Neubau, Gastanker, Gas 94
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Mit der »Gas 94« wird ab September 2021 eine absolute Neuheit in der Binnenschifffahrt auf dem Rhein unterwegs sein. Der neue Gastanker der HGK Shipping kombiniert einen innovativen Hybridantrieb mit einer Tiefgang-optimierten Schiffskonstruktion

Am Rumpf des neuen Gastankers der HGK Gas Shipping wird in großen Buchstaben »Driving Sustainability« zu lesen sein. Das Motto steht für den Ansatz des Unternehmens, einer der Vorreiter für nachhaltige Binnenschifffahrt zu sein und mit der »Gas 94« gleich zwei Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

Eigenes Design

Das Unternehmen selbst kompensiert im Bereich Gas Shipping seine CO₂-Emis­sionen künftig über Zertifikate. Ziel ist es, einen freiwilligen, internen Preis auf alle CO₂-Emissionen zu setzen, um weitere Anreize zur Verringerung der Schadstoffausstoßes und letztlich zur Klimaneutralität zu schaffen. Die ensprechenden Umweltprojekte seien bereits ausgewählt worden, heißt es.

Schon seit einigen Jahrzehnten entwickeln Experten der Reederei, heute in Zusammenarbeit mit ausgewählten Ingenieuren des Design Centers der HGK Shipping, innovative Schiffskonstruktionen, die den Anforderungen der Industrie gerecht werden und dabei immer wieder neue Maßstäbe für die gesamte Branche setzen. So entstanden auch die Grundidee, das Konzept und das Engineering für die zukunftsweisende Konstruktion der »Gas 94« in enger Abstimmung zwischen dem Design Center und den Transportmanag­ement-Experten der HGK Gas Shipping in Hamburg.

Eingesetzt wird der innovative und in der Binnenschifffahrt bisher einzigartige Neubau im Rahmen eines langjährigen Vertrags mit einem Großkunden aus der chemischen Industrie entlang der Rheinschiene.

Weniger CO₂ auf dem Wasser

Zunehmend wichtige Kriterien bei Neuentwicklungen sind Nachhaltigkeit und Klimaschutz. »Die Binnenschifffahrt kann und muss einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des europäischen Verkehrs leisten«, sagt Steffen Bauer, CEO der HGK Shipping CEO. »Wir haben bei uns den Transformationsprozess zu einer nachhaltigen Flotte bereits eingeleitet. Die ›Gas 94‹ ist ein bedeutender Meilenstein auf diesem Weg.«

Der Auftrag ging an die TeamCo Ship­yard im niederländischen Heusden. Baubeginn für die 110 m lange und 12,5 m breite »Gas 94« erfolgte bereits Mitte 2020. Mit dem Bau des Kaskos war die Partner-Werft in Stettin in Polen beauftragt. Die Herstellung der vier Tanks (je ca. 584 m³) erfolgte durch die Barlage GmbH. Das komplette Outfitting erfolgt dann anschließend bei TeamCo. Im dritten Quartal dieses Jahres wird das Niedrigwasser-Gastankschiff mit dem klimafreundlicheren Hybridantrieb dann die Flotte der HGK Shipping erweitern und maßgeblich den CO₂-Fußabdruck der Transporte reduzieren.

Gas 94, Neubau
Aufgrund der Achter- und Vorschiffsformen auch nach außen unkonventionell: der neue Niedrigwasser-Gastanker (© HGK)

Der Hauptantriebsstrang der »Gas 94« besteht aus drei Ruderpropellern mit jeweils einem 405 ekW leistenden Elektromotor von Veth. Der Direktantrieb erfolgt ausschließlich über die auf der Welle installierten Elektromotoren. Gespeist werden diese von Diesel-Generatoren der neuesten Generation, die von Dolpower mit einem Abgasnachbehandlungssystem ausgestattet werden.

Insgesamt vier Generatoren mit einer Gesamtleistung von 1.440 eKw werden verbaut, wobei bereits zwei in der Lage sein werden, die drei Antriebsstränge mit ausreichend Leistung zu versorgen. Möglich ist dies durch die intelligente Energieeinspeisung über das bordeigene Power-Management-System von Werkina, das es den Angaben zufolge sogar erlaubt, kleinere Teilstrecken rein elektrisch zu fahren.

