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Vor gut einem Jahr wurde die Umfirmierung von Börde Container Feeder (BCF) zu Modal3 Logistik vollzogen und gleichzeitig die Schiene in das Transportangebot aufgenommen. Geschäftsführer Hergen Hanke zieht ein positives Zwischenfazit

Bei Modal3 Logistik steht die komplette Transportkette mitsamt den drei Verkehrsträgern Binnenschiff, Eisenbahn und Lkw im Fokus. Das war beim Vorgänger anders, der sich »nur« auf Wasserstraße und Straßentransporte konzentrierte.

»Die Binnenschifffahrt wird für uns immer ein wichtiger Faktor sein«, sagt Hergen Hanke, Geschäftsführer von Modal3 Logistik. Mit der Gründung der Firma und der Integration des Bahnangebots von Baltic Train würden sich nun aber neue Möglichkeiten ergeben, insbesondere in Bezug auf den kombinierten Verkehr.

»Unser Ansinnen, mit Modal3 die komplette Kette der Verkehrsträger anzubieten, ist voll aufgegangen«, so Hanke. Die gemeinsame Vermarktung der sich ergänzenden Haupttransportmittel Bahn und Binnenschiff sei absolut positiv. Schon vorher gab es im Binnenschiff– sowie im Bahnbereich oftmals die gleichen Kunden, denen nun aus einer Hand beide Produkte angeboten werden können. Dies komme sehr gut an, sagt Hanke.

Bahn und Binnenschiff haben bei Modal3 nach Aussage des Managers denselben Stellenwert. Weil BCF und Baltic Train in Bezug auf Umsatz und Menge der transportierten Güter in etwa gleich groß waren, hat Modal3 aufgrund der Integration von Baltic Train den Umsatz nunmehr verdoppelt. Welchen Verkehrsträger Kunden bevorzugen, hänge zum einen von der Region und zum anderen von dem zu transportierenden Produkt ab, erläutert Hanke.

Schon zu Zeiten von BCF wurden per Binnenschiff die beiden deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven bedient sowie im Hinterland die Standorte Magdeburg, Fallersleben und der 2019 eröffnete RegioPort OWL in Minden. Bei Bedarf wurde zudem der Hafen Braunschweig bedient. Mit der Inbetriebnahme des RegioPort OWL, an dem Modal3 Mitgesellschafter in der Betriebsgesellschaft ist, kann Minden nun mit größeren Schiffen angelaufen werden mit Längen von bis zu 100m. Deshalb und weil Ostwestfalen eine interessante Industrie- und Handelsregion sei, habe man den RegioPort OWL in die bestehenden Verkehre eingebunden.

Kombination von Verkehrsträgern

An dem Wasserstraßennetz hat sich durch Modal3 nichts verändert, die Verkehre erfolgen weiterhin über Weser, Elbe, Elbe-Seitenkanal und Mittellandkanal. Neu hingegen sind die Kombination und gegebenenfalls die Variation von Bahn- und Binnenschiffverkehren. Seit Mitte dieses Jahres fährt der Transportlogistiker das Bahnterminal in Salzgitter an. Nur in etwa 30km Entfernung befindet sich der Containerumschlagplatz in Fallersleben, der per Binnenschiff bedient wird. Ähnliches sei künftig auch im Hafen Magdeburg möglich, mit dem eine Kooperation besteht. Dorthin gibt es einen Spotverkehr per Eisenbahn und eine Schiffsverbindung. Entsprechend könnten auch hier künftig Verkehre miteinander kombiniert werden.

Zusätzlich zu den Verkehrsträgern sind bei Modal3 auch die Terminalaktivitäten von Bedeutung. Über das Netzwerk besteht Zugriff auf verschiedene Containerterminals. Die Anlage in Haldensleben wird selbst vollständig betrieben, in Fallersleben ist man Mitgesellschafter der Betriebsgesellschaft CTF und beim RegioPort OWL in Minden ist man über das Unternehmen WCX, das man zu Jahresbeginn übernommen hatte, ebenfalls mit im Boot und somit Teil der Betriebsgesellschaft die zu gleichen Teilen aus WCX, der Spedition Bobe und dem Mindener Hafen besteht.

Erstes eigenes Bahnterminal

Zum 1. Januar 2021 soll dann zu 100% die Betriebsgesellschaft WKT (Werra Kombi Terminal) in Philippstal übernommen werden, wie Hanke ankündigt. Hierbei handelt es sich um ein reines Eisenbahnterminal mit zwei Gleisen und einem jährlichen Umschlag von und 15.000 Containern. Wegen seiner Lage in der Mitte Deutschlands gilt der Standort als Drehkreuz für die Regionen Osthessen und Westthüringen. Durch die Übernahme erweitert Modal3 das Einzugsgebiet nach Süden.

Wie der Vorgänger BCF verfügt Modal3 über eine Flotte von vier 100m langen Frachtern sowie über zwei 85m lange Schubleichter. Zusätzlich gibt es noch sechs bis sieben Einheiten, die als Partikulier hinzukommen. Schiffe des Gesellschafters Lauk können bei Bedarf ebenfalls genutzt werden.

Im kommenden Jahr will Hanke die Kooperationen auf andere Standorte ausweiten und die Digitalisierung vorantreiben. Software und Schnittstellen stünden hier im Fokus.

An der Flottengröße soll sich unterdessen zunächst einmal nichts ändern. Die Modernisierung sei hingegen ein Thema. Die Anpassung an neue Motorennormen könne aber erst erfolgen, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll sei. Dazu müssten die Motoren erschwinglich sein und entsprechend gefördert werden, sagt Hanke. Auch alternative Antriebskonzepte seien noch in den Kinderschuhen.

Lobbyproblem besteht weiter

Ohnehin macht eine Modernisierung der Flotte für den Firmenchef erst dann Sinn, wenn die Infrastruktur ausgebaut wird. Als wichtigstes Projekt führt er die neue Schleuse Lüneburg an, nach dessen Bau größere Schiffe den Elbe-Seitenkanal befahren können.

Darüber hinaus wünscht sich Hanke verlässliche Betriebszeiten an den gesamten Anlagen. Reparaturstau und Personal seien hier die Hauptprobleme. Schwierigkeiten mit den Betriebszeiten an Wochenenden würden insbesondere an der Weser auftreten. Allgemein werde im Vergleich zum Straßenverkehr zu wenig in die Infrastruktur an den Wasserstraßen investiert, kritisiert Hanke. Noch immer habe die Binnenschifffahrt vor allem gegenüber der Straße eine schlechte Lobby.


Thomas Wägener

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