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Das Bundesland Bayern hat zwei neue Polizeiboote für die Donau und angrenzende Flüsse erhalten. Gefertigt wurden die Einheiten auf der Öswag-Werft in Linz

Anfang November wurden gleich zwei neue Polizeiboote auf der Donau in Dienst gestellt. Zunächst übergab Bayerns Innenmisters Joachim Herrmann in Regensburg die »WSP 11«. Das knapp 15m lange, 4,10m breite und 0,96m tiefgehende Schiff hat eine Höchstgeschwindigkeit von 39km/h und bietet bis zu 15 Personen Platz. Mit diesen Maßen sowie der neuesten Technik sei es hervorragend geeignet für Einsätze auf der Donau, so das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. Der Neubau ersetzt das alte Polizeiboot aus dem Jahr 2001. Zu den Neuerungen zählen unter anderem ein leistungsstarker LED-Scheinwerfer sowie eine Infrarot-Wärmebildkamera von Flir, mit der die Personensuche am und im Wasser erleichtert werden soll. Der Rumpf des Bootes ist aus Aluminium gefertigt statt glasfaserverstärktem Kunststoff, was mehr Sicherheit bei Anstößen und Kurvenfahrten bieten soll. Weiterhin sei das Boot bestens geeignet für das Festmachen an Güterschiffen, um während der Fahrt Kontrollen durchzuführen, heißt es.

Wenige Tage nach der Indienststellung der »WSP 11« in Regensburg folgte die Schwester »WSP 10« in Passau, die ebenfalls auf der Öswag-Werft gefertigt wurde. Auch hier wurde die Zeremonie von Bayerns Innenminister Herrmann vorgenommen. Das neue Streckenboot ersetzt das alte Polizeiboot aus dem Jahr 1989.

Den Antrieb der Neubauten leisten je zwei FPT-Iveco-N67-ENTM-Motoren, die je 257 kW Leistung erbringen und die vom Vertriebspartner Sauer & Sohn geliefert wurden. Als Getriebe dient ein ZF286A. Python zeigt für Drucklager verantwortlich, ProfiSeal für die Wellendichtung. Es handelt sich um mechanische Gleitringabdichtungen. Gegenüber einer Lippenabdichtung trete dadurch auf der Welle kein Verschleiß auf, sagt der Hersteller.

Die Wellenanlage sowie den 5-Blatt-Propeller hat Thies Propeller bereitgestellt. Der hydraulische Bugstrahler mit der Bezeichnung SH160/215T-U6 stammt aus dem Hause Side Power by Sleipner-Motors. Die vollhydraulische Rudersteuerung erfolgt über eine Bedieneinheit von Raymarine. Derselbe Hersteller hat das Multifunktionsdisplay bereitgestellt, mit dem Echolot und die Kameras auf dem Dach und dem Achterdeck gesteuert werden können. FS Schiffstechnik mit Sitz in Duisburg hat die Hydrauliksteuerung geliefert.

Auf der Brücke ist der Precision Navigator II installiert, ein Kompaktgerät von Swiss Radar, das Flussradar, ECDIS und Inland-AIS vereint. Webasto zeigt für die Klimaanlage Blue Cool S verantwortlich, Fa. Scheer für das Heizsystem Kabola 40.

Als Scheibenwischer wirkt ein von American Bureau of Shipping (ABS) und DNV GL klassifizierter Type C Straight Line Whiper von Wynn. Darüber hinaus ist eine Gasmeldeanlage von Dräger installiert, während die Wahl bei Wechselrichter und Inverter auf Victron Energy fiel. Mit Equipment von Phillippi ist die Tank- und Stromüberwachung möglich. Der Anker mit der Bezeichnung D’Hone ist eine Entwicklung von Wortelboer, die Ankerwinde HR 3500 wird hydraulisch betrieben und ist auf Fa. Muir zurückzuführen.

1,3 Mio. € Kosten pro Schiff

Je 1,3 Mio. € ließ sich das Bundesland Bayern die Anschaffung der beiden Schiffe kosten. »Das wichtigste Arbeitsmittel der Wasserschutzpolizei ist das Polizeiboot. Wir legen daher in Bayern großen Wert auf eine moderne Flotte, die auf dem neusten Stand der Technik ist. Nur so können die anspruchsvollen Aufgaben bestmöglich erfüllt werden«, so Herrmann. Die neuen Boote verbesserten spürbar die Arbeitsbedingungen.

Während die Wasserschutzpolizei Regensburg zuständig ist für einen 88km langen Abschnitt der Donau sowie Teilbereiche der Flüsse Naab und Regen, hat die Wasserschutzpolizei Passau einen 57km langen Zuständigkeitsbereich an der Donau und ist zusätzlich für Teilbereiche der Flüsse Inn, Ilz und Vils sowie die Deutsch-Österreichischen Grenze verantwortlich.

Zu den Aufgaben zählen unter anderem die Überwachung von gefährlichen Gütertransporten, die Kontrolle von Wasserfahrzeugen hinsichtlich ihrer Zulassung sowie die Überprüfung der Einhaltung umwelt- und fischereirechtlicher Bestimmungen.

Etwa 500 Kontrollen 2019

Im vergangenen Jahr führten die Kolleginnen und Kollegen der Wasserschutzpolizei Bayern nach eigenen Angaben bei 1.100 Einsatzstunden mit dem Streckenboot rund 500 Kontrollen der Berufsschifffahrt und von Sportbooten durch. Schwerpunkt der Anzeigen waren Verstöße gegen schifffahrtsrechtliche Vorschriften und Umweltdelikte.

Die Wasserschutzpolizei in Bayern verfügt aktuell über 42 Boote unterschiedlichster Gattungen.


Thomas Wägener

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