Der Neubau erfüllt die in der EU gelende Stage-V-Abgasnorm und reduziert durch das Hybridkonzept die CO₂-Emissionen um bis zu 30 %. Auch der Ausstoß anderer Schadstoffe soll deutlich verringert werden. So fällt etwa der NOx-Ausstoß mindestens 70 % geringer aus als bei bisher üblichen ZKR 2-Motoren, die Feinstaub-Emissionen werden um über 90 % reduziert. Auch die Geräuschbelastung werde enorm vermindert, heißt es.

Mit der »Gas 94« werde nicht nur der Carbon Footprint der Kunden positiv beeinflusst. »Außerdem konnten wir bei der Konstruktion eine weitere essentielle Anforderung der Industrie an die Versorungssicheheit erfüllen«, sagt Anke Bestmann, Geschäftsführerin der HGK Gas Shipping. »Im Gegensatz zu herkömmlichen Schiffen kann unser neues Gastankschiff selbst bei extremem Niedrigwasser auf dem Rhein noch fahren und eine Grundversorgung des Warenempfängers gewährleisten.«

Die Tiefgang-optimierte Bauweise verbessert die Auftriebseigenschaften des Schiffskaskos. Das sei in mit zahlreichen Kalkulationen, Simulationen und Realversuchen untersucht und nachgewiesen worden. Außerdem helfe ein wirksamer Trimm durch eine ausgefeilte Anordnung von Komponenten wie den Tanks der Firma Barlage und den Antriebsanlagen. Nach Angaben der HGK Shipping kann das neue Gastankschiff damit den Rhein am Pegel Kaub selbst noch bei einer kritischen Wasserstand von 0,25 m passieren.

»Es geht uns darum, die Binnenschifffahrt langfristig wettbewerbsfähig zu machen«
Steffen Bauer, CEO HGK Shipping

Die »Gas 94« sei ein weiterer Schritt in der Nachhaltigkeitsstrategie der HGK Shipping, jedoch nicht der letzte in diesem Jahr. Im Rahmen des »Green Carrier Programms« ermittelt das Unternehmen seit 2017 die tatsächlichen CO₂-Emissionen seiner Flotte und nimmt eine interne Eco-Klassifizierung vor. So sollen die Emissionen um 3 % jährlich gesenkt werden. »3 % sind uns aber nicht genug«, sagt Anke Bestmann. »Daher haben wir uns dazu entschlossen, den CO₂-Ausstoß unserer Gastankschiff-Flotte ab diesem Jahr komplett zu kompensieren.«

Dieser Schritt erfolgt über CO₂-Zertifikate und die damit verbundene Investition in Klimaschutzprojekte weltweit. Die HGK Gas Shipping arbeitet dabei nach eigenen Angaben eng mit der Firma South Pole zusammen, einer international führenden Entwicklerin von Klimaschutzprojekten.

Drei konkrete Projekte seien aus dem Portfolio ausgewählt worden, durch die das Unternehmen dazu beitragen will, die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen zu erreichen. Zu den ausgewählten Maßnahmen zählt ein Projekt in Thailand, das Biogas aus dem Abwasser einer Stärkefabrik zur Gewinnung von nachhaltigem Strom nutzt, der dann wieder in die Produktion zurückfließt. Pro Jahr werden dabei durchschnittlich 850.000 m³ Abwasser gereinigt und damit rund 90.000 t an CO₂-Emissionen eingespart. Das zweite Projekt sorgt dafür, dass Menschen in wirtschaftlich schwachen und abgelegenen Gemeinden in Kambodscha Zugang zu bezahlbarem, sauberen Trinkwasser erhalten, ohne dass sie es zuvor mit Brennholz oder fossilen Brennstoffen abkochen müssen.

Schließlich werden für die HGK Gas Shipping CO₂-Zertifikate aus einem Waldschutz-Projekt in Zimbabwe anerkannt, das Bauern und der lokalen Bevölkerung zusätzliche Einkommensquellen erschließt und damit rund 785.000 ha Wald an der südlichen Küste des Kariba-Sees schützt.

»Bei unserem Programm ›Driving Sustainability‹ geht es um die Zukunft der Branche und darum, die Binnenschifffahrt auch langfristig wettbewerbsfähig zu machen«, sagt CEO Steffen Bauer. Nur so könne das Gewerbe als umweltfreundlicher Verkehrsträger weitere Anteile am Modal Split dazugewinnen. »Die HGK Shipping möchte Verantwortung übernehmen und mit gutem Beispiel vorangehen.«

HGK, Gas 94, Neubau
Das Kasko schwimmt (© HGK Shipping)
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