Bayerische Seenschifffahrt
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Ein zu 100% elektrisch betriebenes neues Personenschiff soll in diesem Jahr auf dem Starnberger See in Bayern in Betrieb gehen. Mit der modernen Technik an Bord wird auch ein Signal für mehr Umwelt- und Klimaschutz gesetzt.
Von Thomas Wägener

Das Fahrgastschiff entsteht bei der Lux-Werft in Mondorf, Eigner ist die Bayerische Seen-Schifffahrt. Laut Geschäftsführer Michael Grießer fiel die Wahl auf einen Neubau, weil die beiden Personenschiffe »Phantasie« und »Berg« nach nahezu 60 Dienstjahren nicht mehr zeitgemäß sind und eine Sanierung nicht mehr in Frage kam. Die Lux-Werft erhielt den Zuschlag für die Fertigung des 35 m langen, 8,20 m breiten und für 300 Personen zugelassenen reinen Elektroschiffes.

Für einen Neubau habe auch gesprochen, dass die beiden ausgemusterten Einheiten weder behindertengerecht seien noch dass es an Bord die Möglichkeit des Fahrradtransports gebe. Beides seien für die Reederei wichtige Faktoren für den Betrieb ihrer Schiffe. Auch der Umweltschutz soll künftig stärker berücksichtigt werden, sagt Grießer.

Als Hauptantrieb werden zwei STP-100 von Schottel mit einer Leistung von jeweils 200 kW installiert. Der Hersteller liefert auch den Hilfsantrieb, einen STT-60 mit 75 kW Leistung. Die Energieversorgung des Schiffes erfolgt über ein Batteriesystem mit einer Leistung von rund 1.600 kWh, das vollständig mit Ökostrom aufgeladen wird. Wie genau das funktioniert, dazu will sich der Schiffbaubetrieb nicht in die Karten gucken lassen, da es sich um eine Eigenentwicklung handelt. Nur so viel: Es handle sich um Lithium-Ionen-Batterien in zwei getrennten Systemen. Die Ladung erfolgt über eine Landeinspeisung mit 2 x 400 VAC (2 x 80 kW).

Für das Batteriesystem gelten die Vorschriften des ES-TRIN Kapitel 10 Nr. 15: Für Lithium-Ionen-Akkumulatoren sind die Anforderungen der Europäischen Normen EN 62619 in der am 6. Juli 2017 gültigen Fassung und EN 62620/2015 maßgebend.

Für die Nautik an Bord zeigt Kadlec & Brödlin verantwortlich, die Transformatoren stammen von der Firma Block. Den Innenausbau leistet Holzmanufaktur und Vitrinenbau Auer mit Sitz in Innsbruck in Österreich.

Bereits Ende vergangenen Jahres war der Neubau auf eigenem Kiel über Rhein, Main und Donau bis nach Passau gefahren. Von dort ging es per Schwertransport weiter zur Werft am Starnberger See, wo derzeit der Innenausbau erfolgt. Jüngst wurden Wandverkleidungen angebracht, Küchenmöbel eingebaut und Fußböden verlegt. Zum angepeilten Saisonstart im April soll das Elektroschiff in Betrieb gehen. »Wir gehen davon aus, dass wir auf Ammer- und Starnberger See am Ostern-Wochenende starten können«, sagt Grießer.

Rein technisch hat der Reederei-Chef die Erwartung, dass der Elektroantrieb »reibungslos funktioniert.« Betrieblich gesehen wünscht er sich, dass die Fahrgäste aufgrund des neuen und modernen Tagesausflugschiffes »noch mehr Lust bekommen, eine Schifffahrt auf dem Starnberger See zu unternehmen.«

Wie viele andere Betriebe habe auch die Bayerische Seen-Schifffahrt die Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Bezüglich weiterer Neubauten oder die Nachrüstung bestehender Einheiten könne er deshalb derzeit keine fundierten Aussagen treffen, so Grießer. Vielmehr bleibe abzuwarten, wie sich das Jahr 2021 und die Folgejahre entwickelten. Erst dann könne er zu weiteren Investitionen Genaueres sagen.

 

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