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Mit Neubauten und integrierten Logistikkonzepten will die HGK Shipping ihre Position im Markt festigen und schwindende Ladungsmengen kompensieren. Shipping-CEO Steffen Bauer hofft auf Synergieeffekte mit den anderen Geschäftsbereichen der Gruppe

Keine drei Monate ist es her, dass die Häfen und Güterverkehr AG (HGK) aus Köln die Binnenschiffssparte der Imperial Logistics International mit rund 900 Mitarbeitern und etwa 300 schwimmenden Einheiten, darunter rund 130 eigenen, übernommen hat. Die Unternehmensfarben und die Flagge haben gewechselt, der Mann an der Spitze aber ist geblieben. Steffen Bauer blickt optimistisch nach vorn: »Bei der HGK fühlen wir uns gut aufgehoben und wollen einiges bewegen.«

Noch läuft die Integration eines der größten Einzelunternehmen in der europäischen Binnenschifffahrt in den Kölner Konzernverbund. »Es wird auch noch einige Monate dauern, bis dieser Prozess abgeschlossen ist«, sagt Bauer. Die HGK will die Übernahme zudem nutzen, um die ganze Gruppe neu aufzustellen und zu organisieren. Wohin die Reise gehen soll, ist dagegen festgelegt: »Wir wollen uns weiterentwickeln, uns am Markt behaupten und die Binnenschifffahrt voranbringen«, sagt Bauer.

Der Start unter den rot-weißen Farben der HGK ist von der aktuellen und anhaltenden Corona-Krise überschattet. Gerade im Stahlbereich sei durch die Produktionsrückgänge Ladungen in »signifikantem Umfang« weggebrochen, in der Spitze habe es Einbußen von bis zu 30% gegeben, berichtet Bauer. Nicht alles habe kompensiert werden können, räumt er ein. Doch dank der diversifizierten Flotte habe man die Auswirkungen kompensieren können.

Die von Imperial übernommene Flotte umfasst zu zwei Dritteln Trockengüterschiffe, dazu kommt die als modern und lukrativ geltende Gas- und Chemietanker-Sparte, die vor allem für die chemische Industrie entlang des Rheins fährt. »Das ist eine herausfordernde Zeit für uns alle«, sagt Bauer.

Er habe sich gut eingelebt, berichtet er, es sei für ihn auch nicht der erste Wechsel. Bauer war von Lehnkering zu Imperial übergegangen und verantwortete dort seit knapp drei Jahren alle Binnenschiffsaktivitäten. Das setzt er nun nahtlos für die HGK fort, aber unter besseren Vorzeichen. Trotz guter Zahlen hatte Imperial den Bereich »Shipping« nicht mehr als Kerngeschäft gesehen, »wir konnten uns nicht mehr so entfalten, wie wir uns das gewünscht hätten«, sagt Bauer. Unter dem neuen Eigentümer soll sich das wieder ändern.

»Wir stemmen die Investitionen aus eigener Kraft und haben dafür die nötige Unterstützung«

Erste Weichen sind gestellt: Bereits im kommenden Jahr sollen die ersten zwei Neubauten in Dienst gestellt werden, die als Reaktion auf das Niedrigwasser 2018 und auf Forderungen wichtiger Chemiekunden neu konzipiert wurden – mit einer besseren Tragfähigkeit bei geringerem Tiefgang, dazu unter anderem ein Hybrid-Antrieb. Weitere moderne Schiffe sollen in den Folgejahren in Dienst gestellt werden. »Wir stemmen die Investitionen aus eigener Kraft«, betont Bauer, man habe dafür die nötige Unterstützung seitens der HGK.

Bauer sieht für die Binnenschifffahrt generell einen hohen Innovations- und Investitionsdruck. »Wir müssen uns als Verkehrsträger ein Stück weit neu erfinden, um am Markt und im Wettbewerb mit Bahn und Lkw künftig bestehen zu können.« Natürlich müssten durch die Politik die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, von der Infrastruktur bis hin zu einer zielgerichteten Förderung. »Aber nur Forderungen zu stellen, reicht nicht aus. Wir müssen als Branche auch selbst handeln«, sagt Bauer. Nötig seien integrierte, intermodale Logistikangebote, nicht nur als Ausfall-Alternativen bei weiteren Wetterextremen oder sonstigen Störungen, sondern weil es die Kunden verlangten. »Das hat in dem Gewerbe immer noch nicht Jeder verstanden«, so Bauer.

