichend Ladung zu den Chemiekunden bewegen können. Ähnliche Projekte gibt es auch bei BP. Eine ganze Nummer größer plant der Energiekonzern Shell, der gleich eine ganze Flotte von 40 (!) neuen Binnentankern chartern wird.

Die Pläne von Shell gehen über die Modernisierung des eingesetzten Schiffsraums hinaus. Wie die meisten (ehemaligen) Öl-Konzerne bauen auch die Niederländer ihr Produktportfolio um und wenden sich zunehmend von den fossilen Energieträgern ab und alternativen, im besten Fall erneuerbaren Energiequellen zu. Auf diesen Wandel muss die Binnenschifffahrt zwangsläufig reagieren.

Ambitionierte Klimaziele sind längst nicht mehr nur ein gesellschaftliches, sondern in wachsendem Maße auch ein global wirtschaftliches, also unternehmerisches Interesse. Das führt zu neuen Ansprüchen an die Logistikketten und an die Akteure des Transportsektors. Die Bereitschaft zu Innovationen wird dabei immer mehr zum Wettbewerbsfaktor zwischen den Verkehrsträgern, sagt Steffen Bauer, CEO der HGK Shipping, im Interview mit unserer Zeitschrift.

Das Gewerbe dürfe daher nicht immer nur auf die Politik zeigen und Forderungen stellen, sondern sie müsse selbst noch sehr viel aktiver werden, Zukunftsthemen besetzen und attraktive Lösungen für die Kunden entwickeln. Bauer sieht die gesamte Branche in der Pflicht, sich »in Struktur und Denken« zu ändern, weit über einzelne Projekte hinaus. Dabei darf sie sich auch von Corona nicht hindern lassen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht


Krischan Förster

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