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So soll das weltweit erste mit Wasserstoff betriebe Güterschiff einmal aussehen © Flagships
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Das europäische Innovationsprojekt Flagships will das weltweit erste mit Wasserstoff betriebene Frachtschiff auf der Seine einsetzen. Der kommerzielle Betrieb soll noch in diesem Jahr im Großraum Paris aufgenommen werden

Eigentümerin des weltweit ersten Wasserstoff-Frachtschiffs wird die französische Binnenschiffsreederei Compagnie Fluvial de Transport (CFT) sein, eine Tochtergesellschaft der Sogestran-Gruppe. Das Unternehmen entwickelt derzeit ein neues Geschäftsmodell für eine City-Logistik im Großraum Paris.

»Die Nachfrage nach nachhaltigen Technologien in der Binnenschifffahrt nimmt zu. Wir freuen uns, im Rahmen des Flagships-Projekts eine Vorreiterrolle bei der Reduzierung von Emissionen im Transportwesen zu übernehmen und die überlegenen Eigenschaften von Wasserstoff-Brennstoffzellen in der Wasserschifffahrt zu demonstrieren«, sagt Matthieu Blanc, Direktor von CFT.

Eine umweltfreundliche Schifffahrt sei eine Voraussetzung für das Erreichen nationaler und internationaler Emissionsreduktionsziele. Schiffe, die mit erneuerbarem Wasserstoff angetrieben werden, sollen einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Emissionen und zur Verbesserung der Luftqualität in Städten und anderen dicht besiedelten Gebieten leisten, erklärt Flagships-Projektkoordinator Jyrki Mikkola vom Technischen Forschungszentrum VTT in Finnland.

Wasserstoff auf dem Vormarsch

Sowohl die EU als auch die Schifffahrtsindustrie sehen in Wasserstoff einen wichtigen Beitrag zu den Bemühungen, den Klimawandel einzudämmen. Das Projekt Flagships wurde 2018 mit 5 Mio. € aus dem EU-Forschungs- und Innovationsprogramm »Horizon 2020« im Rahmen des Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU) gefördert, um zwei Wasserstoffschiffe in Frankreich und Norwegen einzusetzen.

Ursprünglich war geplant, ein Wasserstoff-Schubboot im Raum Lyon einzusetzen. Doch als sich ein höheres Potenzial für die Verwendung von Wasserstoff im Güterverkehr abzeichnete, wurde das Pilotprojekt von einem Schubboot in ein Binnenfrachtschiff umgewandelt. Das geplante Schiff soll künftig Güter auf Paletten und in Containern entlang der Seine transportieren.

Die Schwerpunktverlagerung basiert auf den Erfahrungen der Sogestran-Gruppe in Belgien, wo Blue Line Logistics (BLL), ein weiteres Tochterunternehmen der Sogestran-Gruppe, drei Frachtschiffe unter dem Konzeptnamen »Zulu« betreibt. Ein Zulu-Schiff wurde auch in Paris in Betrieb genommen, und zwei weitere Zulu-Schiffe für den gleichen Markt sind derzeit im Bau.

Im Rahmen des Flagships-Projekts wird auf einem der Neubauten, der in diesem September abgeliefert werden soll, ein System zur Erzeugung von Wasserstoffstrom installiert. Blue Line Logistics plant, das Schiff noch vor Ende 2021 mit Wasserstoff zu betreiben.

»Flagships wird als Vorreiter demonstrieren, wie Schiffe mit ›grünem‹ Wasserstoff betrieben werden, um den Verkehr auf innerstädtischen Flüssen zu dekarbonisieren«, sagt Bart Biebuyck, Executive Director bei FCH JU.

Das Schiff wird mit komprimiertem Wasserstoff betrieben, der durch Elektrolyse erzeugt wird. Das Antriebsspaket für das Projekt »Zulu« stammt von ABB Marine & Ports , die Brennstoffzellen kommen von Ballard. LMG Marin ist für die Detailkonstruktionszeichnungen verantwortlich, der Wasserstoff wird von Zulieferern aus der Region Paris bereitgestellt, heißt es weiter.

Das Flagships-Konsortium umfasst zwölf europäische Partner. Darunter sind die beiden Reedereien Norled (Norwegen) und CFT (Frankreich), die von ihren Konzernmüttern Sogestion und Sogestran unterstützt werden, ABB, Westcon Power & Automation, Ballard sowie das Schiffsdesign-Unternehmen LMG Marin. RD

FCH JU

Das Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU) ist eine öffentlich-private Partnerschaft zwischen Industrie und Wissenschaft (Hydrogen Europe und Hydrogen Europe Research) sowie der EU, um den Einsatz von Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologien zu beschleunigen. Das FCH JU unterstützt eine breite Palette von Projekten, um geeignete Technologien zu entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu verbessern.

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