Im neuen Kölner Verbund seien dafür die besten Voraussetzungen gegeben. Die in Ansätzen bereits gelebte Zusammenarbeit mit dem Intermodal-Dienstleister neska, der Befrachtungseinheit HTAG, der HGK selbst und mit RheinCargo soll ausgebaut und verfeinert werden. »Wir haben schließlich unter einem Dach alles, was der Kunden braucht – die Häfen, die Schiffe, die Bahn, den Umschlag und die Logistik-Dienstleistungen. Das müssen wir für die Kunden nur noch passend zusammenstellen und nach außen gemeinschaftlich auftreten.« Andernfalls werde man Ladung an die Wettbewerber Bahn und Lkw verlieren.

2021 werde ein Jahr der Transformation für die gesamte Gruppe einschließlich der Konzernstrukturen. Gut möglich, dass sich das eine oder andere noch zurechtgerückt und Aktivitäten der einzelnen Unternehmensteile neu organisiert werden müssen. »So lange wir einen Mehrwert für den Kunden und für uns generieren können, ist es egal, bei welchem Geschäftsbereich die Aufgabe angesiedelt ist«, so Bauer. So betreibe man Werksumschlag in diversen Häfen, und das müsse nicht unbedingt so bleiben. .

Zusätzlich komme es darauf an, Zukunftsthemen zu besetzen und Lösungen zu entwickeln. Wasserstoff sei eines davon, als Energieträger ebenso wie als Transportgut. Schon zu Imperial-Zeiten war man Partner im Projekt »Elektra, einem ersten Schubboot mit Brennstoffzelle. Als zukunftsweisend bezeichnet Bauer auch die Butan-Tanker, die Ineos zwar auf eigene Rechnung bestellt hatte, alle technischen Fragen vom Entwurf bis hin zur Bereederung aber der Reederei übertragen hatte. »Das ist in der Form bislang auch einmalig.«

Übernommen hat die HGK zudem das Designzentrum mit eigenen Ingenieuren, das vor zwei Jahren von Bauer gegründet wurde, um neue Schiffstypen und Antriebslösungen jenseits des Diesels zu entwickeln.

So erhalten die ersten Neubauten für den Rhein neben dem für mehr Tragfähigkeit optimierten Schiffskörper unter anderem einen Hybrid-Antrieb. Im kommenden Jahr werden sie bereits in Dienst gestellt. Weitere Projekte, gerade auch in Zusammenarbeit mit Kunden aus der chemischen Industrie, sind laut Bauer in Planung. »Nach 2021 sollen weitere Neubauten folgen.«

Klar sei aber auch, dass selbst eine so große Einheit wie die HGK Shipping die europäische Binnenschifffahrtsflotte nicht allein modernisieren könne, nicht einmal im Verbund mit vergleichbar großen Akteuren. »Wir können vielleicht neue Marktstandards entwickeln. Doch die ganze Branche muss sich in der Struktur und im Denken ändern und selbst Innovationen vorantreiben«, sagt Bauer.

»Die ganze Branche muss sich in Struktur und Denken ändern«

Das gelte vor allem auch für die Trockenschifffahrt, die wegen der weniger anspruchsvollen Schiffsdesigns gegenüber Tankern eigentlich das größere Potenzial habe und wegfallende Ladungsmengen kompensieren müsse. Denn nur so könne man sich gegenüber den anderen Verkehrsträgern positionieren. Nach seiner Einschätzung könnten Wasserstoffantriebe in sechs bis sieben Jahren serienreif sein, »entweder wir sind dann als Binnenschifffahrt mit dabei oder eben nicht.

Weitere Themen seien die Digitalisierung und Automatisierung, dazu kommt als wachsendes Problem der Fachkräftemangel – das Gewerbe stehe im Wettbewerb auch mit ganz anderen Industrien. Ohne gute Mitarbeiter sei aber kein Wandel zu stemmen. »Daher müssen wir noch viel mehr tun.« Nicht zuletzt deshalb treibt die HGK Shipping mehrere Projekte wie »AutoBin« oder »VeLaBi« zur teilautonomen Binnenschifffahrt voran.

Bauer, der für klare Worte bekannt ist, könnte sich auch vorstellen, sich stärker in der Verbands- und Gremienarbeit zu engagieren. Unter dem ehemaligen Chef Carsten Taucke hatte Imperial den Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) verlassen, die HGK Shipping möchte dagegen ihr Engagement künftig wieder intensivieren. »Wenn es darum geht, die Binnenschifffahrt insgesamt voranzubringen, bin ich gern dabei.«


Krischan Förster